Sport : Herausforderung Familie

Herr Häkkinen[wie waren die letzten Wochen v]

Mika Häkkinen (33) fuhr von 1993 bis zum Oktober dieses Jahres für das McLaren-Team in der Formel 1. Er gewann 20 Rennen und holte zwei Weltmeistertitel. Für die kommende Saison ist der Finne nicht mehr im McLaren-Team vorgesehen.

Herr Häkkinen, wie waren die letzten Wochen vor dem Ruhestand?

Ich habe ein bisschen Zeit in meinem Wohnort Monaco verbracht, ein bisschen in der finnischen Heimat und noch ein paar Promotion-Termine gemacht. Eigentlich war es wie immer nach dem Ende einer Saison. Deshalb bin ich im Kopf immer noch auf Arbeit programmiert - darauf, alles ordentlich zu Ende zu machen. Ich bin aber auch ein bisschen müde. Erst jetzt wird sich wohl alles verändern. Wenn ich lange Zeit nichts vor mir habe. Ich freue mich darauf.

Worauf denn?

Naja, Weihnachten ist nicht mehr weit. Ich freue mich gewaltig, diese Tage mit meiner Frau Erja und meinem Sohn zu verbringen. Danach werde ich mich mal mit Erja zusammensetzen und Pläne schmieden. Bis jetzt haben wir praktisch noch keine Programme für 2002 aufgestellt.

Sie haben keine beruflichen Zukunftspläne?

Ich will etwas finden, was mich reizt und mir neue Motivation gibt. Bis jetzt habe ich das nicht gefunden. Ich setze mich nicht unter Zeitdruck. Aber es wäre bestimmt nicht gut für mich, wenn ich gar nichts mehr tun würde. Jeder braucht seine Herausforderung - und auf Dauer kann das nicht nur die Familie sein.

Was können Sie jetzt tun, was Sie früher nicht tun konnten?

Vor allem werde ich ohne Druck leben können. Ich werde mir Zeit nehmen können für meine Freunde, meine Verwandten, meine Familie - ohne dass ich immer unter Spannung stehe, weil ich nur für zwei Tage zwischen irgendwelchen Tests, Promotions oder Rennen zu Hause bin. Ich werde nicht mehr so viel reisen müssen.

Da wird sich Ihr Sohn aber freuen ...

Ja. Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, wie schön es ist, ihn wirklich aufwachsen zu sehen. Hugo ist jetzt fast ein Jahr alt, es ist faszinierend zu sehen, wie er sich entwickelt, was er alles lernt. Seit drei Tagen läuft er - ein ganz tolles Ereignis.

Das klingt nicht so, als wenn sie 2003 wieder in die Formel 1 zurückkommen wollen.

Ich kann heute absolut noch nicht sagen, was passieren wird. Vielleicht kann ich in einem halben Jahr mehr Auskunft geben. Dann werde ich besser wissen, wo ich stehe, meine eigenen Gefühle besser kennen. Dann werde ich wissen, was ich wirklich will.

Werden Sie in der kommenden Saison zu den Rennen kommen?

Zu einigen ganz sicher, ich weiß aber noch nicht, zu welchen. Monaco bestimmt - das liegt ja bei mir nur über die Straße.

Haben Sie keine Lust auf eine Testfahrt?

Ich weiß nicht, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich wollte mich zuletzt nicht viel mit der Formel 1 beschäftigen.

Was fühlen Sie, wenn Sie an den Saisonauftakt in Melbourne denken?

Ich werde sehr gespannt sein vorher, werde spekulieren, wer wie gut sein wird. So wie das Medien und Fans auch tun. Es wird aufregend sein, im Fernsehen zuzuschauen. Wahrscheinlich werde ich auf dem Sofa herumspringen und mich fragen, was die Jungs da anstellen. Aber davor fürchte ich mich auch. Wenn sie Fehler machen, werde ich sagen, dass mir das nie passiert wäre - und dann werde ich zurückkommen wollen.

Erst einmal haben Sie ja Ihren Platz für Ihren Landsmann Kimi Räikkönen freigemacht. Inzwischen hört man, Sie wollten sein Manager werden. Stimmt das?

Das habe ich nicht vor. Ich kann zwar ganz gut sehen, was bei ihm gut oder schlecht läuft, aber ich werde mich da nicht einmischen. Ich bin nicht sein Manager, sein Vater oder sein Bruder. Ich bin nur ein Freund.

Was trauen Sie ihm zu?

Das ist schwierig zu beantworten. Die Leute fragen mich immer: Wer wird denn nun die Nummer eins bei McLaren sein, er oder David Coulthard? Aber wenn man dazu etwas sagt, dann setzt man die Fahrer unter Druck und schafft schlechte Stimmung.

Bei McLaren-Mercedes gibt es große Veränderungen: neue Reifen, neuer Fahrer.

Ich weiß nur, dass man bei McLaren-Mercedes einige Fehler aus diesem Jahr klar erkannt hat. Man hat erkannt, was man anders machen muss, um im kommenden Jahr besser zu sein. Die Veränderungen bei Reifen und Fahrern sind nicht so entscheidend. Entscheidend wird sein, ob David und Kimi absolute Teamplayer sein können, ob es ihnen gelingt, das Team zu motivieren.

Glauben Sie, dass Kimi Räikkönen das mit 21 Jahren schon schafft?

Ich glaube schon, dass er das kann - aber ich glaube auch, dass David es kann.

Wie sehen Sie heute ihr Verhältnis zu Michael Schumacher?

Wir hatten immer ein sehr professionelles Verhältnis zueinander, geprägt von gegenseitigem Respekt. Es gab keinen Krieg der Worte. Ich habe immer verstanden, warum er was getan hat. Allerdings haben wir nicht oft zusammen zum Abend gegessen.

Für viele gilt Juan-Pablo Montoya als Schumachers neuer Herausforderer?

Das hängt davon ab, wie gut der BMW sein wird. Fahrerisch weiß ich nicht so recht. Juan-Pablo Montoya hat eine Eigenschaft, die gut und schlecht sein kann: Er fährt sehr aggressiv.

Hat es die Konkurrenz leichter, weil Sie fehlen?

Ganz sicher.

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