Sport : Hertha bestraft sich selbst

Die Berliner verlieren Rehmer und Fathi durch Platzverweis – und das Spiel in Schalke mit 0:3

André Görke

Gelsenkirchen. Am Ende hat es Hans Meyer einfach nur noch ertragen. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC saß fassungslos auf seiner Bank, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und blickte starr aufs Spielfeld. 3:0 stand auf der Anzeigetafel, so hoch hatten die Berliner beim FC Schalke verloren. Doch das war bei weitem nicht alles an diesem Abend – es war noch viel schlimmer.

Das Debakel von Gelsenkirchen begann kurz nach der Halbzeit: Zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:1 durch ein Tor von Hamit Altintop, die Berliner hatten in der Pause noch „ein wenig Hoffnung geschöpft“, wie Meyer sagte. Herthas Trainer wechselte Marko Rehmer ein, um mit dessen Schnelligkeit die Abwehr abzusichern und den Druck nach vorn zu erhöhen. Das Resultat dieser Auswechslung sah so aus: Wenige Minuten später stand es 0:3 – und von Rehmer und seinem Kollege Malik Fathi war nichts mehr zu sehen. Rehmer hatte in seiner ersten Aktion unglücklich Schalkes Stürmer Gerald Asamoah umgerissen und deshalb die Rote Karte gesehen. Beim folgenden Freistoß in den Berliner Strafraum nahm Fathi die Hand zu Hilfe – und flog mit Gelb-Rot ebenfalls vom Platz. Schon in der ersten Halbzeit hatte er für ein Foul an Thomas Kläsener die Gelbe Karte gesehen. Den Handelfmeter verwandelte Jörg Böhme zum 2:0 für Schalke, wenig später erhöhte Ebbe Sand auf 3:0.

Das waren die wichtigsten Fakten aus einem katastrophalen Spiel der Berliner, die nach vier Spielen ohne Niederlage nun wieder engen Kontakt zu den Abstiegsplätzen aufgenommen haben. Hertha BSC liegt nur noch mit einem Punkt Vorsprung auf 1860 München auf dem 15. Tabellenplatz, der am Ende den Klassenerhalt garantieren würde. In zwei Wochen spielen die Klubs in München gegeneinander. Herthas Plan, möglichst früh den Klassenerhalt zu sichern, hat nach diesem Spieltag einen schweren Rückschlag erlitten. Immerhin kann Meyer am Sonnabend im Heimspiel gegen Borussia Dortmund wieder auf die beiden Nationalspieler Arne Friedrich und Fredi Bobic zurückgreifen, die gestern in Gelsenkirchen gesperrt waren. „Ich habe mich heute an der Seitenlinie genauso hilflos gefühlt wie unsere Fans auf der Tribüne“, sagte Meyer. „Aber ich werde jetzt nicht mein ganzes Seelenleben erzählen, das machen wir später.“

Die Enttäuschung nach dem Spiel war groß. Schon von der ersten Minute an sah es so aus, als würden sich die Berliner wie anständige Geburtstagsgäste benehmen wollen: Vor einigen Tagen hatte der Schalker Manager Rudi Assauer seinen 60. Geburtstag gefeiert, am Dienstag wird der Klub 100 Jahre alt. „Wir haben schlecht gespielt, wir waren für ein Auswärtsspiel zu offen“, sagte Meyer. Auf der rechten Abwehrseite hatte er nach fünf Monaten erstmals wieder Denis Lapaczinski spielen lassen. Doch der hatte sich sein Comeback „völlig anders vorgestellt“. Mit einem Fehlpass im Mittelfeld hatte der Verteidiger das 0:1 eingeleitet.

Immerhin, so sagte Lapaczinski, habe man das 0:3 „mit neun Mann ganz gut verteidigt“. Darüber ärgerte sich der Schalker Trainer Jupp Heynckes, der mangelnde Kreativität gegen neun Berliner vermisste. „Mit neun Mann hat ein 0:3 beinahe was Normales“, sagte Meyer. „Zum Glück haben uns die Schalker nicht noch härter bestraft.“ Die Strafe war schon hart genug.

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