Hertha BSC : Der "Anti-Marcelinho"

Während die anderen Brasilianer im Team mit Eskapaden auf sich aufmerksam machten, will Mineiro bei der Hertha mit Leistung überzeugen - auch, weil er den Weg zurück in die brasilianische Nationalmannschaft sucht.

Berlin - Zu gerne würde der kleine Mann mit der großen Lunge in London mit der brasilianischen Nationalmannschaft auflaufen. Doch während die "Selecao" am Mittwoch gegen Portugal spielt, ackert Carlos Luciano da Silva - genannt Mineiro - in Berlin an seiner Fitness. "Er wird uns weiterbringen", sagt Manager Dieter Hoeneß, der Mineiro zur Hertha holte. Schießt der 31 Jahre alte Neuzugang weiter solch spektakuläre Tore wie bei seinem Debüt gegen den HSV (2:1), wird auch der brasilianische Nationalcoach wieder bei Mineiro anklopfen. "Die Nationalelf ist in einer Phase, in der Carlos Dunga experimentiert. Wenn ich hier in Berlin gut arbeite, bekomme ich vielleicht auch wieder eine Einladung", meint Mineiro.

Der in Porto Alegre geborene Profi fällt selten auf. Selbst bei der WM im vergangenen Sommer, bei der Mineiro als Ersatz für den verletzten Edmilson in den Kader gerutscht war, wollte kaum jemand etwas von dem 1,70 Meter kleinen und 65 Kilo leichten Fußballer wissen. "Er ist ein bescheidener, zurückhaltender Mann", sagt auch Hoeneß. Warum spielt Mineiro erst jetzt - mit 31 - in Europa? "Irgendwie hat es nie gepasst. Entweder ich war nicht frei oder es gab kein konkretes Angebot, wenn ich frei war."

Technisch versiert und universell einsetzbar

In seiner Heimat hat der defensive Mittelfeldmann, den Hertha-Coach Falko Götz als "universell einsetzbar" einstuft, einen hervorragenden Ruf. Sein alter Club kämpfte verbissen um ihn: Mit Sao Paulo hatte Mineiro die Copa Libertadores, die Club-WM und die brasilianische Meisterschaft gewonnen. Der Familienvater gilt nicht nur als Dauerläufer, sondern auch als technisch beschlagen. Das bewies er schon mit seinem famosen Weitschusstor nach nur 23 Bundesliga-Minuten.

Extravaganzen wie bei seinem Vorgänger Marcelinho sind nicht zu erwarten. "Da gibt es gar keine Gefahr, dass er abhebt", so Hoeneß. Was bei Herta besonders gut ankommt, denn nicht immer waren die Erfahrungen mit Einkäufen vom Zuckerhut positiv. Da gab es die Diva Alex Alves, der schon mal mit weißem Pelz erschien, oder den glücklosen Weltmeister Luizao, der nie heimisch wurde. Und Marcelinhos Genialität auf dem Platz war zuletzt auch immer mehr von Undiszipliniertheiten und Eskapaden getrübt worden.

"Ich sehe mich nicht als Star"

Bei Mineiros Eingewöhnung will auch dessen Freund Gilberto helfen, beide spielten einst zusammen bei AD Sao Caetano. "Ich sehe mich nicht als Star, sondern will der Mannschaft helfen", erklärte Mineiro nach dem Siegtor gegen den HSV. "Er ist ein Arbeiter", bestätigt auch Gilberto. Erst einmal will der "Anti-Marcelinho" an seiner Fitness arbeiten, denn sein letztes Pflichtspiel in Brasilien liegt sechs Wochen zurück. Chefcoach Götz freut sich schon auf weitere tolle Auftritte und Tore von Mineiro: "Er ist auch in Brasilien schon als Torschütze aufgefallen - zwei, drei Mal im Jahr." (Von Jens Mende, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar