Hertha BSC : Der letzte Schub vor dem Finale

Der Sieg gegen Hoffenheim hat einiges verändert, Hertha BSC geht mit neuem Schwung in die Relegationsspiele gegen Düsseldorf. Dass die Berliner versuchen werden, den Zweitligisten zu überrennen, ist aber nicht zu erwarten.

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Das Ziel im Blick: Die Herthaner Ramos (l) und Ben-Hatira (r) mit Trainer Rehhagel
Das Ziel im Blick: Die Herthaner Ramos (l) und Ben-Hatira (r) mit Trainer RehhagelFoto: dpa

Was ein Spiel, ein einziger Sieg doch alles ändern kann. Hertha BSC wird jetzt wieder mit Respekt begegnet, nachdem sich die Mannschaft am Wochenende durch ein 3:1 gegen Hoffenheim in die Relegation gerettet hat. Als die Spieler am Montagmorgen um kurz nach zehn zur ersten Trainingseinheit vor den beiden Ausscheidungsspielen gegen Fortuna Düsseldorf auf den Schenkendorffplatz gehen, fährt gerade ein Schulbus auf das Olympiagelände. Die Schranke ist hoch, der Bus hat eigentlich freie Fahrt, doch der Fahrer lässt erst einmal alle Spieler passieren. Ich bremse auch für Hertha.

Es hat sich etwas verändert am Wochenende. „Eine kleine Erleichterung“ hat Torhüter Thomas Kraft im Kollegenkreis ausgemacht, „einen Schub an Selbstvertrauen“ auch. Die Mannschaft hat zwar gegen Düsseldorf immer noch etwas zu verlieren, die Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga nämlich, doch der vergangene Samstag hat gezeigt, dass sie auch noch gewinnen kann. „Wir haben uns diese Chance erarbeitet“, sagt Lewan Kobiaschwili. „Aber wir sind noch nicht durch.“

Der Sieg gegen Hoffenheim hat neue Kräfte freigesetzt, das sieht man auch bei Otto Rehhagel, der auf viele Beobachter zuletzt einen reichlich desillusionierten Eindruck gemacht hat. An diesem Vormittag findet der Trainer gewissermaßen zu sich selbst zurück. Einmal, bei einer unscheinbaren Kopfballübung, schreitet er ein, um Raffael die richtige Sprungtechnik zu zeigen. Rehhagel kann jetzt wieder Fußballlehrer sein.

Werfen Sie hier einen Blick zurück auf die turbulente Hertha-Saison:

Herthas Saison im Rückblick
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Tunay Torun ist nach seiner Denkpause zurück im Profitraining, und Marco Djuricin wird jetzt auch wieder gebraucht. Rehhagel hatte vor ein paar Wochen verkündet, dass der Österreicher nicht helfen könne und deshalb bei der U 23 trainieren werde. Am Samstag aber hat sich die Geschäftsgrundlage entscheidend geändert. Nach dem Kreuzbandriss von Pierre-Michel Lasogga steht Rehhagel mit Adrian Ramos nur noch ein gestandener und zudem im Moment nicht besonders formstarker Stürmer zur Verfügung. Vielleicht muss Herthas Trainer auch bei Andre Mijatovic noch einmal seine Ansicht ändern. Dem Kroaten hat er in der vorigen Woche einen zu großen Trainingsrückstand attestiert; gestern hat Mijatovic wieder mit der Mannschaft trainiert. Christian Lell hingegen muss sich noch auf individuelle Übungen beschränken. Sein Einsatz am Donnerstag, im Hinspiel gegen Düsseldorf (20.30 Uhr), ist zumindest fraglich.

Das einzige öffentlich zugängliche Training in dieser Woche ist weitgehend auf den letzten Gegner der Saison ausgerichtet. „Ein bisschen Fußball spielen, aber jetzt schon konzentriert sein“, sagt Co- Trainer René Tretschok. Mit einem Spiel auf sechs kleine Tore soll das richtige Verschieben einstudiert werden. Die Außenverteidiger auf der ballabgewandten Seite werden angehalten, nicht ganz so weit einzurücken, weil die Düsseldorfer oft mit Diagonalbällen hinter die Abwehr zu kommen versuchen. „Die hauen euch die Dinger da hinten rein“, warnt Tretschok.

Das Abstiegs-Fernduell vom letzten Spieltag in Bildern:

Hertha und Köln: Abstiegskampf im Fernduell
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Gerade im Hinspiel im Olympiastadion wird es darauf ankommen, kein Gegentor zu kassieren, weil im Zweifel wie im Europapokal die mehr erzielten Auswärtstreffer entscheiden. Dass Hertha versuchen wird, den Zweitligisten zu überrennen, ist daher nicht zu erwarten. „Wichtig ist erst einmal, dass wir gewinnen, danach, dass wir zu null spielen“, sagt Kobiaschwili, der in seiner Zeit bei Schalke sieben Jahre in Düsseldorf gewohnt hat. „Wir sollten nicht den Gedanken haben, dass wir schon im Heimspiel alles zu Ende bringen müssen.“ Sonst könnte im schlimmsten Fall schon nach dem Heimspiel alles zu Ende sein. Stefan Hermanns

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