Hertha BSC : Die Konstante Pantelic

Torjäger Marko Pantelic ist in seinem dritten Jahr bei Hertha als Stürmer und als Bindeglied gefragt. Das freut auch Manager Dieter Hoeneß.

Stefan Hermanns
Pantelic Foto: ddp
Lächelnder Torschütze: Marko Pantelic nach dem Spiel in Duisburg. -Foto: ddp

DuisburgAndré Lima, der neue Stürmer von Hertha BSC, offenbarte ungewohnte Probleme mit den Laufwegen. Lima stieß beherzt in den freien Raum vor, stockte und trat dann ein wenig kleinmütig den Rückzug an. Der Brasilianer war aus Herthas Kabinentrakt ins Foyer der Duisburger MSV-Arena getreten, doch als er nirgendwo ein bekanntes Gesicht entdeckte, kehrte er erst einmal dorthin zurück, wo er gerade hergekommen war. Auf dem Platz hat es der Brasilianer einfacher: Da spielt er an der Seite von Marko Pantelic.

Beim 2:1-Sieg in Duisburg bildeten Lima und Pantelic zum zweiten Mal Herthas Sturm, und auch wenn sich ihr Zusammenspiel dem flüchtigen Beobachter noch nicht unbedingt als fein abgestimmtes Duett präsentierte, so lag ihm doch eine gewisse Berechnung zugrunde. Lima kam in der Beurteilung eher schlecht weg, dabei hatte er vor allem in der ersten Hälfte vorbildlich für die Defensive geackert: Selbst kurz vor dem eigenen Strafraum hatten die Berliner zum Teil neun Feldspieler vor dem ballführenden Duisburger aufgebaut – alle bis auf Pantelic, der bei Balleroberung zum schnellen Gegenstoß ausholen sollte. Nach einer Stunde ging der Plan auf. Gilberto gewann im Mittelfeld den Zweikampf gegen Tararache, passte auf Pantelic, und der lenkte die Begegnung mit seinem Tor zum 1:0 für den Berliner Fußball-Bundesligisten in die richtigen Bahnen.

Christian Fiedler sitzt auf der Bank, Josip Simunic spielt eher auf Widerruf, Bastürk, Boateng, van Burik und Gimenez haben den Verein verlassen – neben Kapitän Arne Friedrich ist Pantelic die einzige tragende Größe, die den Umbruch unbeschadet überstanden hat. Im dritten Jahr spielt der Serbe für Hertha, und es deutet einiges darauf hin, dass er wie schon in den vorangegangenen beiden Spielzeiten den Berlinern ein verlässlicher Torschütze sein wird. Mit seinen Toren zwei und drei bescherte er Hertha in Duisburg den ersten Auswärtssieg der Saison.

„Er hat aus drei Chancen zwei Tore gemacht“, sagte Mittelfeldspieler Pal Dardai. „Das ist wunderschön.“ Dass Pantelic die Berliner vor der Pause um eine frühe Planungssicherheit gebracht hatte, war nach dem Spiel fast schon vergessen. Herthas Stürmer stand nach einer Flanke von Patrick Ebert frei vor dem Tor, konnte den Ball in aller Ruhe annehmen, tat es auch und setzte ihn dann aus fünf Metern mit unerklärlicher Hektik ins Toraus. Manager Dieter Hoeneß störte sich an der vergebenen Großchance nicht. Ganz im Gegenteil. Pantelic habe danach das Spiel allein entschieden und Biss gezeigt, lobte Hoeneß. Er sei eben ein echter Torjäger.

Dass Marko Pantelic geblieben ist, ist für den Berliner Bundesligaklub auch deshalb so wertvoll, weil vieles weiterhin im Fluss ist, weil die Mannschaft sich finden und sich die Vorgaben ihres neuen Trainers Lucien Favre immer noch mühsam ins Gedächtnis rufen muss. Automatisch läuft das noch lange nicht; wieder brauchte Hertha in der Halbzeitpause eine Nachschulung durch Trainer Favre, und wieder spielte die Mannschaft anschließend besser. „An den Feinheiten muss noch gearbeitet werden“, sagte Dieter Hoeneß. Obwohl Herthas Manager davon ausgeht, dass dieser Prozess noch eine ganze Weile in Anspruch nehmen wird, registriert er erste Zeichen der Besserung, vor allem in der Mentalität der Berliner Mannschaft.

Das trifft auch auf Marko Pantelic zu. „Für seine Verhältnisse hat er in der Vorbereitung enorm viel gearbeitet“, sagte Hoeneß. Vor allem aber hilft Pantelic der Mannschaft, auch Spiele zu gewinnen, in denen sie alles andere als überzeugend auftritt. „Er ist sehr wichtig“, sagte Favre über den Stürmer. „Er arbeitet viel. Er redet auch viel mit den jungen Spielern.“ Nur mit den Journalisten redet Pantelic immer noch nicht. Inzwischen betreibt er seinen privaten Presseboykott schon so lange, dass niemand mehr weiß, warum eigentlich. „Entschuldigung, Jungs“, sagte Pantelic in Duisburg zu den Reportern. Er zog seine Schultern hoch und hob seine Hände. In der Rolle des Leidenden ist Marko Pantelic einfach unübertroffen.

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