Sport : Hertha BSC: Ein harmonisches Bild

Frank Bachner

Bestimmt hätte Cindy Goor nur ein paar Sekunden später Genickstarre bekommen. Sie ist ja fast zwei Köpfe kleiner als Bart Goor, und jetzt muss sie schon endlos ihren Gatten auf die Wange küssen. Die Fotografen verlangen das, es soll doch schöne Bilder geben. Sie sollen Harmonie zeigen. Bart Goor, der Fußballprofi, der eine gute Beziehung führt. Und ein bisschen sollen sie natürlich auch suggerieren, Bart Goor werde deshalb auch zu seinem neuen Verein ein ausgezeichnetes Verhältnis haben. Es beginnt ja erst. Gestern hat Hertha BSC seinen Neuzugang fürs linke offensive Mittelfeld präsentiert; Herthas Manager Dieter Hoeneß strahlt, Goor strahlt, seine Frau strahlt, und Goor sagt: "Ich möchte mit Hertha BSC in die Champions League kommen. Der Uefa-Cup ist ja ganz schön, aber ich möchte mehr." Da lacht Hoeneß laut und klopft dem 28-jährigen Belgier auf die schmalen Schultern. Die sind auffallend schmal. Goor ist hochgewachsen, 1,83 m groß, aber er wirkt, als könnte ihn ein heftiger Windstoß umwehen. Das täuscht natürlich, Goor hat 26 mal für Belgien gespielt, er hat dabei fünf Tore geschossen, und Hoeneß sagt, dass "wir mit ihm links sehr gut besetzt sind".

Zum Thema Saisonrückblick: Das Hertha-Konzentrat bei Tagesspiegel Online Gut möglich. Goor hat jedenfalls in dieser Saison mit RSC Anderlecht in der Champions League gespielt, und jetzt wird er noch zwei Länderspiele für Belgien bestreiten, dann stößt er spätestens am 30. Juni zum Hertha-Training. Und dann, lässt Goor übersetzen, spricht er auch ausgezeichnet Deutsch.

Hoeneß wickelt dann verbal noch eine andere Personalie ab. Der 17-jährige Mittelfeldspieler Nderim Nedzipi vom mazedonischen Tabellenführer FC Sloga Jugomanat spielt ab Sommer für Hertha BSC. Der U-21-Nationalspieler erhält einen Zwei-Jahresvertrag (plus Option bis 2006) "und ist ein sehr großes Talent" (Hoeneß). Nedzipi spielt erstmal bei den Amateuren, wird aber meist bei den Profis mittrainieren.

Und, unvermeidlich, kommt dann auch noch das Pokalfinale ins Gespräch. Wem, Herr Hoeneß, drücken Sie die Daumen? "Union natürlich. Der Verein hat im Pokal bisher eine phantastische Leistung gezeigt." Aber das hören Bart und Cindy Goor nicht mehr. Es hätte sie wohl auch nicht interessiert. Sie sind längst gegangen, vermutlich Hand in Hand. Wäre bestimmt auch ein schönes Bild gewesen.

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