Hertha BSC : Favre wirft Pantelic aus dem Kader

Herthas Torjäger Marko Pantelic ist unentschuldigt vom Training ferngeblieben. Trainer Lucien Favre setzt den Serben deshalb gegen Stuttgart auf die Tribüne.

Claus Vetter
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"Unentschuldigtes Fernbleiben": Marko Pantelic ist bei der Hertha erst mal suspendiert. -Foto: dpa

Am Mittwochabend hatte Marko Pantelic geglänzt. Eine elegante Drehung hier, eine Körpertäuschung dort und zwei Vorlagen zu zwei Toren – im Wiener Ernst-Happel-Stadion hatte der filigrane Stürmer seiner serbischen Nationalmannschaft beim 3:1-Erfolg in Österreich entscheidend geholfen. Dabei muss sich Pantelic aber überanstrengt haben. So sehr sogar, dass er am folgenden Tag entschied, das Training bei seinem Berliner Bundesliga-Klub unentschuldigt sausen zu lassen. Das kam beim Trainer von Hertha BSC nicht gut an. Lucien Favre hatte am Freitag genug von den Eskapaden seines kapriziösen Stürmers: Der Schweizer suspendierte Pantelic für das Bundesligaspiel am Sonnabend gegen den VfB Stuttgart im Olympiastadion (Beginn15.30 Uhr).

Pantelic, die Diva. Die Geschichte ist nicht neu, sie ist nun nur um ein Kapitel reicher geworden. Es kam schon häufig vor, dass der Serbe mal ein Training ausfallen ließ, mit Begründungen wie der, dass er „ein schlechtes Körpergefühl“ habe. Zuletzt zoffte sich Pantelic dann mit Favre, weil sich der Stürmer im Spiel gegen Wolfsburg anstelle des vorgesehenen Cicero zum Elfmeterschützen deklarierte und dann seinen dritten Strafstoß in Folge verschoss. Im neuesten Fall hat sich Pantelic wohl überschätzt. Er hatte sich vor Trainingsbeginn am Donnerstag beim Physiotherapeuten Thomas Sennewald behandeln lassen und war dann nach Hause gefahren. Dort habe er geschlafen und die Anrufe auf seinem Handy nicht gehört, sagte Pantelic. Am Abend habe sich die Angelegenheit aber aufgeklärt. Anscheinend war Favre anderer Meinung. Er sagte dem Serben vor Herthas freitäglichem Morgentraining, dass er ihn am Sonnabend nicht berücksichtigen würde. Pantelic fuhr daraufhin zurück in seine Charlottenburger Wohnung – und kam am frühen Nachmittag zur Geschäftsstelle unweit des Trainingsgeländes an der Hanns-Braun-Straße. Dort verhandelte Manager Dieter Hoeneß mit den Beteiligten über die Affäre: Das Ergebnis war nicht überraschend. Als Grund für die Suspendierung des Serben nannte Hertha „unentschuldigtes Fernbleiben vom Training“. Zudem bekomme er eine Geldstrafe, sagte Klubsprecher Hans-Georg Felder. Am Sonntag soll Pantelic wieder ins Training zurückkehren.

Nun gibt es für das Verhalten von Pantelic eine mögliche Erklärung. Da wäre sein Vertrag bei Hertha, der am Ende der Saison ausläuft. Seit einiger Zeit wird verhandelt, doch zwischen den finanziellen Vorstellungen des Profis und von Hoeneß klaffen Welten – obwohl der Manager als Befürworter einer weiteren Zusammenarbeit gilt, während Favre wohl lieber ohne Pantelic planen würde. Vielleicht möchte der auch den Absprung schaffen, schließlich bietet ihm Mittelklasse-Bundesligist Hertha nicht die gewünscht große Bühne, das hat der Stürmer schon mal durchblicken lassen.

Der Verzicht auf den 30 Jahre alten Pantelic macht Herthas Aufgabe am Sonnabend nicht einfach. Der Serbe hat immerhin schon 40 Bundesligatore für die Berliner in 95 Spielen erzielt. Mannschaftskapitän Arne Friedrich sagt, die Mannschaft müsse sich gegen Stuttgart im Spiel „nach vorne steigern“. Aber Friedrich sagt auch: „Marko Pantelic ist ein wichtiger Spieler und er wird uns fehlen. Das ist natürlich nicht gut für das Team.“

So sieht es wohl aus: Eine längere Suspendierung von Marko Pantelic könnte Hertha teuer zu stehen kommen. Seit September 2005 stürmt er für Hertha und seitdem haben die Berliner nicht gewonnen, wenn er nicht im Aufgebot stand. Ungünstige Voraussetzungen also für die heimschwache Hertha, um heute im vierten Heimspiel der Bundesligasaison den ersten Heimsieg zu landen.

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