Hertha BSC : Harmlos im Wildpark

Hertha BSC ging zwar in Führung, doch das 1:0 blieb praktisch die einzige Möglichkeit. Die Berliner mussten sich beim Auswärtsspiel in Karlsruhe am Ende wieder einmal geschlagen geben.

Sven Goldmann
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Am Ende waren die Berliner für den KSC kein Hindernis. -Foto: ddp

KarlsruheMarko Pantelic hat seltsame Tage hinter sich. Am Mittwoch saß er 90 Minuten lang auf der Bank, als die serbische Nationalmannschaft beim 2:2 gegen Polen ihre letzte theoretische Chance auf die Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 verspielte. Eigentlich sollte er auch heute zum Kreis der Mannschaft für das abschließende Spiel gegen Kasachstan zählen, was die Strategen seines Arbeitgebers Hertha BSC zu recht anspruchsvolle logistischen Unternehmungen mit allerlei Flugzeugen inspiriert hatte. Pantelic sollte unbedingt dabei sein beim Auswärtsspiel der Berliner in Karlsruhe. Das Projekt wurde schließlich abgeblasen von den gescheiterten Serben. Pantelic durfte vorzeitig aus Belgrad abreisen und in Karlsruhe auflaufen. Er schoss sogar ein Tor, aber das reichte nicht, um seiner in der Fremde so spendablen Mannschaft ein Erfolgserlebnis zu bescheren. Trotz Halbzeitführung verlor Hertha 1:2 (1:0) beim KSC und verpasste damit den zwischenzeitlichen Sprung auf Platz fünf der Bundesliga-Tabelle.

29 217 Zuschauer im Karlsruher Wildpark sahen ein harmloses Berliner Team, das eher zufällig in den Verdacht geraten war, einen Punkt oder gar mehr zu erobern. Schuld daran war Pantelic, der nach einer guten halben Stunde Herthas einzige Torchance zur Führung nutzte. Es war kein spektakuläres Tor mit dem Kopf oder dem Außenrist, eher ein unauffälliges. 20 Meter vor dem Tor war der Serbe an den Ball gekommen, die Karlsruher Abwehr wirkte eher desinteressiert, und plötzlich zog der Berliner ab. Karlsruhes Torhüter Jeff Kornetzky hatte freie Sicht und alle Zeit der Welt, aber er reagierte einen Tick zu spät und ließ den kurz vor seinem Tor noch einmal aufprallenden Ball über die ausgestreckten Arme hinweg zu Herthas Führung ins Tor springen.

Die Berliner Führung kam deswegen so überraschend, weil sie bis dahin nicht allzu viel zum Gelingen des Spiels beigetragen hatten. Der KSC bestimmte das Geschehen, ohne dabei allerdings groß zu glänzen. Herthas Abwehr um Kapitän Arne Friedrich wehrte sich zunächst erfolgreich – der Nationalspieler hatte, ähnlich wie Pantelic, am Mittwoch beim Länderspiel gegen Wales eine Pause einlegen dürfen. Zwei, drei gefährliche Situationen ließen die Berliner zu, aber richtig gefährlich wurde es nur einmal. Das war nach 20 Minuten. Karlsruhes ungarischer Nationalspieler Tamas Hajnal hatte einen Eckball von der linken Seite geschlagen, der Albaner Edmond Kapllani geköpft, doch auf der Line stand Herthas Schweizer Fabian Lustenberger und verwehrte dem Ball den Einschlag.

Herthas Trainer Lucien Favre nennt Lustenberger gern „eine Investition in die Zukunft“. Der 19-Jährige war zum ersten Mal von Beginn an dabei, weil Mineiro und Gilberto fehlten. Die beiden Brasilianer hatten in der Nacht zu Donnerstag ihrer Nationalmannschaft in Sao Paulo Brasilien zum 2:1 über Uruguay verholfen. Lustenberger machte seine Sache gut, was man nicht von allen seinen Kollegen im Mittelfeld sagen konnte. Hertha versäumte es, dem KSC durch den eher zufällig herausgesprungenen Führungstreffer so etwas wie einen Schock zu versetzen. Die Karlsruher spielten in aller Seelenruhe weiter und kamen nach gerade zehn Minuten in der zweiten Halbzeit das schon verloren geglaubte Selbstvertrauen zurück. Christian Eichner versetzte auf der linken Seite Sofian Chahed und flankte auf Hajnal, der sich blitzschnell um die eigene Achse drehte und zum Ausgleich traf.

Danach lief bei Hertha kaum noch etwas zusammen. Der KSC bestimmte das Geschehen, aber das Siegtor entsprang nicht dem steten Anrennen, sondern einem Konter. Sebastian Freis schloss ihn in der 66. Minute ab, als er auf Zuspiel von Kapllani Herthas Torhüter Drobny umkurvte und aus spitzem Winkel ins leere Tor traf. Damit stand dem Karlsruher Sieg nichts mehr im Weg, denn ein zweites Tor mochte den in der Offensive gewohnt harmlosen Berlinern nicht mehr gelingen. Zum Schluss standen, kurios genug, gleich drei Hertha-Stürmer auf dem Platz. Die eingewechselten Andre Lima und Solomon Okoronkwo aber fielen kaum auf. Und Marko Pantelic hatte seinen Anteil zum offensiven Gelingen schon in der ersten Halbzeit abgearbeitet.

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