Sport : Hertha BSC: Poker in Porto Alegre

Klaus Rocca,Ana Flor

Man könnte provokant fragen: Reicht nicht ein Alex Alves? Offenbar nicht. Trotz der weniger guten Erfahrungen mit dem Brasilianer und seiner Integration ist Hertha BSC anscheinend wild entschlossen, noch einen weiteren Spieler aus Brasilien zu holen. Vom Fußball-Bundesligisten selbst war auch gestern darüber nichts zu erfahren. Doch es sickerte durch, dass Manager Dieter Hoeneß und sein Assistent Martin Bader in Brasilien sind. Ihr ganzes Augenmerk gilt Marcelinho von Gremio Porto Alegre.

Schon in der vergangenen Woche soll es in Belo Horizonte Gespräche mit dem Manager Marcelinhos gegeben haben. Die Verhandlungen gestalten sich allerdings komplizierter, als es Hoeneß vermutete. Gremio hatte Marcelinho im Januar von Olympique Marseille gekauft, das ihn von Corianthians São Paulo für 16 Millionen Mark geholt und nach nur 14 Spielen für untauglich befunden hatte. Beim Wechsel nach Porto Alegre kostete Marcelinho nur noch 4 Millionen Dollar (rund 8,6 Millionen Mark). Gremio vereinbarte mit Olympique 26 Raten. Die finanziellen Schwierigkeiten des brasilianischen Klubs werden auch damit begründet, dass ein Vertrag mit der Vermarktungsfirma ISL besteht. Der droht bekanntlich der Konkurs.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Hoeneß soll 5 Millionen Dollar geboten haben. Nach dem derzeitigen Stand der Ratenzahlung würde Porto Alegre davon lediglich eine Million sehen, der Rest ginge nach Frankreich. Verständlich, dass die Brasilianer mit dem Angebot nicht einverstanden sind. Es darf allso weiter gepokert werden.

Marcelinho, 25 Jahre alt und 1,74 m groß, ist Stürmer. Für Brasilien hat er bislang noch nicht gespielt. In der laufenden Regional-Meisterschaft von Rio Grande do Sol, die vor dem Saisonstart der höchsten Spielklasse im Juli ausgespielt wird, hat er in den bisherigen elf Spielen sechs Tore erzielt.

Wird also um Marcelinho noch gepokert, so gilt es als sicher, dass Hertha den Flamen Bart Goor vom RSC Anderlecht verpflichten wird. Zwar gibt es auch hier noch keine Bestätigung durch den Bundesligisten, aber Anderlechts Manager Michel Verschueren hat bereits von einem perfekten Deal gesprochen. Die Ablösesumme soll 12,5 Millionen Mark betragen. Zuvor war bereits klar, dass Denis Lapaczinski (Reutlingen), Andreas Neuendorf (Leverkusen) und Roberto Pinto (Stuttgart) in der nächsten Saison für Hertha spielen werden.

Munter weiter geht derweil das Tauziehen um Sebastian Deisler, der noch einen Vertrag bis 2002, aber auch eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag hat. Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld ("Er ist ein interessanter Mann für die Zukunft des FC Bayern") bekundete noch einmal sein konkretes Interesse an dem Nationalspieler. Hoeneß hat wiederholt erklärt, man werde sich in Kürze mit Deisler zusammensetzen und über eine weitere Bindung des 26-Jährigen an Hertha sprechen. Angeblich ist ihm bereits ein lukratives Angebot gemacht worden. Trainer Jürgen Röber: "Wir dürfen ihn für kein Geld der Welt gehen lassen."

Übrigens: Hertha BSC hat zum dritten Male in Folge die Lizenz für die nächste Saison ohne Auflagen erhalten. "Das war für uns keine Überraschung. Es zeigt, wie gut unsere finanzielle Situation ist", kommentierte Geschäftsführer Ingo Schiller.

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