Hertha BSC vor dem Saisonstart : John Heitinga: "Ich hoffe noch, mit Hertha im Europacup zu spielen“

Herthas Neuzugang John Heitinga spricht im Interview über seinen Wechsel nach Berlin, seine Führungsrolle bei Hertha und die Zusammenarbeit mit Felix Magath.

von und Peter Wollring
John Heitinga (v.), 30, bekam mit 15 seinen ersten Vertrag bei Ajax Amsterdam. Nach weiteren Stationen bei Atletico Madrid, Everton und Fulham ist er in diesem Sommer ablösefrei zu Hertha BSC gewechselt. 2010 stand er mit Holland im WM-Finale.
John Heitinga (v.), 30, bekam mit 15 seinen ersten Vertrag bei Ajax Amsterdam. Nach weiteren Stationen bei Atletico Madrid,...Foto: dpa

Herr Heitinga, wie sieht es mit Ihren Deutschkenntnissen aus?
Ganz gut. Ich habe Deutsch in der Schule gelernt, aber das ist natürlich schon ein paar Jahre her. Ich verstehe eigentlich alles, die elementaren Dinge kann ich noch, auch die Fußballbegriffe sind kein Problem. Nur richtige Gespräche sind noch ein bisschen schwierig. Und wissen Sie, was für einen Niederländer kompliziert ist: Wen darf ich duzen? Wen muss ich siezen? Da versuche ich mich gerade reinzufuchsen.

Wollen wir das Interview lieber weiter auf Holländisch führen?
Gerne.

Wie lange haben Sie Deutsch in der Schule gehabt?

Vier Jahre, wir hatten auch einen wirklich guten Deutschlehrer, aber Deutsch war keines meiner Prüfungsfächer. Ich habe mich mehr für Sport und Mathe interessiert.

Wie haben Sie als Schüler den deutschen Fußball wahrgenommen?

Als ich in der Jugend von Ajax gespielt habe, hat mich vor allem der holländische Fußball interessiert. Und die Bundesliga hat bei uns damals generell nicht so eine große Rolle gespielt. Wir haben eher auf die Serie A geschaut.

Das war die große Zeit des AC Mailand mit Gullit, van Basten und Rijkaard...

Genau. Ich weiß noch, dass es sonntagabends im Fernsehen eine Sendung über den italienischen Fußball gab. Die habe ich immer gesehen, bevor ich ins Bett gegangen bin. Inzwischen ist das anders. Für mich ist die Bundesliga schon seit einigen Jahren zusammen mit der Premier League die beste Liga der Welt.

Holländer bei Hertha - ein Rückblick
Bei Hertha BSC spielt bereits seit 2003 ein echter Holland. Der Jugendspieler stammt zwar gebürtig aus Berlin, doch an seinem Nachnamen dürfte nicht nur der Niederländer John Heitinga gefallen finden, der zur neuen Saison zum Bundesligisten wechselt. Heitinga ist dabei aber lange nicht der erste waschechte Niederländer im Trikot der Berliner. Ein Rückblick.Alle Bilder anzeigen
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06.06.2014 10:42Bei Hertha BSC spielt bereits seit 2003 ein echter Holland. Der Jugendspieler stammt zwar gebürtig aus Berlin, doch an seinem...

Welche Erfahrungen haben Sie mit deutschen Mannschaften gemacht?

Sie geben nie auf. Sie geben wirklich nie auf. Das habe ich auch mit der Nationalmannschaft erlebt. Die Deutschen waren eigentlich immer stark, selbst als sie noch nicht so viele überragende Fußballer hatten wie jetzt.

Kennen Sie eigentlich das deutsche Wort Abwehrchef?

Ja, das ist mir schon das eine oder andere Mal in der Zeitung aufgefallen.

Wie fühlen Sie sich als Chef?

Ich finde, Chef ist ein großes Wort. Klar, ich bin wahrscheinlich in unserem Kader der Spieler mit der meisten Erfahrung, und ich spiele auch auf einer Position, auf der eine gewisse Führungsqualität verlangt wird. Die werde ich auch wahrnehmen. Aber ich habe auch kein Problem damit, mich von jüngeren Spielern coachen zu lassen, genauso, wie ich sie coache. Eigentlich muss jeder führen. Du brauchst elf Chefs auf dem Feld.

Trotzdem: Was prädestiniert Sie für die Chefrolle?

Ich bin jetzt 30, ich habe in großen Ligen gespielt, habe Situationen erlebt, die andere vielleicht nicht erleben werden. Und ich spiele auf einer Position, auf der du das ganze Feld vor dir hast. Aber noch mal: Ich seh mich nicht als der Chef. Trotzdem finde ich es natürlich schön, dass Ihr mir diese Rolle alle zuschreibt.

Mal angenommen, Sie wären der Chef: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Fußball wird um so viel einfacher, wenn du miteinander redest. Wenn ich meinem Kollegen den Ball zuspiele, ihm aber nicht mitteile, dass er einen Gegenspieler im Rücken hat, dreht er sich um und wird vermutlich den Ball verlieren. Wenn ich ihm aber sage: Klatschen – dann spielt er den Ball zu mir zurück, und die Gefahr ist gebannt. Das sind Kleinigkeiten, aber sie machen dir das Leben erheblich leichter. Im Fußball musst du eigentlich immer ein Notfallszenario im Kopf haben: Was ist, wenn dein Mitspieler den Ball verliert? Wie stehen wir dann? In gewisser Weise ist Fußball wie Schach. Das Wichtigste ist, dass du nie die Orientierung verlierst und immer vom Schlimmsten ausgehst.

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