Hertha BSC vor Spiel gegen Leverkusen : Hinten dicht dank Karim Rekik

Hertha BSC ist defensiv schon wieder so stabil wie in den Vorjahren – auch ein Verdienst von Karim Rekik.

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Brust raus. Der Holländer Karim Rekik hat sich einen festen Platz bei Hertha erkämpft und wird wohl auch am Mittwoch im Heimspiel gegen Leverkusen von Beginn an auf dem Platz stehen. Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
Brust raus. Der Holländer Karim Rekik hat sich einen festen Platz bei Hertha erkämpft und wird wohl auch am Mittwoch im Heimspiel...Foto: REUTERS

Wer an den Tagen nach einem Bundesligaspiel das Training von Hertha BSC besucht, wird in der Regel eine Menge unbekannter Spieler auf dem Rasen entdecken. Die Stammspieler bleiben meistens in der Kabine und nutzen dort die vorhandenen Gerätschaften zur Regeneration. Am Montag dieser Woche aber, einen Tag nach dem 1:1 der Berliner bei der TSG Hoffenheim, war das Training der Reservisten so prominent besetzt wie vielleicht noch nie. Unter den zehn Feldspielern befanden sich aktuelle oder ehemalige Nationalspieler aus der Schweiz, von der Elfenbeinküste, aus Österreich, Tschechien und Japan, dazu der leibhaftige U-21-Europameister Niklas Stark. Herthas Trainer Pal Dardai hat gegen Bilbao und Hoffenheim so fleißig rotiert, dass fast alle Spieler einmal zum Einsatz gekommen sind. Nur Niklas Stark hat keine einzige Minute gespielt.

Das könnte sich am Mittwochabend ändern, wenn Hertha BSC im Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen (20.30 Uhr, live bei Sky) antritt. Stark ist eine Option für die Innenverteidigung, genauso fürs defensive Mittelfeld. Aber gerade in der Viererkette könnte es perspektivisch schwer für ihn werden. Der Bedarf, auf dieser Position zu rotieren, ist generell nicht ganz so groß, weil Innenverteidiger deutlich weniger laufen als Mittelfeldspieler und die Belastung dadurch geringer ist. Hinzu kommt, dass Dardai eine Besetzung gefunden hat, die sich bisher bewährt hat. Drei Spieler haben in dieser Saison in allen 540 Pflichtspielminuten auf dem Platz gestanden: Linksverteidiger Marvin Plattenhardt, zu dem es in Herthas Kader keine gleichwertige Alternative gibt, und die beiden Innenverteidiger Sebastian Langkamp und Karim Rekik.

Vor dieser Saison hat Hertha mit John Anthony Brooks einen wichtigen Mann aus der Viererkette verloren. Doch von dem US-Amerikaner, der für 17 Millionen Euro zum Ligakonkurrenten Wolfsburg gewechselt ist, spricht in Berlin niemand mehr. Das liegt vor allem an Karim Rekik, den Hertha aus Marseille als Ersatz für Brooks verpflichtet hat – für einen Bruchteil von dessen Ablöse. „Wir sind froh, dass er hier so schnell und so gut Fuß gefasst hat“, sagt Manager Michael Preetz.

Bei seinem alten Verein ist der Holländer im vergangenen halben Jahr so gut wie gar nicht mehr zum Einsatz gekommen; bei Hertha hingegen ist er längst ein wichtiger Faktor für die stabile Defensive. In sechs Pflichtspielen haben die Berliner nur vier Gegentore kassiert; drei Mal spielte die Mannschaft zu null. „Ich glaube, es wird wenige Teams geben, die sich viele Chancen gegen Hertha BSC erarbeiten werden“, hat erst am Sonntag Julian Nagelsmann gesagt, der Trainer der TSG Hoffenheim.

Die Stabilität ist das Werk der ganzen Mannschaft

Für die defensive Stabilität ist nicht allein die Innenverteidigung verantwortlich; sie ist das Werk der gesamten Mannschaft. Dass Torhüter Rune Jarstein hinter der Viererkette wie ein Libero agiert, spielt ebenso eine Rolle, wie es die beiden Sechser tun, die im Idealfall viel von der eigentlichen Abwehr weghalten. Die Abstände zwischen den Linien sind noch enger, „dadurch ist es schwierig gegen uns, sehr unangenehm“, sagt Dardai. Aber auch Rekik trägt seinen Teil dazu bei. „Ein Faktor ist, dass Karim ein bisschen mutiger rausrückt“, erklärt Dardai.

Rekik ist von Beginn an forsch zur Sache gegangen. „Er ist reingekommen ohne Hemmungen“, sagt Dardai. Das mag mit seiner Biografie zusammenhängen. Obwohl Rekik erst 22 ist, ist Hertha bereits der siebte Klub für ihn. Schon mit 16 ist er aus der Jugend von Feyenoord Rotterdam nach England gewechselt. Über Eindhoven und Marseille landete er schließlich in Berlin. „Er hat gleich Anschluss gekriegt“, sagt Dardais Assistent Rainer Widmayer. „Er ist kein Einzelgänger, sondern ein offener Typ.“ Typisch holländisch eben, genau wie sein Spiel. „Du siehst bei ihm die holländische Schule, das Stellungsspiel, die technischen Fähigkeiten“, sagt Dardai. „Ich bin hochzufrieden mit ihm.“

Rekik bringt vieles mit, was einen modernen Innenverteidiger auszeichnet: ein gutes Stellungs-, ein sauberes Passspiel und auch die Fähigkeit, die Züge des Gegners zu erahnen. „Seine Entscheidungen sind immer richtig“, sagt Widmayer. Dazu kommen die klassischen Fertigkeiten eines Abwehrspielers, eine robuste Zweikampfführung, eine gesunde Schnelligkeit und ein ausgeprägter Siegeswille. „Er ist ein Gieriger“, sagt Widmayer. „Der will weiterkommen.“ Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass sich Rekik in der neuen Umgebung so schnell zurechtfindet. Die Bundesliga ist speziell. Wie der Holländer das hinbekommen hat: „Hut ab“, findet Widmayer.

Dardai hat inzwischen selbst bei seinen beiden Innenverteidigern erste Auswirkungen der Belastungen ausgemacht. „Denen fehlt auch langsam die Frische“, sagt er. Langkamp ist am Sonntag, vor dem Hoffenheimer Führungstor, unter einem Eckball hindurch gesprungen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Dardai gegen Leverkusen auch in der letzten Linie etwas ändert. Eher unwahrscheinlich ist, dass er Rekik gegen die Leverkusener rausnimmt, die am Sonntag gegen Freiburg ihren ersten Saisonsieg gefeiert und am letzten Spieltag der Vorsaison 6:2 bei Hertha gewonnen haben. Obwohl das noch nicht lange her ist, hat Dardai die Erinnerung an das Spiel aus seinem Gedächtnis gestrichen. „Wir haben jetzt andere Charaktere in der Mannschaft“, sagt er. „Das wird schon funktionieren.“

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