Sport : Hertha BSC wehrt sich gegen Spekulationen

Klaus Rocca

Dieter Hoeneß ist kein Heißsporn. Er wägt seine Worte meist lange ab, lässt sich nicht zu spontanen Äußerungen hinreißen. Wie es eben einem Manager geziemt. Gestern jedoch, bei der Pressekonferenz in den vollklimatisierten Räumen einer Bank in der Hardenbergstraße, war er, Zornesfalten auf der Stirn, nicht zu halten. Worte wie Unverschämtheit, Unverfrorenheit und Dummheit stieß das Präsidiumsmitglied des Berliner Fußball-Bundesligisten hervor.

Was war geschehen? Eigentlich wenig. Wieder einmal wurde das alte Thema hochgekocht, das schon seit Jahren die Gemüter erhitzt: Manipuliert die Ufa, Vermarkter mehrerer Vereine, in der jetzigen entscheidenden Phase der Saison Spiele? Die Ufa vermarktet beispielsweise Hertha BSC und Borussia Dortmund - und die treffen am letzten Spieltag aufeinander. "Was ist", lautet in "Sport Bild" die provozierende Frage, "wenn Hertha schon vor dem letzten Spieltag die Qualifikation zur Champions League geschafft hat, Dortmund aber noch einen Punkt zum Klassenerhalt braucht?" Oder: "Was ist, wenn Borussia Dortmund schon gerettet ist, aber Hertha noch einen Sieg für die Champions League braucht?"

Für Peter Assion, den Geschäftsführer des mit Dortmund konkurrierenden SSV Ulm, "wird ein gewisser schaler Beigeschmack bleiben." Spekulationen seien Tür und Tor geöffnet. Diese Äußerungen gehen Hoeneß noch nicht an die Nieren. "Herr Assion ist mit seinem Verein noch nicht so lange in der Bundesliga, als dass er das Geschäft gut kennen müsste."

Aber Robert Wieschemann, Vorsitzender des Aufsichtsrates vom 1. FC Kaiserslautern und damit einem der Konkurrenten Herthas im Kampf um einen Platz in der Champions League, bringt Hoeneß auf die Palme. Der wird mit den Worten zitiert: "Ich sehe die Gefahr, dass da gemauschelt wird. Das ist extrem hohes Gefährdungspotenzial." Der DFB müsse sich da einschalten, sonst könnte das "den Todesstoß" für den Fußball geben.

Hoeneß erbost: "Wer auch nur die Möglichkeit einer Manipulation andeutet, der hat Dreck am Stecken." Das alles ist für den Hertha-Manager auch eine Frage von Moral und Ethik. Er selbst würde nie auf die Idee kommen, jemandem zu unterstellen, dass Vereine bereit wären, auf Druck eines Vermarkters zu manipulieren. Das sei ein Affront gegen ihn selbst, das Präsidium, die Spieler und den Trainer. Letzterer wehrt sich auch vehement. Jürgen Röber: "Wenn jemand mich zu Manipulationen überreden wollte, wäre der bei mir an der falschen Adresse."

Zur Erinnerung: Eine ähnliche Konstellation gab es schon in der letzten Saison. Da stand am letzten Spieltag die Partie zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV auf dem Programm. Auch der HSV wird von der Bertelsmann-Tochter Ufa vermarktet. Der Zündstoff war raus, als Hertha am vorletzten Spieltag in Freiburg 2:0 gewann und damit bereits für die Qualifikationsrunde zur Champions League spielberechtigt war. Das könnte auch in der vorletzten Runde der jetzigen Saison passieren. Gewinnt Hertha am Sonnabend beim TSV 1860 München und verliert Kaiserslautern in Freiburg, ist Hertha schon am Ziel.

Das wäre im Sinne Herthas wünschenswert - und auch im Sinne der unsäglichen Diskussion.

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