Sport : Hertha BSC: Zu reif für die Insel

Klaus Rocca

Viel Lärm um nichts, könnte man mit Shakespeare sagen. Seit Wochen stand die Frage im Raum: Geht er oder geht er nicht? Er geht nicht. Marko Rehmer wird seinen bis 2003 laufenden Vertrag bei Hertha BSC erfüllen. Nicht, weil er nicht weg wollte, sondern weil ihn der FC Arsenal nicht will. "Ich habe am Mittag telefonisch aus London die Mitteilung erhalten, dass Arsenal Marko nicht verpflichten wird", sagte gestern Rehmers Berater Jörg Neubauer auf der Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten vor dem Spiel gegen Energie Cottbus. Vermutungen, sein Schützling habe nur seinen Namen ins Gespräch bringen und um mehr Geld pokern wollen, wies Neubauer zurück. "Marko war sich mit Arsenal eigentlich schon einig."

Bekanntlich hat Herthas Verteidiger eine Klausel in seinem Vertrag, die ihm den vorzeitigen Ausstieg ermöglicht, wenn ein Verein jeweils bis zum 15. März eines Jahres 16 Millionen Mark hinblättert. Dazu war der Londoner Klub offenbar bereit, wollte ihn zum 1. Juli unter Vertrag nehmen. Bis zum Mittwoch. Da machte Arsenal nach einer Vorstandssitzung einen Rückzieher. Vor allem deshalb, weil nach der neuen Fifa-Transferregelung nicht gewährleistet war, dass sich die 16 Millionen amortisieren. Nach dieser Regelung dürfen Spieler über 28 nach zwei Jahren ihren Vertrag kündigen. Rehmer wird am 29. April 29 Jahre alt. Der FC Arsenal, gemeinsam mit dem FC Bayern ins Viertelfinale der Champions League eingezogen, befürchtete offenbar, bei einer vorzeitigen Kündigung des Vertrages durch Rehmer Millionen in den Sand gesetzt zu haben. In England ist im Übrigen die Transferliste im Gegensatz zu Deutschland noch bis Ende März offen.

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Der Rückzieher des FC Arsenal könnte auch mit Unklarheiten hinsichtlich des Vertragsverhältnisses mit Trainer Arsène Wenger zu erklären sein. Wenger, der die Gespräche mit Rehmer geführt hat und dessen Vertrag noch bis 2002 läuft, hat nach Angaben Neubauers mit einem "europäischen Großklub" Kontakte. Möglicherweise spielte auch die erhöhte Verletzungsanfälligkeit des Berliners eine Rolle. Von den bisherigen 25 Saisonspielen Herthas hat Rehmer lediglich 15 mitgemacht.

Sicher ist damit, dass Rehmer ("Der Wechsel wäre eine Riesenchance für mich gewesen") auch in der kommenden Saison für Hertha spielt. Möglicherweise sogar noch länger. Hertha hatte Rehmer vor Tagen ein Angebot unterbreitet, den Vertrag bis 2005 zu verlängern. Darauf ist bislang keine Reaktion erfolgt. Neubauer: "Wir werden uns diesbezüglich in den nächsten Tagen eine Meinung bilden." Und Ingo Schiller, Herthas Geschäftsführer, kommentierte: "Wir sind nun, da die Hängepartie vorbei ist, nicht unter Zeitdruck."

Trainer Jürgen Röber ist froh, dass Rehmer bleibt. Gleichzeitig äußerte er "volles Verständnis" für Rehmers Abwanderungspläne. "Für mich war die Zeit im Ausland sehr wertvoll." Röber hatte in Calgary und Nottingham gekickt. Leicht verschnupft reagierte der Hertha-Coach auf die Tatsache, dass er - wie vor dem Länderspiel in Paris - mit Rehmer lediglich Lauftraining absolvieren kann, das Balltraining von Dienstag an aber mit der Nationalmannschaft vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Albanien und Griechenland erfolgt. Morgen in Cottbus ist Rehmer, der seine Gesichtsfrakturen noch nicht vollständig auskuriert hat, nicht dabei.

Mit dem Bleiben Rehmers erübrigt sich Herthas Suche nach einer Verstärkung für die rechte Abwehrseite. Präsident Bernd Schiphorst, derzeit im Skiurlaub: "Ich freue mich, dass einer unserer Stützen bleibt. Das erleichtert unsere Planung. Dennoch müssen wir weiter für die Offensive suchen, was der Markt hergibt." Manager Dieter Hoeneß soll gerade in Argentinien Ausschau halten.

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