Hertha - Cottbus 1:1 : Brooks rettet die Aufstiegsparty im Olympiastadion

Hertha BSC wollte die Saison mit einem Heimsieg abschließen, doch Energie Cottbus ärgert die Berliner ein bisschen zum Abschied aus der Zweiten Liga. Und dennoch können die Berliner im Olympiastadion einen Rekord feiern.

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Party gerettet, Rekord geknackt: John-Anthony Brooks (M.) trifft zum 1:1 für Hertha gegen Cottbus.
Party gerettet, Rekord geknackt: John-Anthony Brooks (M.) trifft zum 1:1 für Hertha gegen Cottbus.Foto: AFP

Man könnte fast ein bisschen traurig sein, dass die Fußballsaison gerade jetzt zu Ende geht. Ausgerechnet jetzt, da Besuche im Berliner Olympiastadion auch in T-Shirt und Shorts möglich sind – und nicht als Vorbereitung auf ein Überlebenstraining in Sibirien dienen. 63.267 Zuschauer genossen am Sonntagnachmittag den Sonnenschein und das Saisonfinale gegen Energie Cottbus. Und trotzdem wird wenig Wehmut dabei gewesen sein: weil das Ende der Spielzeit für Hertha gleichbedeutend ist mit dem Ende der Zweitligazugehörigkeit. Fürs letzte Spiel hatten sich die Berliner noch einiges vorgenommen: einen neuen Punkterekord, die Torjägerkanone für Ronny, die Wahrung der makellosen Heimbilanz. Ronny ging zwar leer aus. Doch immerhin die erste Heimniederlage konnte Hertha verhindern. Fünf Minuten vor dem Ende traf Innenverteidiger John-Anthony Brooks per Kopf zum 1:1 (0:1)-Endstand.

 Es war nicht nur wegen des späten Ausgleichstores ein emotionaler Nachmittag. Schon vor dem Anpfiff wurde das komplette Stadion von Herthas Ultras zum Schunkeln und Hüpfen animiert. Die meisten machten mit. Auch Trainer Jos Luhukay zeigte sich zum Saisonabschluss noch einmal generös und gestattete Ersatztorhüter Sascha Burchert einen Einsatz in der Startelf. Ein Indiz, dass der 23-Jährige den Verein nach der Saison verlassen wird? Burchert soll als zweiter Torhüter beim Bundesligisten VfL Wolfsburg im Gespräch sein. Zehn Minuten vor dem Ende schickte Luhukay dann auch noch seinen Kapitän aufs Feld. Sechs Wochen, nachdem er sich im Spiel gegen Braunschweig eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen hatte, durfte Peter Niemeyer noch einmal kurz anschwitzen, ehe er aus den Händen von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig die Meisterschale für Hertha in Empfang nahm.

 Die Gäste aus Cottbus machten jedoch früh deutlich, dass sie nicht nur Staffage für den fröhlichen Saisonabschluss sein wollten. Sie gingen das Spiel mit der nötigen Ernsthaftigkeit an, verteidigten seriös und suchten, zumindest punktuell, den kürzesten Weg auf das Berliner Tor. Schon in der fünften Minute musste Fabian Lustenberger in höchster Not gegen Michael Schulze klären. Hertha gelangen auf der anderen Seite ein paar Annäherungen an das Ziel, jedoch nichts richtig Zwingendes. Fast 25 Minuten dauerte es, ehe Energie-Torhüter Thorsten Kirschbaum erstmals eingreifen mussten – bei einem Freistoß von Ronny. Aus dem Spiel gelang Hertha wenig; auch die zweite Chance des neuen Zweitligameisters resultierte aus einem Freistoß. Wieder parierte Kirschbaum den Versuch von Ronny.

 Zwischen beiden Freistößen aber ereignete sich etwas, war in Herthas Plan für diesen Nachmittag ganz sicher nicht vorgesehen war: das Führungstor für die Gäste. Nach einem flotten Konter tauchte Stiven Rivic frei vor Burchert auf, Herthas Torhüter rettete glänzend, doch den Abpraller trat Nicolas Farina zum 1:0 für die Cottbuser ins Tor. Allerdings hätte der Treffer nicht zählen dürfen. Farina hatte den Ball vor seinem Torschuss in Höhe seiner Schulter mit der Hand gestoppt. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte die Situation nicht etwa falsch interpretiert, sondern falsch wahrgenommen. Nach Protesten der Berliner klopfte er sich mit der Hand auf die Brust – aber auf Farinas Brust war der Ball definitiv nicht gelandet.

 Bei der zweiten Aktion, die Herthas Fans in der ersten Hälfte in Wallung brachte, lag Aytekin hingegen richtig. In der ersten Minute der Nachspielzeit lief Rivic frei aufs Tor zu und wurde von Maik Franz kurz vor dem Strafraum zu Fall gebracht. Herthas Verteidiger sah für seine missglückte Rettungstat die Rote Karte und wird damit definitiv am zweiten August-Wochenende fehlen, wenn die Berliner erstmals wieder in der Bundesliga antreten.

Hertha feiert im letzten Spiel gegen Cottbus den Aufstieg
Da muss er durch: Trainer Jos Luhukay ist anders als ein (noch) etwas berühmterer holländischer Landsmann nicht unbedingt ein Feierbiest. Doch bei der Aufstiegs- und Meisterparty im Olympiastadion ist die Bierdusche Pflicht.Weitere Bilder anzeigen
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19.05.2013 19:36Da muss er durch: Trainer Jos Luhukay ist anders als ein (noch) etwas berühmterer holländischer Landsmann nicht unbedingt ein...

 Luhukay reagierte zur zweiten Hälfte, zog Fabian Lustenberger aus dem defensiven Mittelfeld in die Viererkette zurück und schickte Ben Sahar für Sami Allagui aufs Feld. Gleich nach Wiederanpfiff hatte Boubacar Sanogo die große Chance zum 2:0, konnte den Ball allerdings nicht an Burchert vorbeibringen. Auf der anderen Seite verfehlte ein Kopfballwischer von Adrian Ramos das Cottbuser Tor.

 Hertha war natürlich auch in Unterzahl bemüht, das Spiel noch zu drehen, doch die Gäste erwiesen sich als unangenehmer Gegner. Sie kontrollierten den Ball, ließen den Gegner laufen und spekulierten wohl nicht ganz zu Unrecht darauf, dass den Berlinern unter diesen Bedingungen der letzte Eifer, vor allem im Spiel gegen den Ball, fehlen würde. Trotzdem hatte Hertha einige Gelegenheiten zum Ausgleich, die beste vergab Sahar, der den Ball, frei vor Kirschbaum, unnötig kunstvoll am Pfosten vorbei zwirbelte.

 „Erste Liga, keiner weiß, warum“, sangen die Fans aus Cottbus höhnisch. Vielleicht, weil Hertha immer zu einer Reaktion fähig war. So wie am Sonntagnachmittag, als Brooks mit seinem ersten Tor als Profi die Niederlage verhinderte und den Berlinern mit 76 Punkten den neuen und alleinigen Zweitligarekord bescherte.

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