Sport : Hertha gegen Bremen: Der zwölfte Mann ersetzt Nummer 26

Robert Ide

Eigentlich hat ein Tabellenführer der Fußball-Bundesliga keine Werbung nötig. Trotzdem platzierte Hertha BSC am Freitag Anzeigen in den Berliner Tageszeitungen, um auf die heutige Bundesliga-Partie gegen den SV Werder Bremen (15 Uhr 30, Olympiastadion) aufmerksam zu machen. Haben die Berliner etwa Angst, gegen den Tabellen-Vierzehnten vor halbleeren Rängen und ein paar Baukränen auflaufen zu müssen? Oder versucht der Verein, den öffentlichen Druck, der mittlerweile auf ihm lastet, an seine Zuschauer weiterzugeben? "Wir brauchen die Fans, um uns oben festzusetzen", antwortet Jürgen Röber. Der Trainer sagt diesen Satz mit bebender, lauter Stimme - so, als wolle er seine Mannschaft damit motivieren. Und sich selbst natürlich auch.

Doch motiviert sind vor allem die Gäste aus Bremen, das weiß jedenfalls Herthas Manager Dieter Hoeneß. "Jeder will den Spitzenreiter vom Sockel stürzen", berichtet der frühere Fußballprofi, der einst mit dem VfB Stuttgart und Bayern München um den deutschen Fußballthron kämpfte. Genau deshalb will Hertha nun das kritische Berliner Publikum in die Pflicht nehmen - ein Publikum, das wieder nach der Champions League verlangt und spätestens in ein paar Jahren einen nationalen Titel bejubeln will. Für das anstehende Duell gegen die Norddeutschen wurden bis zum Freitagabend jedoch erst 28 000 Eintrittskarten abgesetzt. Eine ausverkaufte Stadion-Baustelle ist also nicht zu erwarten.

Die Herthaner sind durch Verletzungen gehandicapt. Mittelfeldspieler Sebastian Deisler, der sich beim 1:0-Sieg bei 1860 München einen Bluterguss im Knie zuzog, muss weiterhin pausieren. Sein Trikot mit der Nummer 26 wird in der Kabine hängen bleiben. Als Ersatz soll der amerikanische Nationalspieler Anthony Sanneh auf der rechten Außenbahn für Wirbel sorgen. Die ebenfalls angeschlagenen Dariusz Wosz und Michael Hartmann konnten am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Ihr Einsatz gegen Werder scheint sicher. Auch Alex Alves wird in Röbers Anfangsformation auflaufen. Der Brasilianer, vom Trainer für seinen "couragierten Körpereinsatz" bei der Pokal-Niederlage in Wolfsburg gelobt, erhält im Angriff erneut den Vorzug vor dem Iraner Ali Daei.

Und die Fans? Die dürfen sich auf das "wichtigste Saisonspiel überhaupt" (Röber) freuen. Und bei einem Sieg auf weiteren Spitzenfußball im Olympiastadion.

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