Sport : Hertha holt Luft

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Von Michael Rosentritt

Berlin. Für einen brasilianischen Fußballer gab es gestern für 90 Minuten bestimmt Besseres zu tun, als im Flugzeug zu sitzen. Fabio Camillo de Brito, den sie westlich der Copacabana alle nur Nené nennen, war in diese missliche Lage gekommen, weil er einen dienstlichen Termin bei Hertha BSC hatte. Nix mit WM-Halbfinale live gucken. Gestern landete der 26-jährige Verteidiger in Tegel. Aber an den Gesichtern der türkischen Fans, denen er in der Stadt begegnet sein dürfte, wird er abgelesen haben, dass ihm das Finale am Sonntag bleibt.

Der Berliner Bundesligist möchte sich ein aktuelles Bild von den Qualitäten Nenés machen und lud ihn zu einem mehrwöchigen Probetraining ein. Sollte er das bestehen, käme er ablösefrei. 1999 wurde Nené mit Corinthians Sao Paulo brasilianischer Meister. Empfohlen wurde er unter anderem von seinem Landsmann Marcelinho, der mit Alex Alves erst heute in Berlin erwartet wird. Trainingsauftakt ist der kommende Montag. Doch schon am Freitag und Sonnabend steht für alle Bundesligaprofis von Hertha BSC ein umfangreicher medizinischer Check an.

Zu diesem Zwecke wird heute noch ein anderer, neuer Mann in der Stadt erwartet, der einen vergleichsweise kurzen Anfahrtsweg hat. Carsten Schünemann kommt aus Paderborn, vom dort ansässigen Medizinischen Institut. Der Sportwissenschaftler kehrt nicht wieder in die Universitätsstadt zurück. Schünemann wird bei Hertha Konditions- und Rehabilitationstrainer werden. Zugeordnet werden soll er dem Trainerstab. Der erreicht bei Hertha mittlere Kollektivstärke. Neben Huub Stevens (Cheftrainer), Holger Gehrke (Kotrainer), den Torwarttrainern Enver Maric und Nello Di Martino sowie Gerd Driehorst (Mentaltrainer) wird auch Schünemann „täglich mit der Mannschaft arbeiten“. Schünemann ist sich sicher, „dass aus diesem Verein noch einiges mehr rauszuholen ist.“ In der Fußball-Bundesliga ist Schünemann kein unbekannter. Zuletzt betreute er fünf Erstligavereine, aber auch mehrere Hockey- und Golfnationalmannschaften. Zu seinen Spezialgebieten zählen die individuelle Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung. Diesen Bereichen habe man in der Fußballbranche früher „eine gewisse Aufmerksamkeit“ gewidmet, aber erst jetzt kämen Vereine zur der Überzeugung, einen Spezialisten einzustellen. Schünemann verweist auf Borussia Dortmund, wo unter Matthias Sammer vor nicht allzu langer Zeit der komplette Transferbereich neu gegliedert worden war. Das sei zwar nicht in erster Linie für den Gewinn der deutschen Meisterschaft in der abgelaufenen Saison verantwortlich, wohl aber ein wichtiger Mosaikstein. Das Dazutun „von Leuten wie mir ist kaum messbar, aber ich werde versuchen, dass wir in der kommenden Saison weniger Verletzte haben, jeder Spieler noch fitter wird, was sich im Optimalfall auf eine höhere Spielfähigkeit auswirken sollte“, sagt Schünemann. Vielleicht erreicht Hertha so mal ein Finale.

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