Sport : Hertha läuft hinterher

Nach dem bitteren Aus im Uefa-Cup verlieren die Berliner auch im Bundesligaspiel beim Hamburger SV mit 0:1

Sven Goldmann,Michael Rosentritt

Von Sven Goldmann

und Michael Rosentritt

Hamburg. Wieder einmal sprintete Herthas Torwart Gabor Kiraly quer übers Fußballfeld. Wieder einmal war es ein untauglicher Versuch, der Niederlage zu entkommen. Wie schon beim Uefa-Cup-Aus vor drei Tagen in Porto hielt es den Ungarn in den Schlussminuten nicht an seinem Arbeitsplatz. Erneut lief Hertha einem Rückstand hinterher. Während er in Porto noch für eine minutenlange Spielunterbrechung sorgte, hätte er gestern Abend in Hamburg fast ein Gegentor verschuldet. Bei einem weiten Ausflug hatte Kiraly in Höhe der Mittellinie einen Zweikampf gegen Hamburgs Japaner Naohiro Takahara verloren und war diesem anschließend vergeblich hinterhergerannt. Am Ende durfte Kiraly sich bei Stefan Beinlich bedanken, der Takaharas Schuss noch von der Linie kratzte. Es war die Schlussszene eines Bundesligaspiels, das die Berliner vor 38 354 Zuschauern in der AOL-Arena gegen den Hamburger SV schließlich mit 0:1 (0:0) verloren. Damit fällt Hertha in der Tabelle auf Rang sieben zurück. Die Hamburger dagegen klettern auf Platz fünf und damit dahin, wo die Berliner eigentlich hin wollen – auf einen Uefa-Cup-Platz.

Nach dem unnötigen Aus von Porto hatte Herthas Trainer Huub Stevens eine Trotzreaktion gefordert und sein Team gleich auf vier Positionen verändert. Während Michael Hartmann gesperrt war, fanden sich etwas überraschend Michael Preetz, Alex Alves und Dick van Burik auf der Ersatzbank wieder. Für sie hatte Stevens Nené, Marko Rehmer, Stefan Beinlich und Luizao gebracht.

Ein wenig überraschend war auch Marcelinho dabei. Der Brasilianer hatte nicht nur am Donnerstag in Porto denkbar schwach gespielt, er hatte das Aus im Uefa-Cup nach der Rückkehr nach Berlin auch noch gebührend gefeiert: Um 22.30 Uhr war er auf einer Karnevalsparty im brasilianischen Club Taba aufgetaucht, Partygäste wollen ihn dort noch weit nach ein Uhr gesehen haben. „Wenn das so ist, werden wir das nicht tolerieren", sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. Auf der Tanzfläche soll Marcelinho jedenfalls einen weitaus besseren Eindruck hinterlassen haben als in den letzen Wochen auf dem Fußballplatz. Auch gestern war er wieder ein Schatten besserer Tage, behäbig im Spielaufbau, ideenlos, ohne jeden Hauch von Esprit.

Auch sein Landsmann Luizao hat schon schönere Tage erlebt. Der Mann aus dem brasilianischen Weltmeisterteam vergab die größte Berliner Chance, als er schon in der Anfangsphase nach schöner Vorarbeit von Thorben Marx den Ball in die Arme des Hamburger Torhüters Martin Pieckenhagen löffelte. Und dann stand Luizao auch noch beim Tor des Tages direkt neben dem Hamburger Schützen Nico-Jan Hoogma. Das war kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit, als Cardoso einen Freistoß in den Berliner Strafraum geschlagen und der hoch gewachsene Hoogma mit dem Kopf vor Luizao an den Ball gekommen war und diesen unhaltbar für Kiraly ins Berliner Tor gewuchtet hatte. „Bevor jetzt einer fragt: Das war nicht Luizaos Fehler, auf den Hoogma hätte ein anderer aufpassen müssen", sagte Herthas Trainer Huub Stevens, und Manager Hoeneß ergänzte: „Auf Hoogma sollte einer aufpassen, der einen Kopf größer ist als Luizao." Wer das war, das wollten weder Stevens noch Hoeneß verraten, doch es war deutlich zu sehen, dass Herthas langer Nationalspieler Marko Rehmer direkt neben Luizao stand.

Auch nach diesem denkbar unglücklichen Rückstand bestimmte Hertha das Spiel, und der für Rehmer eingewechselte Dick van Burik hätte ihnen fast noch ein Unentschieden beschert, als er den Ball nach einem Freistoß von Beinlich zehn Minuten vor dem Ende über die Torlinie gestochert hatte. Schiedsrichter Wack erkannte diesen Treffer nicht an. Die Proteste der Berliner hielten sich in Grenzen, denn erst in der Zeitlupe war zu sehen, dass der Ball wohl doch hinter der Linie war. „Keine Frage, der Ball war drin", sagte van Burik.

Manager Hoeneß wollte sich zu der Szene nicht weiter äußern, „ist doch ohnehin egal, der Schiedsrichter hat nun mal nicht auf Tor entschieden". Entscheidend sei etwas ganz anderes, nämlich „dass die Mannschaft Charakter gezeigt hat, sie wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen". Das ist schön, weil dieser Eindruck in letzer Zeit nicht immer herrschte. Aber Charakter allein bringt nun mal keine Punkte, und die braucht Hertha dringender denn je.

Das nächste Mal am Sonnabend, beim Heimspiel gegen den TSV 1860. Es ist für die Berliner ein Derby der ungewollten Art: das des Tabellensiebten gegen den Tabellenachten.

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