Hertha : Losgelöst vom Trend

Kein Feuerwerk: Einzelaktionen bescheren Hertha BSC einen wichtigen Sieg - mehr geht momentan bei den Berlinern nicht.

Michael Rosentritt
Pantelic
Nach oben offen: Marko Pantelic, bisher sechs Saisontreffer, ist derzeit Herthas konstantester Spieler. -Foto: dpa

Berlin - Der Jubel nach dem Schlusspfiff fiel bei den Siegern des Samstags gedämpft aus. Nicht, dass Hertha BSC den 2:0-Heimsieg über den VfL Bochum nicht nötig gehabt hätte, aber spitze Schreie wären tatsächlich nicht angemessen gewesen bei allem, wie es dazu gekommen war und bei allem, was noch fehlte. „Nach vier Spielen ohne Sieg konnte keiner ein Feuerwerk erwarten“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß, „ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.“

Das Ergebnis hilft Hertha BSC in der Tat. Es verschafft dem Berliner Bundesligisten etwas Abstand nach unten, der Abwärtstrend ist erst einmal gestoppt. Aber sonst? Sonst war nicht viel zu sehen von der Art Fußball, die dem Berliner Trainer Lucien Favre vorschwebt. Ziemlich genau einen Monat lang spielt Hertha nun schon keinen guten Fußball mehr. Gegen den Abstiegskandidaten aus Bochum kamen nicht einmal 35 000 Zuschauer ins Olympiastadion – die Minuskulisse der Saison.

Hertha spielte anfangs ängstlich bis behäbig, gänzlich ohne Geschwindigkeitswechsel, wies große Lücken zwischen den Linien auf. Und wer weiß schon, welchen Verlauf das Spiel genommen hätte, wäre Marcel Maltritz nicht dieser Schnitzer unterlaufen. „Ich weiß, da sehe ich doof aus, der Ball war rutschig und dann war er drin. Das nehme ich auf meine Kappe“, sagte er. Der Bochumer Mannschaftskapitän hatte nach aus Berliner Sicht schlimmen 25 Minuten und einer ziemlos ungefährlichen Flanke Gilbertos ein Eigentor erzielt. Dieser Treffer verfehlte seine Wirkung nicht; während Bochum im Stile eines Aufbaugegners im Boxen nach diesem Schlag einknickte und nicht mehr zurückschlug, baute die geschenkte Führung die nervösen Berliner Profis auf. Nachdem Marko Pantelic schließlich zehn Minuten später durch einen fantastischen Schuss das 2:0 erzielt hatte, war das Spiel entschieden. Beide Tore, Ergebnisse ungewöhnlicher Einzelaktionen, wirkten wie losgelöst vom Spiel vorher und nachher.
    
In der zweiten Halbzeit spielte Hertha eine Art Verwaltungsfußball. Die Darbietungen hatten wenig Spielerisches, wenig Leichtes, wenig Überraschendes. Zudem wurden die wenigen Konterchancen, die sich den Berlinern boten, überhastet beziehungsweise eigensinnig abgeschlossen – mehr geht wohl derzeit nicht.

„Dass ist doch schon mal was, dass wir diesen Vorsprung verwaltet haben, ohne ernsthaft in Gefahr zu geraten“, sagte Herthas Verteidiger Malik Fathi. Bei Dieter Hoeneß hörte sich das hinterher etwas anders an. „Wenn die Bayern so spielen und gewinnen, heißt es: wie clever. Bei uns wird es kritisiert.“

Das nüchterne 2:0 gegen den bisher harmlosesten Gegner, der sich bislang in dieser Saison im Olympiastadion präsentierte, war letztlich ein Sieg mit Vorgeschichte. Vier Spiele ohne Sieg hatten tiefe Spuren hinterlassen. So konnte sich Hertha aufrichten an harmlosen Bochumern, denen „die Power nach vorn fehlte, um das Spiel noch zu drehen“, wie es dessen Trainer Marcel Koller sagte.

„Ich bin schon zufrieden, dass wir das Ergebnis offensiv verteidigt haben“, sagte Hoeneß. Tatsächlich erwies sich die Besetzung des defensiven Mittelfelds durch Mineiro und Josip Simunic als Stabilitätsgewinn. Beide Spieler verfügen über taktisches Gespür und sind auf Grund ihrer technischen Fertigkeiten in der Lage, einen vernünftigen Spielaufbau zu initiieren. „Sie haben ihre Sache gut gemacht“, sagte Favre gestern, aber auch sie könnten noch mehr die Stürmer und Flügel unterstützen. „Wir brauchen das.“

Während Herthas Mannschaftskapitän Arne Friedrich glaubt, „jetzt beruhigter arbeiten zu können“, muss sich Favre darüber den Kopf zerbrechen, wer den nun auch verletzten Gilberto ersetzen kann, der für das morgige Pokalspiel beim Wuppertaler SV ausfällt. Der Brasilianer hatte gegen Bochum nach einer Stunde das Feld wegen einer Muskelzerrung in der rechten Wade verlassen müssen. Für ihn hatte der Pole Lukasz Piszczek die Position im linken Mittelfeld eingenommen. „Ich halte mir das offen“, sagte Favre gestern. Er weiß, gerade im Pokal, noch dazu bei einem Regionalligisten, kommt es nur auf eins an – aufs Weiterkommen.    

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