Sport : Hertha rotiert in die nächste Runde

Klaus Rocca

Gabor Kiraly hat ein gutes Herz. Gestern Abend schien er kurz vor dem Abpfiff Mitleid mit den harmlosen Norwegern von Viking Stavanger zu haben. Da machte er am Ball eine Pirouette wie ein Eiskunstläufer. Doch selbst mit diesem Geschenk wussten die braven Gäste nichts anzufangen, brachten den durch Kiralys Einlage vor ihre Füße rollenden Ball nicht ins leere Tor. Zum Glück für Kiraly, denn einen solchen Gegentreffer hätte ihm sein Trainer wohl kaum verziehen. Auch so wirkte Jürgen Röber schon reichlich grimmig, als er meinte: "Das war eine Dummheit. Gabor ist wohl noch nicht in dem Alter, in dem er reif sein müsste." Doch am Ende waren alle wieder versöhnt, hatte Hertha BSC doch mit dem 2:0 (2:0)-Sieg, dem vierten Pflichtspiel-Erfolg in Folge, die dritte Runde des Uefa-Pokals ungefährdet erreicht. Kein Tor haben die Berliner in vier Uefa-Cup-Spielen kassiert. Jetzt hoffen sie bei der heutigen Auslosung auf einen attraktiveren, aber immer noch schlagbaren Gegner.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Attraktiv war das, was Hertha bislang - wie im Vorjahr - an Gegnern zugelost bekam, nun wahrlich nicht. Erst Westerlo, nun Stavanger. Gestern schwenkte ein Dutzend norwegischer Fans im kalten Olympiastadion unverdrossen die heimischen Fähnchen. Die Hoffnung, dass sie womöglich ein Tor feiern könnten, war gestern gering. Vielleicht mit Kiralys Hilfe, aber eben auch da nicht. Und wenn Stavangers Trainer Benny Lennartsson später in sauberem Deutsch meinte, er sei mit dem Ergebnis zufrieden, dann sagt das genug.

Lennartsson verriet auch, dass er beim Stand von 0:2 Spieler vom Platz nahm, die er für das norwegische Pokalfinale am Sonntag schonen wollte. Sein Gegenspieler Röber machte auch kein Hehl daraus, dass er das Bundesligaspiel am Sonntag an gleicher Stätte gegen Gladbach in keiner Phase des Spiels vergaß. Röber ließ rotieren wie sonst nur die Bayern. Er ließ Preetz, Schütze des Tores beim 1:0 im Hinspiel, ebenso wie Goor auf der Bank, gab nach der Pause Hartmann, Pinto und Neuendorf die Chance zur Spielpraxis. Von denen nutzte sie noch am ehesten Pinto, während Hartmann alles tat, um keine weitere Chance zu erhalten.

Überraschend war auch, dass Eyjölfur Sverrisson an seine alten Stürmerqualitäten erinnern durfte. Röber stellte den Isländer in die Sturmspitze, neben die Brasilianer Alex Alves und Marcelinho. Sverrisson erzielte prompt sein Tor. Der zuletzt auf der Bank sitzende Alves hatte sich zuvor durch das andere in Erinnerung gebracht. Erst in der letzten Viertelstunde, als Josip Simunic verletzt ausschied, durfte Sverrisson in der Viererkette wieder als Abwehrspieler agieren. Ob Simunic am Sonntag spielen kann, ist fraglich. Heute wird sein Knie geröntgt. Angeschlagen sind auch Alves, der nach 25 Minuten den Rasen verlassen musste, und Andreas Schmidt. Ein teuer erkaufter Sieg.

Zweifel gab es am Sieg aber nie. Weil die Norweger kaum mehr als ein besserer Trainingspartner waren, weil die Abwehr relativ gut stand. Dass es in der zweiten Halbzeit ein müder Kick wurde, lag sicher auch an Herthas Desinteresse, aber vor allem auch an der abflauenden Gegenwehr Vikings. Manager Dieter Hoeneß kommentierte das so: "Es wäre eigentlich an den Norwegern gewesen, mehr für das Spiel zu tun." Selbst wenn sie es gewollt hätten, gekonnt hätten sie es wohl nicht. Das hat wohl auch Gabor Kiraly gespürt, kurz vor dem Abpfiff.

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