Sport : Hertha sucht einen Verteidiger

Simunic hat immer noch nicht entschieden, ob er bleibt – der Klub reagiert

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Bis heute sollte Josip Simunic sich entscheiden, ob er bei Hertha bleiben möchte oder nicht. Der Innenverteidiger des Fußball-Bundesligisten hatte mehrere Wochen Zeit für seine Entscheidungsfindung – er kam noch zu keinem Ergebnis. Bis gestern Nachmittag verhandelte der Klub, der ihn gerne halten würde, mit dem 28-Jährigen. Simunic aber befindet sich nach Angaben von Herthas Manager Dieter Hoeneß in Verhandlungen mit einem europäischen Spitzenverein. Deshalb hat er sich noch immer nicht entschieden. Nun werden sich die Berliner „sehr konkret nach Alternativen umsehen“, sagt Manager Hoeneß. Simunics Verbleib in Berlin ist damit so gut wie ausgeschlossen. Sein Vertrag läuft im Sommer aus.

Wahrscheinlich wird Simunic nach Portugal oder Spanien wechseln. Sein Berater Dusan Bukovac sagte gestern Abend, dass er bereits auf dem Weg auf die iberische Halbinsel sei, um Verhandlungen zu führen. Mit welchem Klub, wollte er nicht sagen. Ihm liegt auch ein Angebot von Olympiakos Piräus vor. Hertha hingegen kann nicht mehr länger mit der Planung für die kommende Saison warten. „Das wäre unverantwortlich“, sagt Hoeneß. Weitere Gespräche mit Simunic wird es wohl nicht geben.

Bereits im Dezember hatte Hertha ein Vertragsangebot an Simunic zurück gezogen, weil er sich nicht bis zum vereinbarten Datum entschieden hatte. Kurz darauf signalisierte Simunic dann von sich aus Gesprächsbedarf und es begannen erneut Verhandlungen. Seither haben sich Hoeneß, Simunic und Bukovac häufig getroffen – doch Simunic konnte sich einfach nicht entscheiden. Dem Abwehrspieler fällt eine Entscheidung auch deshalb so schwer, weil er sich dem Berliner Verein sehr verbunden fühlt.

Hertha hatte ihn Anfang 2000 aus einem laufenden Vertrag mit dem Hamburger SV für etwa 350 000 Mark heraus gekauft, obwohl der ablösefreie Wechsel ein halbes Jahr später bereits feststand. Der Abwehrspieler hatte sich mit der Vereinsführung der Hanseaten überworfen, er wäre in Hamburg nicht mehr zum Einsatz gekommen. „Ich hatte ein halbes Jahr lang ein sehr schlechtes Gewissen und das Gefühl, ich sei Hertha etwas schuldig“, sagt Simunic. Anschließend reifte er in Berlin zu einem der besten Verteidiger der Liga und zu einem Stammspieler der kroatischen Nationalmannschaft. In der vergangenen Saison kassierte seine Abwehr die wenigsten Gegentore in der Bundesliga.

In dieser Spielzeit war Simunic lange verletzt, Beschwerden am Knie strahlten auf andere Körperteile aus – erst Anfang April konnte er nach viermonatiger Pause wieder eingreifen. Er spielte auf Anhieb stark, am vorletzten Spieltag zog er sich dann eine Fußprellung zu und muss seitdem wieder aussetzen.

Simunic will nach eigener Aussage am Ende seiner Karriere in den Spiegel schauen und sagen können, „dass ich nichts ausgelassen habe.“ Der Kroate wird im Sommer zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft spielen und ist vielleicht am entscheidenden Punkt seiner Karriere angelangt. „Ich weiß, dass ich viel mehr kann, als ich bisher gezeigt habe“, sagt er. Er habe nun den Respekt seiner Gegenspieler und dadurch mehr Selbstbewusstsein. Welcher Klub davon künftig profitieren wird, könnte noch eine Weile ungewiss bleiben. „Vielleicht werde ich während der WM noch immer nichts unterschrieben haben“, sagte Simunic kürzlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben