Sport : Hertha und die T-Frage

Michael Rosentritt

Der bekennende Linksliberale Dieter Hoeneß hat mit der CDU/CSU ungefähr so viel am Hut wie Angela Merkel noch mit der Kanzlerkandidatur im nächsten Jahr. Und natürlich glaubt niemand ernsthaft mehr den Beteuerungen der Union, wonach die K-Frage noch nicht gegen die Parteichefin entschieden sei. Während also die Unionsspitze in dieser zentralen Personalie recht weit ist, quält sich der Manager von Hertha BSC momentan mit der T-Frage. Also: Bleibt Jürgen Röber über den kommenden Sommer hinaus noch Trainer des Fußball-Bundesligisten oder nicht? Im Juni 2002 nämlich endet die Laufzeit seines Vertrages. Und vieles deutet darauf hin, dass die Wege auseinander gehen.

Zum Thema Fotostrecke I: Bilder der Saison 01/02
Fotostrecke II: Hertha Backstage
Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die sportliche Zukunft von Jürgen Röber ist offen. "Wir werden uns zusammensetzen - Schluss und aus", sagte der 47-jährige Trainer am gestrigen Tag. "Ich weiß, was ich will. Aber es gibt immer zwei Seiten." Röber, der die Mannschaft seit Januar 1996 trainiert und sich im Herbst des vergangenen Jahres mit Dieter Hoeneß auf einen Einjahresvertrag bis zum 30. Juni 2002 geeinigt hatte, will sich nicht noch einmal auf einen Einjahresvertrag bei Hertha einlassen. Die alljährlichen Diskussionen um seine Zukunft und das ständige In-Frage-gestellt-werden sollen endlich ein Ende haben. "Einen erneuten Probelauf werde ich nicht machen", sagte Röber. Im vergangenen September noch hatte er den Einjahresvertrag als seine Idee bezeichnet. Für diese Version sprach, dass Röber inmitten der Wirren um Christoph Daum als dessen potenzieller Nachfolger in Leverkusen gehandelt worden war. Und dann gab es da noch eine Anfrage von Borussia Dortmund. Andererseits taten sich damals die Verantwortlichen Herthas schwer mit einer langfristigen Bindung Röbers. Einflussreiche Figuren in den Führungsgremien der Berliner trauen ihm den ganz großen Wurf nicht zu.

Seinen ersten Vertrag bei Hertha hatte Röber am 18. Dezember 1995 unterzeichnet. In der Zwischenzeit war es ihm gelungen, den Verein aus der Zweitklassigkeit in die Champions League zu führen. Seitdem erreicht der Verein zweimal hintereinander den Uefa-Cup. Erfolgreicher in der Bundesliga war im gleichen Zeitraum nur Ottmar Hitzfeld, der Trainer des FC Bayern München. Das wiederum hat auch Hoeneß mitbekommen. Für den Manager ist "der Jürgen Röber einer der besten Bundesligatrainer". Doch Hoeneß will einen Mann an der Seitenlinie, der großen Glanz ausstrahlt, dessen Name auf internationalem Parkett einen Klang hat. Nur leider gibt es von denen, die diese Kriterien erfüllen, nicht ganz so viele. Mal abgesehen davon, ob sich einer dieser renommierten Herren, so er überhaupt zu haben ist, auf Hertha einlassen würde. Arsène Wenger zum Beispiel, der dem Anforderungsprofil entspricht, verlängerte vor wenigen Tagen seinen Vertrag bei Arsenal London.

Vielmehr deutet viel darauf hin, dass die Zukunft Röbers bei Hertha nicht mehr von Röber abhängt. Hoeneß will die Meisterschaft bis 2006 gewinnen und in den Zirkel der 20 besten europäischen Vereine aufsteigen. Mit einem Trainer Jürgen Röber sieht er diese Ziele offenbar nicht realisierbar. Nur muss erst einer neuer Mann gefunden werden, der gewillt und geeignet ist, diesen entscheidenden Sprung mit der Mannschaft zu vollziehen.

In den vergangenen drei Tagen waren Stimmen aufgekommen, wonach sich Röber definitiv aus Berlin verabschieden wird. Eine Zeitung brachte gar in Umlauf, Röber habe sich bereits mit dem VfL Wolfsburg geeinigt. Röber entgegnete: "Es ist nichts abgemacht, weder in die eine noch in die andere Richtung. Ich bin diese Spekulationen leid." Ein Aufsichtsrats-Mitglied, das nicht genannt werden möchte, äußerte die Vermutung, Röber selbst habe Wolfsburg ins Spiel gebracht. Röber dementierte allerdings Verhandlungen mit irgendeinem anderen Verein: "Das ist alles Quatsch."

Präsident Bernd Schiphorst verweist auf den "klaren Zeitplan für Gespräche mit Jürgen Röber in der Winterpause". Der sieht vor, dass sich Hoeneß und Röber nach dem letzten Bundesligaspiel dieses Jahres, das am 18. Dezember gegen den FC St. Pauli stattfindet, zusammensetzen. Hoeneß: "Wir können doch nicht mitten während der jetzigen Spiele dieses Thema diskutieren. Das bringt doch nur Unruhe." Dass die jetzt schon da ist, kommentierte er so: "Die Unruhe bringen Journalisten mit ihren Spekulationen rein. Das sind dieselben, die immer vor Unruhe warnen."

Am kommenden Donnerstag wird das Thema bei der Sitzung des Aufsichtsrates im Ritz-Carlton-Hotel zur Sprache kommen. Auch wenn es nicht auf der Tagesordnung steht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar