Herthas Neuer : Lang genug gesessen

Zwölf Spiele hat Marko Babic, 28, in eineinhalb Jahren für Betis Sevilla gemacht. Bei Hertha BSC nimmt er nun einen neuen Anlauf in der Bundesliga. Am Mittwoch trainierte er erstmals in Berlin.

Sven Goldmann
Babic
Marko Babic. Vor einem Jahr noch fünf Millionen wert. -Foto: ddp

Berlin - Die halbe Mannschaft wärmte sich schon in der Kabine auf, aber das Geburtstagskind wollte noch ein letztes Spielchen mitmachen. Dort wo große Fußballkinder am liebsten spielen, direkt vor dem Tor. Aufmerksam schaute Marko Babic seinen Kollegen beim Freistoßtraining zu. Erst schoss Gojko Kacar vorbei, dann Josip Simunic über das Tor, und als Dritter legte Marko Babic sich den Ball zurecht. Der schlaksige Kroate schaute lang und konzentriert, er lief an, holte aus – und schlenzte den Ball an den Kopf eines der Plastikkameraden, die den Profis von Hertha BSC beim Üben als Mauer dienen.

"Marko hat einen sehr guten linken Fuß"

Die Kollegen lachten, Babic winkte und verzog sich auf die andere Seite des Platzes. Am Mittwoch ist er 28 Jahre alt geworden und hat zum ersten Mal nach seinem Wechsel von Betis Sevilla nach Berlin mit seiner neuen Mannschaft trainiert. Für die Freistöße dürfte er nicht zuständig sein, so er denn spielt, am Samstag zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde gegen Eintracht Frankfurt. Oder doch? „Ich weiß, dass Marko einen sehr guten linken Fuß hat“, sagt Herthas Trainer Lucien Favre. „Er hat mal ein tolles Freistoßtor gegen Hertha geschossen“, Favre kennt es vom obligatorischen DVD-Studium. Das war am 8. Dezember 2006, als Herthas Trainer noch Falko Götz hieß und Marko Babic für Bayer Leverkusen spielte. Beide Beziehungen waren damals schon am Auseinanderbrechen.

Er mag nicht viel erzählen über die Zeit in Sevilla, wo die Altstadt sehr schön und die Ersatzbank sehr hart ist. „Hat halt nicht gepasst“, sagt Babic, und dass es wohl kein Zufall sei, wenn so viele in der Bundesliga sozialisierte Fußballspieler sich in der Primera Division nicht zurechtfinden. „Da kommst du aus einem gut strukturierten Klub in einen Verein, in dem ein einziger starker Mann alles bestimmt.“ Man könne sich ja vorstellen, was passiert, wenn diesem irgendeine Nase nicht gefalle. Zwölf Spiele hat Marko Babic in eineinhalb Jahren für Betis gemacht, in dieser Saison waren es gerade zwei, das letzte am 27. September gegen Real Madrid. Bei seiner Einwechslung eine Viertelstunde vor Schluss stand es noch 1:1, in der letzten Minute traf van Nistelrooy zum Sieg für Real. Danach dufte Babic nur noch im Training ran, was immerhin den Vorteil mit sich bringt, „dass ich topfit bin“.

Vor einem Jahr wollte Sevilla noch fünf Millionen Euro

Vor einem Jahr wollte Sevilla fünf Millionen für ihn, nun aber waren die Spanier froh, einen auf zwei Millionen Euro Jahresgehalt taxierten Großverdiener von der Gehaltsliste zu bekommen. Babic durfte ablösefrei gehen. Natürlich fehlt Spielpraxis, aber das fällt angesichts der Winterpause nicht so schwer ins Gewicht. Zumal es Hertha genau dort pressiert, wo Marko Babic sich am wohlsten fühlt. Im defensiven Mittelfeld, wo der lange verletzte Gojko Kacar noch nicht fit genug ist und Pal Dardai in Folge einer Knieoperation noch ein paar Wochen ausfällt.

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