Sport : Herthas späte Erlösung

Yildiray Bastürk schießt die Berliner beim Regionalligisten Darmstadt 98 in die nächste Pokalrunde

Stefan Tillmann[Darmstadt]

Dieter Hoeneß war längst in den Innenraum gekommen und hatte sich auf die Trainerbank neben Falko Götz gesetzt. Mit fuchtelnden Armen rief er den Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng nach vorne. Der Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC kennt die Schlussphasen von Pokalspielen besser als das 19-jährige Talent. Das Spiel beim Regionalligisten Darmstadt 98 ging in die zweite Halbzeit der Verlängerung. Noch stand es 0:0. Nach fünf weiteren Minuten wurde die Schlussoffensive der Berliner belohnt. Yildiray Bastürk traf zum 1:0, das den Sieg bedeutete. Die Berliner konnten eine Blamage gerade noch so verhindern und stehen in der zweiten Hauptrunde des DFB-Pokals.

„Es war ein hartes Stück Arbeit. Aber der Sieg ist verdient“, sagte Dieter Hoeneß. Eigentlich wollten die Berliner das Spiel früh entscheiden. „Wir müssen früh ein Tor machen, damit der Gegner erst gar kein Selbstvertrauen gewinnt“, hatte Stürmer Christian Gimenez gefordert. Entsprechend offensiv begannen die Berliner dann auch. In der ersten Viertelstunde dominierten sie das Spiel und führten den Gegner vor. Der 19-jährige Patrick Ebert, der zunächst überraschend für Kevin-Prince Boateng im rechten Mittelfeld spielte, hatte mehrere gute Möglichkeiten.

Nach fünf Ecken und 15 Spielminuten nahmen die Berliner das Tempo aus dem Spiel. „Vielleicht sah es am Anfang zu leicht aus“, sagte Hoeneß anschließend. Dabei hatte Trainer Götz die Entschlossenheit gefordert, Spiele zu gewinnen, die seine Mannschaft im Griff habe. Als Hertha in den vergangenen Pokaljahren bei St. Pauli und Braunschweig ausgeschieden war, sei genau dies das Problem gewesen. So kämpfte sich Darmstadt ins Spiel zurück. Der Regionalligist hatte seine größte Chance durch Sebastiao, der nach einem langen Pass von Stefan Leitl alleine auf Christian Fiedler zulief, der aber klären konnte.

„Uns war klar, dass die über sich hinaus wachsen, wenn wir kein frühes Tor machen“, sagte Mittelfeldspieler Yildiray Bastürk nach dem Spiel. Der Bundesliga-Sechste, der in Bestbesetzung angetreten war, hatte längst den Faden verloren. Bastürk hatte immer mehr Probleme mit dem Spielaufbau. Gerade er bekam den wachsenden Siegeswillen der Südhessen zu spüren. Nach der Pause hatte Hertha mal wieder eine Torchance. Malik Fathi schoss aus 22 Metern, doch Torwart Bastian Becker hielt glänzend. Beckers Mannschaftskollegen kamen fortan immer mehr ins Spiel – vielmehr ließen sie keines zu. Schiedsrichter Christian Dingert musste das Spiel ständig unterbrechen. Die Atmosphäre unter den 14 700 Zuschauern am Böllenfalltor wurde hektischer. Erst in der Schlussphase kam Hertha noch einmal zu zwei guten Gelegenheiten durch Bastürk und Kevin-Prince Boateng.

Götz hatte Boateng in der zweiten Halbzeit für Ebert eingewechselt. Der ebenfalls eingewechselte Solomon Okoronkwo bereitete letztlich die Entscheidung vor. Er passte auf Gilberto, der den Ball nach innen auf Bastürk gab. Der wiederum hatte keine Mühe den Siegtreffer zu erzielen. Jetzt wartet Hertha BSC auf die Auslosung der nächsten Runde am 16. September.

Hertha BSC hat die erste Aufgabe dieser Woche erfüllt. „Wir haben das schwerste Spiel der Woche überstanden“, sagte Falko Götz. Am Donnerstag spielen die Berliner im Uefa-Cup-Hinspiel gegen Odense BK. Im Bundesligaheimspiel gegen Schalke 04 will Hertha BSC den guten Ligastart untermauern. Schalke werde ein Selbstläufer, sagte der Trainer und meinte die Motivation. Es ist nicht tröstlich für den Trainer, dass auch in Darmstadt die Motivation stimmte, aber die spielerische Klasse gegen den Regionalligisten fehlte.

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