Herthas Trainer : Lucien Favre: Ein echter Fußballlehrer - für die Bayern?

Herthas Trainer Lucien Favre könnte den Bayern sicher helfen - aber ein Angebot käme zwei Jahre zu früh.

Sven Goldmann
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Lucien Favre. Herthas Trainer.

Die alles entscheidenden Sätze hat Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß eher beiläufig gesagt: „Jupp Heynckes ist vor allem ein Fußballlehrer. Das ist es, was wir jetzt brauchen.“ Einen Fußballlehrer? Einen wie Lucien Favre?

Der Schweizer hat in den vergangenen eineinhalb Jahren bei Hertha BSC so gute Arbeit geleistet, dass er automatisch zum Kreis der Münchner Kandidaten zählte. Bis spät in die Nacht zum Montag hatte Uli Hoeneß mit seinen Spez’ln zusammengesessen und über die Nachfolge des entlassenen Jürgen Klinsmann debattiert. „Dass dabei nicht auch der Name Favre gefallen ist, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt ein Entscheidungsträger von Hertha BSC.

Favres Engagement in Berlin fußt auf einer Empfehlung von Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Vorstand hatte 1989 seine aktive Karriere an der Seite von Favre bei Servette Genf ausklingen lassen. Der Kontakt ist nie abgerissen. Als die Bayern vor zwei Jahren einen Nachfolger für den geschassten Felix Magath suchten, soll Favre auf der Liste ganz weit oben gestanden haben. „Herr Rummenigge hat damals gesagt: Lucien Favre ist ein interessanter Mann“, verriet der Schweizer im Sommer 2007 bei seinem Amtsantritt in Berlin. „Es gab aber nie ein Angebot.“

Noch macht sich bei Hertha niemand Sorgen. Favre hat seinen Vertrag gerade erst bis 2011 verlängert und niemand zweifelt an seiner Vertragstreue. Zudem gehen Entscheidungsträger am Olympiastadion davon aus, dass der FC Bayern nach dem missglückten Experiment mit dem Trainer-Novizen Klinsmann auf Nummer sicher gehen und einen Mann mit internationaler Reputation verpflichten will. Favres zwei Schweizer Titel mit dem FC Zürich dürften nicht die Referenz sein, die den Münchnern vorschwebt. Ein Angebot der Bayern käme für ihn wohl ein, zwei Jahre zu früh.

Bei Hertha ist man sich sicher, „dass der Trainer bleibt, wenn wir ihm zur nächsten Saison eine personelle Konstellation bieten, die ihm das Arbeiten einfacher macht“. Favres Verhältnis zu Manager Dieter Hoeneß, dem Bruder des Münchner Machers, gilt seit langem als sehr angespannt. Intern soll sich der Trainer deutlich positioniert haben, aber natürlich hütet er sich, irgendetwas dazu zu sagen. Einer, der sich nicht namentlich zitieren lassen will, meint: Mit jedem Tag, den Hoeneß über diese Saison hinaus bei Hertha BSC bleibe, wachse auch die Wahrscheinlichkeit, dass Favre sich nach einem neuen Job umschauen werde.

Auch deshalb wächst im Präsidium die Bereitschaft, Dieter Hoeneß nach Ablauf dieser Saison von seinen Aufgaben freizustellen. Ein Boulevardblatt hatte am Wochenende in großer Aufmachung über ein Geheimtreffen zwischen Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer berichtet, bei dem der Manager um seine Zukunft gekämpft habe. Das Treffen war so geheim, dass nicht einmal der Präsident davon wusste. „Ich weiß nicht, mit wem Dieter Hoeneß am Sonntag geredet hat, mit mir jedenfalls nicht“, sagt Gegenbauer. „Aber ich habe grundsätzlich überhaupt kein Problem, mich mit ihm zu unterhalten.“

Fortsetzung folgt. Für Lucien Favre und Dieter Hoeneß, aber wohl nicht für beide zusammen.

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