Sport : Herthas Vorlage nicht verwandelt

Felix Meininghaus

Für Matthias Sammer ist Fußball schon immer in allererster Linie ein Geduldsspiel gewesen. "Wir wissen, dass wir unser Tor machen werden", pflegt der Trainer von Borussia Dortmund zu sagen, "und wenn es in der 93. Minute ist." Beim Gastspiel bei Werder Bremen dauerte es nicht ganz so lange, bis der Tabellenzweite vor 35 000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion zum Erfolgserlebnis kam. In der 55. Minute traf der Brasilianer Ewerthon für die Schwarz-Gelben. Der Treffer reichte zum 1:1 (0:1). Der Sprung an die Spitze gelang nicht, obwohl Hertha BSC in Berlin den Tabellenführer Bayer Leverkusen 2:1 bezwang.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Zu Beginn der Partie zwischen den zurzeit erfolgreichsten Teams der Bundesliga hatten die Dortmunder erst einmal Wert auf solide Defensive gelegt. Sammer bot hinten mit Kohler, Wörns, Heinrich und Reuter geballte Routine auf. Auch Werder spielte aus Respekt vor dem Kontrahenten zunächst verhalten. Und so ergab es sich, dass für beide Mannschaften der gegnerische Strafraum zur Tabuzone wurde. Was auch daran gelegen haben mag, dass einige Spieler auf dem seifigen Rasen erkennbare Standprobleme hatten. Vor allem Dortmunds Zwei-Meter-Riese Jan Koller wirkte auf diesem Geläuf unbeholfen.

Rasse und Klasse bekam die Begegnung, als sich Werder nach gut einer halben Stunde entschloss, das Heft in die Hand zu nehmen, und sein läuferisches Übergewicht in Chancen umsetzte. Doch Lisztes, Bode, Frings und Kristajic zielten zu ungenau oder scheiterten am überragenden Dortmunder Torwart Jens Lehmann. Es dauerte bis zur 40. Minute, ehe Nationalspieler Torsten Frings mit einem Flachschuss die verdiente Führung gelang. Bis zur Pause spielte Werder so beeindruckend, dass Sammer ehrfurchtsvoll anerkannte, "wie diese Mannschaft marschieren kann ..."

Das Einzige, was den Gastgebern in dieser Phase fehlte, waren die Treffer zwei und drei für eine vorzeitige Entscheidung. Dagegen lieferte Dortmund in Hälfte eins eine Leistung ab, die Sammer in seiner betont kritischen Art "unterirdisch" zu nennen pflegt. "Da hatten wir kein Feuer", sagte er, "wir waren nicht richtig wach."

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als die Westfalen aktiver wurden. Vor allem Ewerthon wirbelte die Bremer Abwehr fortan mächtig durcheinander. Der pfeilschnelle Stürmer schaffte dann auch mit einem herrlichen Schuss in den Winkel den Ausgleich. Es war bereits das sechste Punktspieltor des während der Saison verpflichteten Nationalspielers. Für BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist es "eine wahre Feude, wie schnell sich Ewerthon bei uns akklimatisiert hat".

Auch nach dem 1:1 bestimmten die Gäste das Geschehen. Sie wirkten engagierter und zielstrebiger, Werder büßte sein läuferisches und spieleriches Übergewicht ein. Bremens Trainer Thomas Schaaf war dennoch "sehr zufrieden, wie wir uns gegen diese starke Mannschaft angestellt haben". In der stürmischen Schlussphase hätten die Hanseaten sogar noch den Sieg herausschießen können. Als die Nachricht von der Rostocker Führung gegen die Bayern verbreitet wurde, beflügelte das die Bremer, sie vergaben jedoch durch Bode und Ailton zwei hervorragende Möglichkeiten. Am Schluss konnten alle Beteiligten mit dem Remis gut leben. Sammer kam lächelnd damit zurecht, dass es im neunten Auswärtsspiel nicht den achten Erfolg im fremden Stadion gegeben hatte. "Wir haben gegen einen sehr guten Gegner einen Punkt geholt", sagte er, "Leverkusen und die Bayern haben das nicht geschafft."

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