Sport : Hier dopt doch keiner Baseballer schweigen vor dem US-Kongress

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New York Die größte Show legte einmal mehr Mark McGwire hin. Im dunklen Anzug, mit feiner Lesebrille und akkurat gestutztem grauen Bart, verlas der ehemalige Schlagmann seine Stellungnahme vor dem US-Kongress in Washington. Mehrfach begann die Stimme des starken Mannes zu zittern, kämpfte er mit den Tränen, musste zur Wasserflasche greifen, um sich wieder zu fangen. Was genau den emotionalen Aufruhr im einstigen Baseball-Star verursachte, blieb unklar. Als die Kongress-Mitglieder ihn nach seiner Dopingvergangenheit als Spieler in der Major League Baseball (MLB) befragten, verwandelte er sich in Sekundenschnelle zum Eisblock, der keine Auskunft geben mochte.

So ging die groß angekündigte Kongress-Anhörung von zwei ehemaligen und vier aktuellen Baseball-Spielern sowie Funktionären und Dopingexperten im Wesentlichen weiter. Die Athleten beteuerten ihren Willen, gegen unerlaubte Fitmacher in ihrem Sport zu kämpfen. Doch als es darum ging, ihre eigene Rolle und die ihres Teams zu beschreiben, schwiegen sie. Selbst Jose Canseco, der in seinem Buch „Juiced“ beschreibt, wie er sich und McGwire Steroide gespritzt hat, wiederholte seine Vorwürfe nicht. McGwire nutze die Gelegenheit, um Canseco als Lügner abzustempeln. Er habe nie Steroide genommen, sagte McGwire.

Schwierigkeiten, die laxe Anti-Doping-Politik ihrer Liga zu erklären, hatte auch Commissioner Bud Selig. Denn anders, als bislang öffentlich verbreitet, haben die Baseball-Spieler weiterhin die Möglichkeit, sich nach dem ersten Vergehen freizukaufen. Maximal droht ihnen eine Sperre von zehn Spielen – die Saison in der MLB hat 162. Selig behauptet, er habe bei den Verhandlungen mit der Gewerkschaft im Januar kürzeren Strafen zugestimmt, weil es um die Veränderung von Spielerverhalten ginge, nicht um Berufsverbote. Die Kongress-Abgeordneten bezweifelten diese Angaben und verwiesen auf zahlreiche Schlupflöcher in der Anti-Doping-Politik der MLB. „Die Strafen sind ein Witz“, sagte etwa der Republikaner Jim Bunning, früher selbst ein Baseball-Star, „ich würde gerne viel härtere Strafen sehen.“

Den Stein ins Rollen hatte der Skandal um das Chemielabor Balco gebracht, zu dessen Kunden auch mehrere Baseballspieler gehörten. Das Canseco-Buch heizte die Debatte dann so weit an, dass die Politiker die Betroffenen in Washington vorluden.

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