Sport : Hin und Her ums Auf und Ab

Im deutschen Eishockey eskaliert der Streit um die Aufstiegsfrage, weil sich die Bundesligisten aus der DEL ausgeschlossen fühlen

Paul Hullmeine

Berlin - Eigentlich sollten alle Probleme beseitigt worden sein. Lange genug hat sich der Konflikt um einen neuen Kooperationsvertrag zwischen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) hingezogen. Einer der Hauptstreitpunkte waren dabei Auf- und Abstiege zwischen der DEL und der Zweiten Bundesliga. Am Donnerstag haben DEL und DEB nun bekannt gegeben, dass der neue Vertrag, der als wichtigsten Punkt eine gemeinsame Verantwortlichkeit für die Nationalmannschaft vorsieht, endgültig perfekt sei. Dabei sind längst nicht alle Unstimmigkeiten ausgeräumt. Ein neuer Konflikt entbrannte umgehend: Die Eishockeyspielbetriebsgesellschaft (ESBG), die den Spielbetrieb der Zweiten Bundesliga organisiert, will sich nicht am Kooperationsvertrag beteiligen. Der neue Vertrag sollte eine Relegation zwischen DEL und Zweiter Bundesliga ab der Saison 2012/2013 vorsehen – zu wenig nach Ansicht der ESBG, die schon lange einen direkten Auf- und Abstieg fordert.

„Wir haben zweimal ein Modell vorgestellt, das letzte sah eine Relegation ab 2012/13 vor, weil es früher aus rechtlichen und organisatorischen Gründen nicht ging. Beide Angebote hat die ESBG abgelehnt“, sagt der Medienbeauftragte der DEL, Matthias Schumann. „Die Etat-Dimension ist in der Zweiten Bundesliga eine ganz andere als in der DEL.“ Durch eine Relegation würde jedoch eine schrittweise Verzahnung erreicht und das wirtschaftliche Niveau insgesamt nachhaltig angeglichen, glaubt Schumann. Bei den Zweitligaklubs stößt dies auf Unverständnis. „Wenn eine Relegation im nächsten Jahr klappt, was spricht denn dann gegen eine Relegation in diesem Jahr?“, sagt Alfred Prey, der Teammanager des Zweitligisten Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Außerdem seien Auf- und Abstiege Teil der deutschen Sportkultur und auch bei den Fans gewünscht. Die wirtschaftliche Situation sei kein Hindernis. „Die Stadien von den Zweitligisten sind nicht schlechter als so manches DEL-Stadion“, sagt Prey. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

In den letzten Tagen haben die Zweitligavereine nun die Konsequenzen gezogen: Alle Testspiele mit Klubs aus der DEL wurden abgesagt. So mussten auch die Fischtown Pinguins zwei DEL-Klubs ausladen, die bei einem Vorbereitungsturnier in Bremerhaven starten sollten. „Für uns ist die Absage der Testspiele einfach ein konsequenter Schritt“, sagt Prey. „Wir fühlen uns von der DEL ausgeschlossen. Um es frei nach Borchert zu sagen: Wir stehen draußen vor der Tür. Ich bedauere das sehr, allerdings sind noch nicht alle Türen zu.“ Wie es mit den Türen weitergeht im deutschen Eishockey, darüber wird wohl noch ausführlich gestritten werden.

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