Hinrundenbilanz : 1. FC Union: Nur ein bisschen Abstieg

Der 1. FC Union besitzt im Kampf um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga gute Chancen. Eine Bilanz der Hinrunde.

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Touchdown in der Alten Försterei. Halil Savran stürmt mit seinem 1. FC Union den Abstiegsplätzen davon.
Touchdown in der Alten Försterei. Halil Savran stürmt mit seinem 1. FC Union den Abstiegsplätzen davon.Foto: dpa

Berlin - Oft ist es der letzte Eindruck, der hängen bleibt. So gesehen hat der Berliner Zweitligist aus dem behaglichen Stadtteil Köpenick eine ganz passable Hinrunde hinter sich gebracht. Platz 13 weist die Tabelle nach dem 3:1 über den Karlsruher SC für den 1. FC Union aus – das sieht gut aus für einen Fußballklub, der nach seinem Beinahe-Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit vor einigen Jahren viel in Sachen Genügsamkeit gelernt hat. Dennoch ist der nach einem Rückstand hart erarbeitete Sieg vom Montag ein bisschen verführerisch, kämpft Union doch immer noch gegen den Abstieg. Gerade mal drei Zähler trennen den Verein vom Relegationsplatz 16.

Das eigentliche Ziel, sich dauerhaft zweitklassig zu etablieren, muss da erstmal hinten anstehen. Spätestens nach der 1:4-Niederlage in Osnabrück am fünften Spieltag und dem damit verbundenen Rutsch auf den vorletzten Tabellenplatz, hat das auch der letzte im Verein begriffen. Präsident Dirk Zingler behauptet sogar, sein Klub müsse sich immer mit einem Thema wie dem potenziellen Abstieg auseinandersetzen. Zu gering sind die Möglichkeiten in Köpenick, vor allem in finanzieller Hinsicht – und das, obwohl Union in der laufenden Spielzeit den höchsten Etat der Geschichte stemmt.

Große Gelder für große Spieler sind bei den Unionern immer noch nicht drin, weshalb der Kader nicht besonders üppig ausgestattet ist. Fehlen nur wenige Stammspieler, fällt auch die Qualität des Teams erheblich. Die Probleme sind vielfältig; sie ziehen sich nahezu durch alle Mannschaftsteile. Von den Torhütern sagt Trainer Uwe Neuhaus, dass sie mit ihren Fehlern „sicher ein paar Punkte gekostet haben“. Gemeint ist vor allem Jan Glinker, der als Nummer eins in die Saison gestartet ist und zuletzt nur wegen der Verletzung seines Konkurrenten Marcel Höttecke wieder zwischen den Pfosten stehen durfte.

Als stabilster Part erwies sich noch die Berliner Abwehr, auch wenn das Mittelfeld nominell sicher am besten besetzt ist, doch gerade dort häuften sich die Ausfälle: Mit Michael Parensen, Torsten Mattuschka und Santi Kolk fehlten hier zuletzt gleich drei Schlüsselspieler. Von allen Köpenicker Sorgen aber ist die größte ganz vorne zu finden: im Angriff. Lediglich 18 Tore hat Union in der Hinrunde erzielt, viel zu oft scheiterte vor allem John Jairo Mosquera mit guten bis besten Chancen.

Vor diesem Hintergrund kommt die kurze Winterpause – bereits am 28. Dezember steigt das Team wieder ins Training ein – gerade noch rechtzeitig. Es gilt als ziemlich sicher, dass sich Union im Sturm verstärken wird – und nicht nur dort. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, bewies der Zweitligist erst gestern. Nur einen Tag nach dem letzten Hinrundenspiel teilte die Vereinsführung Verteidiger Jerome Polenz und Offensivkraft Kenan Sahin mit, dass sie den Klub besser früher als später verlassen dürfen, weil sie in den Planungen für die Rückrunde keine Rolle mehr spielen. „Menschlich tun solche Entscheidungen weh“, sagt Teammanager Christian Beeck, „aber sie sind sportlich zwingend notwendig.“

Union macht ernst, weil Union den Ernst der Lage erkannt hat. Zwar hat Dirk Zingler schon angekündigt, mit Trainer Neuhaus notfalls auch in die Dritte Liga zu gehen, gleichzeitig wird der Präsident allerdings auch an die Grenze des finanziell Machbaren gehen, um die bestmöglichen Voraussetzungen für den Verbleib in Liga zwei zu gewährleisten. Er weiß, dass für den Klub aus Köpenick nur dann die Möglichkeit einer konstruktiven Weiterentwicklung besteht, wenn ihm im zweiten Zweitligajahr nach dem Aufstieg 2009 der Klassenerhalt gelingt. Allein auf seine Willens- und Kampfstärke will sich der 1. FC Union jedenfalls nicht verlassen.

Union siegt und prügelt:  S. 12 und 14

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