Sport : Hochsprung: Versilberte Gnade

Die Gnade des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF hat Hochsprung-Weltrekordler Javier Sotomayor in Sydney zu einer Silbermedaille verholfen. Mit 2,32 m belegte der Kubaner sieben Wochen nach seiner Begnadigung Platz zwei hinter dem russischen Überraschungssieger Sergej Klijugin (2,35). Die Konkurrenz stieß sich schon an der bloßen Teilnahme des Olympiasiegers von 1992. Sotomayors Zwei-Jahres-Sperre wegen Kokainmissbrauchs war kurz vor den Olympischen Spielen auf persönliche Intervention von Kubas Staatschef Fidel Castro um ein Jahr verkürzt worden. Der Leichtathletik-Weltverband IIHF hatte für diese Entscheidung viel Kritik einstecken müssen.

"Das ist die absolute Athletenverarschung. Ich kann nicht nachvollziehen, warum die IAAF ihn begnadigt hat", schimpfte der Mannheimer Wolfgang Kreißig nach dem verregneten Wettkampf im Stadium Australia: "Da wird mit zweierlei Maß gemessen. Sotomayor hätte mir fast die Sporthilfe weggenommen." Dank seines achten Platzes mit 2,29 m bleibt der Deutsche Meister gerade noch im Kreis der Geförderten. Rang neun hätte nicht gereicht.

Sotomayor wies alle Kritik von sich: "Ich habe nichts Verbotenes getan. Ich habe zu Recht die Silbermedaille gewonnen." Dem kubanische Nationalheld war im Juli 1999 bei den Panamerikanischen Spielen in Winnipeg die Einnahme von Kokain nachgewiesen worden. Darauf war er vom Weltverband zunächst für zwei Jahre gesperrt worden. Sotomayor hatte die Einnahme der Droge stets bestritten: "Ich habe nie meine Ehre verloren. Einige Leute haben mich angeklagt. Ich habe niemals solche Substanzen genommen."

Wie IAAF-Vizepräsident Arne Ljungqvist (Schweden) erklärte, wurde der zweimalige Weltmeister mindestens ein weiteres Mal positiv getestet. "Fünf Councilmitglieder wussten davon", sagte DLV-Chef Digel, selbst Mitglied im höchsten Gremium des Weltverbandes.

Die IAAF hatte Sotomayors Begnadigung mit dem angeblichen Einsatz des Kubaners im Anti-Doping-Kampf begründet. Außerdem seien seine großen Verdienste für die Leichtathletik zu würdigen. Eine Erklärung, die DLV-Präsident Helmut Digel auf die Palme brachte: "Das ist lächerlich. Der Gnadenakt war eine sportpolitisch motivierte Entscheidung."

Miserable Witterungsbedingungen machten aus dem Wettbewerb ein Glücksspiel. Die Niete bei der Regen- und Windlotterie zog der hohe Favorit Wjatscheslaw Woronin. Der russische Weltmeister überquerte lediglich 2,29 m im dritten Versuch und wurde nur Zehnter. Erstmals gewann ein Afrikaner eine olympische Hochsprung-Medaille: Der Algerier Abderrahmane Hammad kam höhengleich mit Javier Sotomayor auf den dritten Platz.

Sotomayor verpasste im Regen von Sydney seine letzte Chance, zum zweiten Mal nach 1992 Olympiasieger zu werden. "Ich bereite mich auf die nächsten Weltmeisterschaften in Edmonton vor", sagte der Kubaner,"aber nicht mehr auf die nächsten Olympischen Spiele." Olympia 2004 in Athen wird ohne ihn über die Bühne gehen.

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