Hoffenheim-Leverkusen : Langsam selbstbewusst

Bayer Leverkusen gewinnt souverän mit 3:0 in Hoffenheim. Damit verdrängt das Team von Jupp Heynckes Bayern München wieder von der Tabellenspitze und verändert seine Saisonziele.

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Die Leverkusener Spieler freuen sich über den Sieg. -Foto: dpa

Jupp Heynckes weicht allem aus, was nach verbindlicher Zielsetzung klingt. Nach dem sicheren 3:0 (1:0) bei 1899 Hoffenheim, sagte der Trainer von Bayer Leverkusen: „Och, für Fragen zur Champions League ist der Rudi Völler zuständig.“ Bayers Sportdirektor hatte diesmal tatsächlich von der Champions League gesprochen, die man erreichen könne. Bislang war das Erreichen des internationale Geschäfts das offizielle Ziel des Tabellenführers, der als einzige Mannschaft in dieser Bundesligasaison noch ungeschlagen ist.

Durch den elften Saisonsieg haben die Leverkusener mittlerweile 13 Punkte Vorsprung auf Rang sechs und gehen offen mit ihrem neuen Selbstvertrauen um. „Wir sind stabiler geworden“, sagte Toni Kroos, der nicht nur ein Tor schoss, sondern auch zwei Vorlagen gab und wieder eine herausragende Partie bot. „Wir haben uns auch als Mannschaft entwickelt“, sagte der Mittelfeldspieler, der sich auch bei Bundestrainer Joachim Löw immer mehr aufdrängt.

Dass der Erfolg gegen Hoffenheim nicht durchweg glanzvoll ausfiel, störte später beim Sieger keinen mehr. Bayer spielte effektiv und nüchtern und führte zehn Minuten 1:0. Dem kantigen Abwehrmann Sami Hyypiä gelang sein erstes Saisontor. Nach einem Freistoß von Kroos, der 30 Meter weit bis an den Fünfmeterraum der Hoffenheimer flog, stellte deren Mittelstürmer Vedad Ibisevic die Verfolgung des Leverkusener Abwehrchefs urplötzlich ein. Der Finne schoss 1899-Torwart Timo Hildebrand den Ball durch die Beine.

Nur vier Minuten später ließ Ibisevic die große Gelegenheit aus, seinen groben Fehler auszugleichen. Der Bosnier stand nach dem Pass von Carlos Eduardo zwölf Meter vor dem Tor von Nationaltorwart Rene Adler, der den Flachschuss abwehren konnte. Hoffenheim musste vor den 29 500 Zuschauern weiter einem Rückstand hinterher laufen. Auch, weil Boris Vukcevic nach einer halben Stunde seinen Versuch knapp neben das Tor setzte.

Kurz darauf bot sich die dritte große Möglichkeit zum Ausgleich. Ibisevic störte Adler, der sich den Ball zu weit vorgelegte, den sich dann Vukcevic eroberte, der 19 Jahre alte Nachwuchsstürmer schoss aber am leeren Tor vorbei. „Wir haben es verpasst, uns aus glasklaren Chancen Überzeugung und Selbstvertrauen zu holen“, sagte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. „Es macht nun wirklich keinen Sinn, dass wir uns mit den ersten fünf Plätzen beschäftigen.“ Verteidiger Andreas Beck wurde noch deutlicher: „Wir müssen schauen, dass wir nicht unten rein rutschen. Langsam wird es eng.“

Den drei verpassten Chancen sollten keine weiteren mehr folgen. „Ich habe deutliche Worte gefunden in der Halbzeit“, berichtete Jupp Heynckes. „Ich habe der Mannschaft gesagt, sie muss bissiger und aktiver werden.“ Gleich nach der Pause erzielte Kroos das 2:0 und sorgte damit für die Entscheidung. Hoffenheim fehlte nach dem Treffer die Kraft und der Wille, die Partie noch zu drehen. Tranquillo Barnetta gelang zwanzig Minuten vor dem Ende das 3:0 für die in der zweiten Halbzeit klar überlegenen Leverkusener. „Es hat mich gefreut zu sehen, dass die Mannschaft fußballerisch zulegen kann“, sagte Heynckes.

Für Hoffenheim scheint mehr als graues Mittelmaß mit dem derzeitigen Kader in der zweiten Bundesligasaison nicht machbar. Klub-Mäzen Dietmar Hopp will den 2011 auslaufenden Vertrag mit Ralf Rangnick trotzdem verlängern. Ob Rangnick unterschreibt, wird auch davon abhängen, welche Perspektiven man dem 51-Jährigen in Hoffenheim bietet.

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