Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp : Keine Linie? Kein Instinkt!

Holger Stanislawski rügt seine Spieler - Mäzen Dietmar Hopp fällt seinem Trainer in den Rücken. Ein seltsamer Fall von Außendarstellung.

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Man muss Dietmar Hopp nicht mögen. Mit vielen Millionen Euro hat der Software-Unternehmer aus dem Kreisligaklub TSG Hoffenheim einen Bundesligisten gemacht – Traditionalisten unter den Fans werden ihm das nie verzeihen. Aber auch weniger romantisch verklärte Freunde des Fußballs dürften kein Verständnis dafür haben, was sich der 71-Jährige am Dienstag leistete: Hopp sagte der „Rhein-Neckar Zeitung“, im Hoffenheimer Spiel sei es unter Holger Stanislawski „schwer, eine Linie zu erkennen“. Einen schlechteren Zeitpunkt hätte sich der Mäzen kaum aussuchen können, um seinem Trainer in den Rücken zu fallen.

Stanislawskis Team hat nur eins der vergangenen zehn Spiele gewinnen können, die Hoffenheimer Profis wirkten zuletzt oft lustlos. Nach dem 2:2 gegen Augsburg am Samstag platzte dem Trainer der Kragen, Stanislawski rügte seine Spieler und kündigte für das heutige Pokalspiel gegen Greuther Fürth Konsequenzen an. Der 42-Jährige wollte das Team bei der Ehre packen, den Konkurrenzkampf anfachen, Druck aufbauen. Mit seinen Äußerungen hat Dietmar Hopp dieses Ansinnen nun untergraben. Die Spieler haben eine neue Ausrede: die mangelnde Linie, Stanislawskis nicht erkennbares System.

Man muss Hopp gar keinen bösen Willen unterstellen. Der Milliardär hat nur wieder einmal bewiesen, dass ihm jeder Instinkt im Fußballgeschäft fehlt. Wie soll man sonst erklären, dass er vor einem der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte den Trainer schwächt, dem er am Tag zuvor noch das Vertrauen ausgesprochen hat? Falls Hoffenheim heute ausscheidet, sollte Hopp die Schuld auch bei seiner eigenen Außendarstellung suchen. Bei der ist nämlich auch keine Linie zu erkennen.

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