Hoffenheims Imageberater : "Wir müssen noch lernen"

Der für Außendarstellung in Hoffenheim zuständige Alexander Waldi im Interview über das Image seines Klubs nach der Schallattacke gegen Dortmund.

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Ohren zuhalten. Dortmunder Fans in Hoffenheim.
Ohren zuhalten. Dortmunder Fans in Hoffenheim.Foto: dapd

Herr Waldi, dürfen wir Sie bedauern?

Ich kann mir vorstellen, was Sie meinen, aber es geht auch ohne Bedauern.

Sie sind bei 1899 Hoffenheim seit Kurzem mit für die Außendarstellung verantwortlich. Viel mehr als diese Woche kann kaum schiefgehen.

Die Woche lief alles andere als optimal, da haben Sie Recht. Wir hatten das Gefühl, auf einem guten Weg zu sein, als jetzt diese Sache passiert ist.

Ihrem Klub wird nicht nur vorgeworfen, die „Sound-Attacken“ zumindest geduldet zu haben. Täuscht zudem der Eindruck, dass Ihr Klub immer nur das preisgab, was es preisgeben musste?

Ob Sie es glauben oder nicht, wir haben alles sofort veröffentlicht, was wir erfahren haben. Auch die Geschichte mit den weiteren betroffenen Spielen.

Und wie konnte die Maschine einfach unbemerkt aufgebaut werden?

Die Apparatur stand unterhalb des Gästeblocks in einer Belüftungsöffnung. Zu diesem Bereich haben nur sehr wenige Personen Zutritt. Die wenigen Personen haben wohl dem Mitarbeiter Kraft seiner Funktion vertraut und nicht in Frage gestellt, was da passiert.

Will ihr Klub die Sache aufklären?

Wir möchten gerne das polizeiliche Ermittlungsverfahren abwarten. Ob eine Gesundheitsgefährdung der BVB-Fans vorgelegen hat, klärt ein Gutachter. Sollte es dann noch Fragen geben, die mit unseren Abläufen zu tun haben, werden wir uns darum kümmern. Klar ist, dass wir die Vorkommnisse zum Anlass nehmen, selbstkritisch zu analysieren, ob wir nicht Abläufe an Spieltagen verbessern müssen.

Es ist oft transportiert worden, wie sehr sich Mäzen Dietmar Hopp durch die Parolen gekränkt fühlt. Kann man vom Klima des vorauseilenden Gehorsams als Triebfeder für die Tat sprechen?

Wir haben definitiv ein anderes Klima im Verein. Wir versuchen weiter zu wachsen und den Vorsprung aufzuholen, den die Fußballabteilung gewonnen hat. Vielleicht ging hier manches auch zu schnell.

Verunglimpfende oder beleidigende Parolen sind in der Bundesliga üblich geworden. Wäre es nicht souveräner, mit mehr Gelassenheit zu reagieren?

Vielleicht müssen wir noch lernen, manches zu akzeptieren, was in der Bundesliga üblich ist und gelassener darauf reagieren. Im aktuellen Fall handelt es sich um übelste Beleidigungen, die seit Jahren andauern. Die Aktion des Mitarbeiters ist damit allerdings nicht zu rechtfertigen.

Nun heißt es, Hoffenheim sei ein diktatorischer Klub und stamme aus der Retorte.

Das ist völliger Quatsch! Einige Leute arbeiten hier seit zehn oder zwölf Jahren und waren schon da, als wir noch in der Oberliga gespielt haben. Die Mitarbeiter sind mit viel Herzblut dabei. Wir sind also nicht in Ansätzen ein diktatorischer Klub. Wir wollen in Zukunft versuchen verstärkt zu transportieren, was uns ausmacht und wer was macht bei uns im Klub.

Alexander Waldi, 41, war neun Jahre beim Software-Unternehmen SAP. Jetzt soll er bei Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim helfen, interne Abläufe und das Image zu verbessern.Das Gespräch führte Oliver Trust.

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