Hommage eines Altmeisters : Rehhagel über Schaaf: Er ist einfach cool

Altmeister Otto Rehhagel würdigt Thomas Schaaf. Sie haben 14 Jahre lang zusammengearbeitet. Schaaf war an allen Titeln, die Bremen unter Rehagel gewonnen hat, beteiligt.

Otto Rehhagel
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Aus Werders großer Zeit. Thomas Schaaf (rechts) feiert mit Oliver Reck einen Erfolg im Uefa-Cup. Trainer der Bremer war damals...

Als ich Trainer in Bremen war und Thomas Schaaf in die Mannschaft kam, war er noch ein ganz junger Mann. Aber auch als Trainer hat er später beibehalten, was ihn schon damals auszeichnete: Souveränität und Ruhe. Deshalb hat es mir auch gefallen, wie er in Istanbul bei der Niederlage im Uefa- Cup-Finale gleich nach dem Abpfiff alle Spieler zusammengeholt und beruhigend auf die Mannschaft eingeredet hat. Mit seiner ruhigen Art hat er immer Erfolg gehabt. Er ist einfach cool, kann seinen Ärger besser verbergen als ich.

Thomas und ich haben 14 Jahre gemeinsam gearbeitet. Auf ihn war Verlass – obwohl er nicht immer gespielt hat. Als wir 1992 den Europapokal der Pokalsieger gewonnen haben, spielte er eine Stunde für Thomas Wolter und hatte großen Anteil am Erfolg. Überhaupt: Er war an allen Titeln, die wir mit mir als Trainer gewonnen haben, beteiligt. Kein anderer, nur er.

Außerdem war Thomas Schaaf in Bremen nicht nur Spieler, sondern auch Jugendtrainer. Das habe ich damals mit vielen Spielern gemacht. Profis, die nebenher einmal pro Woche den Nachwuchs trainierten – das war einmalig, und die Spieler hatten ihren Spaß dabei. Auch Thomas, der nach seiner Spielerkarriere bei Werder hauptamtlich als Nachwuchstrainer angefangen hat. Nachdem es dann mit all den anderen Trainern nicht geklappt hat, haben sie ihn zum Cheftrainer gemacht. So eng wie das Verhältnis zwischen Klaus Allofs und Thomas Schaaf ist, so eng war es früher mit mir und dem inzwischen leider verstorbenen Präsidenten Franz Böhmert. Bei anderen Klubs gibt es den Verein im Verein, bei Werder war das immer eine familiäre Geschichte.

Trotz der 14 Jahre Otto Rehhagel und der zehn Jahre Thomas Schaaf: Auch in Bremen muss man stets Erfolg haben. Aber es ist schon richtig, dass die Leute dort in manchen Dingen gelassener waren als anderswo. Aber ob Thomas dadurch am Ende sogar länger in Bremen bleibt als ich – mein Gott. Ich gönne meinen Nachfolgern doch alles. Ich bin ein glücklicher Mensch, habe alles erreicht.

Ob ein guter Jugendtrainer auch bei den Profis Erfolg hat, ist schwer abzusehen. Bei Thomas war das nicht anders. Was er aber hatte, war eine Leidenschaft für den Fußball. Man konnte wunderbare Gespräche mit ihm führen und mit ihm fachsimpeln: Nach seiner Meinung in taktischen oder ähnlichen Dingen habe ich ihn nie gefragt. Sportlich hatte ich das absolute Sagen. Mit Thomas gesprochen habe ich da nur, wenn es darum ging, ob er spielt oder nicht. Doch das waren Schulaufgaben für mich.

Ob Thomas für immer bei Werder bleiben kann, ist schwer zu sagen. Alex Ferguson hält es ja auch schon sehr lange in Manchester aus. Letztlich muss Thomas das ganz allein entscheiden. Ich möchte die Dinge, die ich nach meiner Bremer Zeit erlebt habe, auf keinen Fall missen. Das waren unglaubliche Lebenserfahrungen, die mich unheimlich weitergebracht haben.

Natürlich tat der Abschied aus Bremen weh. Aber ich habe danach neue Freunde getroffen. Thomas ist jedenfalls alt genug, das für sich zu entscheiden. Und warum nicht irgendwann irgendwo Nationaltrainer werden? Da ist das Arbeiten natürlich entspannter. Als Trainer in der Bundesliga bist du der Gefangene des Vereins, davon kommst du nicht los. Aber es werden sich bestimmt Konstellationen ergeben – auch für Thomas Schaaf.

Aufgezeichnet von Andreas Morbach.

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