Sport : Hoppegarten: Großer Einlauf statt letzter Ausritt

Ingo Wolff

Elf ist eine Glückszahl - jedenfalls für Karnevalisten. Sie lassen ihre schönste Jahreszeit sogar mit einer Doppelelf beginnen. Elf Jahre hat es auch gedauert, bis die Treuhand ein tragfähiges Konzept für die Galopprennbahn Hoppegarten finden oder besser annehmen konnte. Angebote gab es schließlich einige. Das jüngste Kaufangebot kommt von einer Investorengruppe, die in Hoppegarten einen Pferde-Themenpark plant. Unter allen Privatisierungen in den neuen Bundesländern ist die Umwandlung des Pferdesportgeländes vor den Toren Berlins wohl eine der sorgfältig geplantesten - wenn man nur die Länge der Verhandlungen zugrunde legt.

Diese Sorgfalt könnte allerdings auch ein vorgeschobenes Argument für fehlenden Mut sowie Konzeptionslosigkeit der beteiligten Parteien sein. Schließlich hat der ehemalige Springreiter Paul Schockemöhle schon vor Jahren ein Konzept über einen Pferdesport-Erholungspark mit Rennbetrieb vorgelegt. Doch kurz nach der politischen Wende missfiel dem Land Brandenburg und der Treuhand noch die Übernahme der Anlage durch einen Privatinvestor. Der Union-Klub, dem die Treuhand als Gründer der Rennbahn gerne die Obhut des gesamten Geländes überlassen hätte, baute als Betreiber der Rennveranstaltungen nur auf seine tradionsreiche Vergangenheit. Ein Konzept, das sich zu sehr auf den reinen Rennsport bezog, überzeugte die Treuhand nicht.

Nach elf Jahren hat die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), inzwischen Nachfolgerin der Treuhandanstalt, in der vorigen Woche eine endgültige Privatisierungs-Lösung für die Galopprennbahn gefunden. Drei Anläufe mit dem Union-Klub waren gescheitert, weshalb Wolfgang Horstmann, der Vorsitzende der Geschäftsführung der BVVG, vorsichtig geworden ist. Dem Projekt eines Themenparks rund um das Pferd stand er skeptisch gegenüber. Zu tief saß die Enttäuschung über das Scheitern mit dem Union-Klub, dem nach einem guten Start wegen Verbandsstreitereien sowie dem Wegbleiben vieler Sponsoren finanziell die Luft ausging. Doch das Misstrauen legte sich bei Horstmann und der BVVG. Verhandelt wurde ein erstes Mal am 17. Januar 2001. Horstmann als Vetreter für die Hoppegarten GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der BVVG, hat sich von den Perspektiven überzeugen lassen. "Hier scheint eine Idee vorhanden zu sein, dass aus der Privatisierung was wird", sagt Horstmann.

Die neue Investorengruppe hat ein umfassendes und tragfähiges Konzept für das Gesamtgelände in Hoppegarten vorgelegt. Die Gruppe um den ehemaligen Betreiber der früheren Info-Box am Potsdamer Platz, Dirk Nishen, gibt sich selbstbewußt und sagt: "HorsePark Hoppegarten ist zukünftig ein Zentrum des deutschen Pferdesports." Dieser Investorengruppe gehören zahlreiche Pferde-Experten an. Bernhard von Schubert saß bis vor kurzem im Vorstand des Union-Klubs und Wilhelm Karl Prinz von Preußen tut dies noch immer. Realisiert sein soll die Privatisierung zum 30. Juni 2001.

Eine alternative Initiative zur Rettung Hoppegartens kommt von Karl-Dieter Ellerbracke. Der Präsident des Zusammenschlusses aller Galopperbesitzer hat zusammen mit dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, dem deutschen Dachverband der Galopper, eine Kommisson ins Leben gerufen, die sich nach dem finanziellen Aus und dem Lizenzentzug des Union-Klubs mit einer Alternative für den weiteren Rennsport in Hoppegarten einsetzt. Ellerbracke aber muss seine Idee vorerst im Schreibtisch lassen, da der Union-Klub bewusst von der BVVG und der Investorengruppe an der Planung und Umsetzung des Pferde-Parks beteiligt werden soll. Die Investorengruppe darf selbst keine Rennen durchführen und braucht daher einen Partner. Dieser Partner wäre wiederum der Union-Klub. BVVG-Boss Horstmann ist sich sicher, dass sich mit diesem Konzept auch wieder Sponsoren finden lassen.

Das Konzept der Investorengruppe bezieht sich ja eben nicht nur auf Galoppsport, sondern soll das Pferdeinteresse der gesamten Familie einschließen. "Das Projekt ist in seiner thematischen Ausrichtung und Größe einmalig in Europa", sagt Nishen, der Sprecher der Investorengruppe. 650 Hektar soll der Erlebnispark umfassen, davon stehen 440 Hektar zum Verkauf. Der Rest wird verpachtet. Fest geplant sind zunächst ein Wellnesshotel, ein Pferdemuseum und eine Hall of Fame. Neubauten sollen auf bisher unbebautem Rennbahngelände entstehen. Dieses Gelände befindet sich im benachbarten Ort Neuenhagen. Diese Land war erst vor zwei Jahren von der BVVG zugekauft worden. Sowohl Nishen als auch Horstmann betonen, dass Naturschutzflächen nicht angetastet und auch für den übrigen Bereich strenge Auflagen eingehalten werden würden. "Hochhäuser wird es in Hoppegarten nicht gegen", sagt Horstmann.

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