Hoyzer-Prozess : "Er ist nun mal geldgeil"

Ante S. hat im Prozess um manipulierte Fußballspiele den mitangeklagten Robert Hoyer als geldgeilen und feiersüchtigen Aufsteiger beschrieben, der seine Macht als Schiedsrichter extrem genoss.

Berlin - Zwar relativierte der kroatische Hauptangeklagte am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin seine ersten Darstellung von Hoyzer als Anstifter, blieb aber bei seinen Aussagen, dass der Referee ihm zuerst eine Spiel-Manipulation angeboten habe. Er wolle damit aber nicht ausdrücken, dass Hoyzer der «Drahtzieher» sei, sagte Ante S. am Dienstag. «Das ist nicht zutreffend.»

Es hätten sich «zwei Gleichgesinnte gefunden», die wegen Geld und Spaß gemeinsam an Manipulationen im deutschen Fußball gegangen waren. «Er ist nun mal geldgeil, ich bin ein Zocker», sagte Ante S., der weiter in Untersuchungshaft sitzt. Um das Verhältnis zwischen ihm und Skandal-Schiedsrichter Hoyzer zu erklären, bemühte der 29-Jährige ein kroatisches Sprichwort: «Man muss einen Frosch auch nicht überreden, ins Wasser zu springen.» Hoyzer habe bereits vor ihrem Kennenlernen Fußball-Spiele auf dem Platz manipuliert, er habe das schon mit Hilfe von Spielern gemacht, erklärte Ante S..

In wesentlichen Punkten bestätigte der «Navigator» am Dienstag bei seinen Aussagen die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, was den Ablauf der Manipulationen oder Manipulationsversuche bei insgesamt 23 Spielen betrifft. So habe er vor der Zweitliga-Partie Dynamo Dresden gegen Unterhaching zwar je 5000 Mark Vermittlungsgebühr an den ehemaligen Dynamo-Spieler Torsten Bittermann und Schiedsrichter- Betreuer Wieland Ziller übergeben, zu einem direkten Kontakt mit Bundesliga-Referee Jürgen Jansen sei es aber nie gekommen.

Ziller habe ihn Glauben gemacht, dass Jansen sowohl beim Dresden- Spiel am 21. November 2004 als auch bei der Erstliga-Partie Kaiserslautern gegen Freiburg «etwas machen» könne, sagte Ante S. aus. Dafür soll er an Ziller insgesamt 35 000 Euro übergeben haben, die dieser aber nicht weitergereicht haben will. Vor dem Spiel Mainz gegen Nürnberg habe er Ziller nochmals um direkten Kontakt zu Jansen gebeten, dieser kam aber nicht zu Stande: «Damit war die Sache erledigt», sagte Ante S.. Ein Ermittlungsverfahren gegen Jansen war am 29. Juli eingestellt worden.

Die größten bisher bekannt gewordenen Gewinne hatte Ante S., dessen Brüder Filip und Milan ebenso wie Ex-Profi Steffen Karl und der ehemalige Schiedsrichter Dominik Marks wegen «gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs» angeklagt sind, aus Wetten mit den verschobenen Partien Paderborn gegen Hamburger SV (rund 720 000 Euro) sowie Karlsruhe gegen Duisburg (760 000 Euro) gezogen. Dagegen verweigerte Ante S. über Wetteinsätze im Ausland wie auf das von Hoyzer gepfiffene Spiel Ahlen gegen Burghausen weiter jede Aussage.

Vor allem die geglückte Manipulation des Pokalspiels zwischen Paderborn und dem HSV (4:2), für die Hoyzer laut Ante S. zusätzlich zu den vereinbarten 18 000 Euro noch eine Sonderprämie kassiert haben soll, habe nicht nur wegen des finanziellen Gewinns Spaß gemacht. Hoyzer habe danach in Berlin ausgiebig gefeiert, und schon während des Spiels habe der Referee laut Aussage von Ante S. seine Machtposition genossen: «Robert hat mir erzählt, wie er Barbarez gesagt hätte, deine Zeit ist sowieso vorbei.» Vor der missglückten Manipulation der Partie Unterhaching gegen Saarbrücken habe Hoyzer in einer Diskothek ausgiebig mit Champagner und Ukrainerinnen gefeiert und so «unprofessionell» den Betrugsversuch aufs Spiel gesetzt.

Hoyzer wird seine Darstellung der Abläufe frühestens am Donnerstag beginnen können, falls die Aussagen der Brüder S. am vierten Verhandlungstag abgeschlossen werden. Sein Anwalt Thomas Hermes kündigte bereits größere Differenzen zu den Einlassungen von Ante S. an: «Die Version Ante ist nicht die Version Hoyzer.» (Von Jens Mende, dpa)

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