HSV : Bayrischer als die Bayern

Mit Trochowski, Guerrero und Jansen holte sich der Hamburger SV drei Spieler vom FC Bayern München - und spielt seitdem erfolgreich. Jetzt träumt der HSV von einer kleinen Serie und will Bayern mit Bayern besiegen.

Karsten Doneck[Hamburg]
Hamburger SV - FC Bayern München
Am 30. Januar gewann der HSV gegen die Bayern mit 1:0 -Foto: dpa

Paolo Guerrero blickt gewöhnlich so finster drein, als würde bei ihm im nächsten Moment ein Aggressionsstau in kriegerische Maßnahmen münden. Dabei ist der Stürmer des Hamburger SV eher ein Gemütsmensch. Obwohl er sich nach der Verpflichtung von Mladen Petric beim HSV mit der ungeliebten Ersatzrolle begnügen muss, hört man von ihm kaum Klagen. Guerrero weiß: Er bekommt immer wieder mal seine Chance – und die nutzt er. Gegen Arminia Bielefeld am Sonntag saß Petric den ersten Teil einer zwei Spiele umfassenden Sperre ab und Guerrero, der peruanische Nationalspieler, zeigte mal wieder, welch wertvolle Kraft er ist. Sein gefühlvoller Schlen zer ins Bielefelder Tordreiangel zum 2:0-Endstand war vom Feinsten. Das 1:0 hatte zuvor Piotr Trochowski besorgt.

Guerrero und Trochowski – das sind zwei Spieler, die der HSV von der Ersatzbank des FC Bayern geholt hat. Für vergleichsweise kleines Geld. Trochowski, aufgewachsen in Hamburg-Bilstedt, kostete im Januar 2005 gerade mal eine Million Euro Ablöse, Guerrero vollzog 2006 für 2,8 Millionen den Wechsel von Süd nach Nord. Rentiert hat sich das für den HSV allemal. Gegen Bielefeld stachen Trochowski und Guerrero aus einer eher mäßigen HSV-Mannschaft mal wieder hervor. Angenehmer Nebeneffekt: Ihre Tore trugen dazu bei, dass sich der HSV in der Tabelle vor die Bayern schob.

Das wiederum weckt in Hamburg Begehrlichkeiten. „Wenn wir oben dranbleiben wollen, dann wäre es gut, wenn wir mal eine kleine Serie starten würden“, fordert Trochowski. Der 24-Jährige ist in Hamburg zum Nationalspieler gereift. Dass ihm der frühere HSV-Trainer Huub Stevens nie so recht vertraute, hat Trochowskis Selbstbewusstsein ebenso wenig erschüttern können wie die Tatsache, dass er zu den Zeiten von Rafael van der Vaart im HSV-Mittelfeld fast schon als überflüssig im Kader galt.

Paolo Guerrero seinerseits schwärmt noch heute von den Bayern. „Ich habe denen viel zu verdanken, ich wurde dort gut gefördert“, sagt er. Torjäger-Legende Gerd Müller kümmerte sich anfangs in der Jugend um ihn. „Für jedes Tor hat er mir damals eine Tafel Schokolade geschenkt“, sagt Guerrero. Die Zeit des Dankes für derlei Gesten ist begrenzt. Als der HSV zur Eröffnung der laufenden Saison bei den Bayern antrat, holte er einen 0:2-Rückstand auf – die Tore schossen Guerrero und Trochowski.

Der HSV hat sich im August 2008 einen weiteren Bayern-Profi geholt: Marcell Jansen. Der zeigte zuletzt auf der linken Seite ansteigende Form. Und Trainer Martin Jol hat im engen Kreis bereits durchblicken lassen, er wolle als nächstes Mark van Bommel von München nach Hamburg lotsen: Der HSV will die Bayern offenbar mit Bayern bezwingen.

Doch das braucht Zeit, wie Bernd Hoffmannn weiß. „Um auf Augenhöhe mit den Bayern zu kommen, das kann für uns noch zehn bis 15 Jahre dauern“, sagte der Vorstandschef des HSV. Und insofern ist die aktuelle Tabelle eben doch nur eine Momentaufnahme – trotz Piotr Trochowski, trotz Paolo Guerrero.

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