Sport : HSV: Fünf Mark fürs Sparschwein

Claus Günter

Die Bezeichnung clever muss man sich in Jahren des Erfolges erarbeiten, der Hamburger SV muss noch mit dem Attribut glücklich zufrieden sein. Da ist der FC Bayern München beispielsweise viel weiter. Hätten die Bayern also ein derart wichtiges Spiel so gewonnen, wie der HSV am Dienstag die Partie bei Bröndby IF - clever hätte man sie geheißen und eiskalt. Der HSV aber hatte bei seinem 2:0 (0:0)-Sieg in Kopenhagen vor allem Glück, noch.

Und Torwart Jörg Butt, der mit einer Reihe von Glanzparaden den Grundstein zum wichtigen Erfolg in dem Hinspiel zur Champions League-Qualifikation legte. "Ohne Jörg wären wir hier nicht so rausgekommen", musste HSV-Trainer Frank Pagelsdorf einräumen. Der Torhüter sah es nicht so dramatisch: "Halten ist meine Aufgabe, sonst wäre es ja auch langweilig".

Seine Vorderleute sorgten jedoch dafür, dass es ihm nie langweilig wurde. Beinahe übermannt schienen die gestandenen Bundesligaprofis vor ihrer ersten großen internationalen Aufgabe. Europacup, Champions League, Millionen - auch wenn Trainer Pagelsdorf alles versuchte, den Druck von der Mannschaft fern zu halten, es gelang ihm nicht. "Es kann schon sein, dass wir uns viele Gedanken über die Bedeutung der Partie gemacht haben", stellte Verteidiger Ingo Hertzsch fest. Wenig ging: Fehlpässe, Stoppfehler, kein sinnvoller Spielaufbau. "Die Bälle wurden oft planlos nach vorne geschlagen", bemängelte auch der Trainer.

Die Tore fielen reichlich spät. Sergej Barbarez, über weite Strecken eine einzige Enttäuschung, zeigte sieben Minuten vor Schluss beim 1:0, warum er seit Jahren der erklärte Lieblingsspieler von Frank Pagelsdorf ist. Zuvor hatten erboste Fans schon lautstark seine Abschiebung zum Hamburger Amateurklub Bergedorf 85 gefordert. Barbarez sind derartige Rufe vertraut. Er war schon bei seinem vorherigen Engagement in Dortmund keiner, den das Publikum liebte, im Gegenteil. Aber anders als bei der Borussia scheint er beim HSV wieder zu der Torgefährlichkeit zurückzufinden, die ihn zuvor unter Pagelsdorf bei Hansa Rostock und dem 1. FC Union Berlin ausgezeichnet hatte. Zwei Minuten nach seinem Führungstor bereitete der Bosnier auch noch das 2:0 durch Mehdi Mahdavikia vor. "Wie wir gespielt haben, ist doch völlig egal", befand Barbarez nach dem denkbar unattraktiven Auftritt in Kopenhagen. "Später wird keiner mehr fragen, wie der Sieg zustande kam. Wir waren viel zu verkrampft und nervös und haben zu viele Fehler gemacht."

Das sah sein oberster Dienstherr nicht anders. Der Hamburger Vorstandsvorsitzende Werner Hackmann räumte ein: "Das ist eben Fußball, wir hatten Glück und der Sieg ist zu hoch ausgefallen". Dafür steckt man bekanntlich fünf Mark ins Sparschwein - der HSV bekommt zum Ausgleich 15 Millionen für den Etat. Schließlich ist im Rückspiel am 22. August im jetzt rundum überdachten Volksparkstadion kaum eine - aus Hamburger Sicht böse - Überraschung zu befürchten. Je nach Erfolgen in den Gruppenspielen kann sich der Geldsegen auf bis zu 35 Millionen Mark ausweiten. "Alle reden immer von Millionen", stöhnte Trainer Frank Pagelsdorf, "die Mannschaft will aber nur Fußball spielen, da denkt keiner an Geld."

Wie dem auch sei: Werber Hackmann hat offensichtlich richtig gepokert. Schließlich hatte er sich vor Saisonbeginn standhaft geweigert, Torhüter Butt für 12 Millionen Mark nach Leverkusen gehen zu lassen. In der Hoffnung, dass der 26-Jährige mit seinen Leistungen hilft, die Millionenliga zu erreichen. Genau das ist am Dienstag passiert. "Er hat eine Klassepartie abgeliefert und dazu beigetragen, dass wir gute Chancen auf die Champions League haben", sagte der HSV-Chef. In den Duellen mit der europäischen Prominenz wartet wesentlich mehr Geld, als dem HSV an Transferentschädigung aus Leverkusen entgangen ist. Gezockt und gewonnen und das war irgendwie ganz schön clever - oder doch nur glücklich!

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