HSV vor Spiel in Stuttgart : Wie belebt man einen Dino?

Der HSV ist ein Dinosaurier in der deutschen Fußballgeschichte – seit 1919 noch nie abgestiegen. Doch momentan sieht es nicht gut aus. Was ein echter Saurierforscher dazu sagt.

Frank Heike
Dino Hermann steht mit seinem Maskottchenkörper für die Übersättigung beim HSV.
Dino Hermann steht mit seinem Maskottchenkörper für die Übersättigung beim HSV.Foto: imago

Herr Müller, mit dem Hamburger SV steht der letzte Dinosaurier der Bundesliga vor dem Aussterben. Lässt sich das verhindern?

Die Saurier sind ja gar nicht ausgestorben. Es gibt die großen, pflanzenfressenden Tiere nicht mehr, die die Erde beherrschten. Aber unsere Vögel sind direkte Nachfahren der Saurier. Vielleicht kann sich der HSV an denen ein Beispiel nehmen.

Inwiefern?

Einige Dinosaurier haben sich umgestellt. Sie entwickelten Flügel, eroberten die Lüfte. So verloren sie ihre ökologische Dominanz. Die Supermacht sind nun die Säugetiere. Der HSV müsste seinen Anspruch herunterschrauben, um zu überleben.

Ist das drohende Aussterben eine Chance zum Überleben?

In der Paläontologie, also der Saurierforschung, sprechen wir von einem evolutionären Flaschenhals. Bei Aussterbe-Ereignissen wird eine artenreiche Gruppe stark dezimiert, nur eine evolutionäre Linie kommt durch. Dies war bei den Dinosauriern auch so. Die Artenvielfalt wird zunächst reduziert, doch später – nach einem Wiedererstarken der Übriggebliebenen – kann daraus neue Vielfalt entstehen.

Der HSV hat mit Trainer Michael Oenning erst mal den Tierpfleger entlassen.

Das ist evolutionär schwierig zu beurteilen. Aber ein neuer Betreuer könnte andere ökologische Bedingungen schaffen, neue Überlebenstechniken probieren. Dabei kann man scheitern und zugrunde gehen. Oder doch einen neuen Weg finden.

Der Sänger Lonzo hat einmal gedichtet: „Die Dinosaurier wer’n immer trauriger“. Handelt es sich um tragische Tiere?

Dinosaurier waren keineswegs träge oder tumb. Es gab unter ihnen schnelle und trotz ihrer Größe agile Tiere. So wie Löwen, Zebras und Gnus heute. Die Saurier, die es am Ende der Kreidezeit erwischte, waren durch veränderte Umweltbedingungen schon geschwächt. Sie haben den Meteoriteneinschlag nicht überlebt, weil sie bereits Probleme hatten. Wenn zu einem schwachen Management auch noch Krisen kommen, sieht es schlecht aus. Ich als Eintracht-Frankfurt-Fan weiß das.

Vielleicht sollte sich der HSV ein neues Maskottchen suchen.

Ich glaube, Dino Hermann ist nicht gerade ein dünner drahtiger Saurier. Und von den richtigen Sauriern ist bekannt: Die großen Dicken haben es nicht geschafft.Das Gespräch führte Robert Ide.

Johannes Müller, 38,

ist Evolutionsforscher und Saurierexperte am Museum für

Naturkunde der

Humboldt-Universität

in Berlin. Er ist auch Fußballfan.

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