Sport : Hübscher Abstiegskampf

Mainz 05 gewinnt mit einer ansehnlichen Leistung 3:0 beim VfL Wolfsburg

Steffen Hudemann[Wolfsburg]

VfL Wolfsburg gegen Mainz 05, das ist, man kann es kaum glauben, ein Bundesligaduell mit Tradition. 1997 trafen beide Mannschaften am Saisonende in Wolfsburg zum Spiel um den Aufstieg in die Erste Liga aufeinander. In einer denkwürdigen Begegnung siegte der VfL 5:4. Seitdem gehört der Klub der Bundesliga an.

Gestern ging es für beide Mannschaften wieder um Existenzielles. Doch anders als damals feierten nach dem Schlusspfiff nur die Mainzer. 3:0 (1:0) gewann die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp das wichtige und höchst unterhaltsame Spiel im Kampf um den Verbleib in der Bundesliga. Während die Mainzer nun gute Chancen auf den Klassenerhalt haben, bleiben Wolfsburg nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den 16. Platz.

Dass Abstiegskampf nicht notwendigerweise hässlich sein muss, bewiesen die Mainzer gleich mit ihrem ersten Angriff. Antonio da Silva spielte Conor Casey frei, der leitete den Ball direkt weiter, und Michael Thurk traf – 1:0 für Mainz. Das Wolfsburger Publikum unterstützte dennoch seine Mannschaft auch nach dem Rückstand in ungewohnter Lautstärke.

Die Wolfsburger unter den 23 885 Besuchern mussten jedoch eine Menge Geduld aufbringen. Selten war es so deutlich wie gestern, dass dem VfL Wolfsburg das kreative Potenzial fehlt. Wohl jeder dritte Pass landete beim Gegner. Und wenn die Niedersachsen doch einmal in aussichtsreiche Positionen kamen, vergaben sie die Chancen dilettantisch.

Beispielhaft eine Szene in der 29. Minute: Stefan Schnoor kam nach einem Eckball frei an den Ball, doch bis der Verteidiger ihn sich zurecht gelegt hatte, waren schon drei Mainzer herbeigeeilt und versperrten den Weg zum Tor. Auch die Stürmer Steve Marlet und Rick Hoogendorp blieben harmlos. Trotzdem wartete Trainer Klaus Augenthaler bis zur 60. Minute, ehe er den angeschlagenen Nationalspieler Mike Hanke für Marlet aufs Feld schickte. Die Mannschaft agierte nun mit mehr Druck. Schon kurz vor der Einwechslung hatte Marian Hristow das Tor knapp verpasst, wenig später musste der Mainzer Torwart Christian Wetklo in letzter Sekunde gegen den Bulgaren retten.

20 Minuten vor dem Ende lag der Ball dann schließlich im Tor der Mainzer. Doch der Jubel war verfrüht. Die Unparteiischen hatten Hanke im Abseits gesehen. Schließlich zahlte sich die Kontertaktik der Mainzer aus. Erst traf Benjamin Auer nach Querpass von Fabian Gerber zum 2:0, und weil es so schön war, wiederholten die beiden diese Szene fünf Minuten später. Wieder traf Auer nach Pass von Gerber zum 3:0-Endstand.

Der VfL Wolfsburg braucht in den letzten zwei Spielen nun dringend Punkte. Sonst könnte das Bundesliga-Abenteuer, das vor neun Jahren gegen Mainz begann, bald ein Ende haben.

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