Sport : Hunde, Kamele, Eisbären

Was lief schief beim Berliner Eishockeyteam?

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé verlebte gestern einen ungemütlichen Tag. Der Trainer der Berliner Eisbären saß stundenlang in seinem Büro im Sportforum Hohenschönhausen und wähnte sich vor dem Fernseher im falschen Film. Immer wieder schaute er sich das Videoband mit der Aufzeichnung des Spiels seiner Mannschaft vom Sonntag gegen Nürnberg an. „Unser Unterzahlspiel war perfekt, und dann haben wir auch nur 13 Torchancen des Gegners zugelassen, so wenig wie nie zuvor in dieser Saison“, sagte der Trainer der Eisbären. „Aber im Spiel nach vorn hat jeder sein eigenes System gespielt, und dann kommt eben so etwas dabei heraus“, ein 0:2 gegen die Ice Tigers, den Tabellenvierten der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).

Ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten? Immerhin hatten die Berliner vor dem Sonntag vier Siege in Serie bejubelt und dabei mit Kreativität und Konzentration überzeugt. Eben deswegen hält Alexander Barta die Kritik an ihm und seinen Kollegen auch für überzogen. „Es kann doch nicht angehen, dass nach nur einer Niederlage schon wieder von einer Krise geredet wird“, sagt der Berliner Stürmer. Trainer Pagé sah sein Personal am Sonntag in einer Willenskrise, „wir hatten vier Spiele in sechseinhalb Tagen, das ist zu viel. Aber Willen kann Müdigkeit besiegen.“ Und dann erzählte er die Geschichte von zwei kanadischen Junioren-Teams mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Eines von ihnen fuhr nach einem Auswärtsspiel in den Play-offs 20 Stunden im Bus und kam vor der entscheidenden Partie am nächsten Tag erst kurz vor dem ersten Bully an der eigenen Halle an, während der Gegner komfortabel mit dem Flieger angereist war. Trotzdem siegten die Busfahrer 7:0. „So etwas zeigt, was mit der richtigen Einstellung möglich ist.“

Alles eine Frage der richtigen Einstellung? Nein, sagt Stürmer Barta, „wir haben doch gekämpft. Und Müdigkeit war bei mir gegen Nürnberg nicht das Problem, der Gegner war einfach besser“. Das ließ sich nicht bestreiten. Von den Spitzenteams der DEL wie Nürnberg, Mannheim, Köln oder Ingolstadt sind die Eisbären eben noch ein Stück entfernt – zumindest in den ersten Wochen der Saison. Insofern ist das heutige Spiel der Berliner im Pokal-Achtelfinale beim ERC Ingolstadt interessant. Dort sind sie Außenseiter, zumal sie in Ingolstadt schon vor vier Wochen in der DEL 0:5 verloren.

Pagé hat nichts gegen den Pokal, aber er ärgert sich über den heutigen Termin. Seine Mannschaft habe das engste Programm aller Teams in der Liga zu absolvieren. Er verstehe nicht, warum das Spiel dann in dieser Woche stattfinden müsse. „Wir stehen in der Wüste, und keiner interessiert sich bei der DEL dafür, ob wir einen Hund oder ein Kamel dabeihaben.“ Genug Schlaf sollten die Spieler diesmal jedenfalls bekommen. Gerade da hatte ihr Trainer nach dem Spiel gegen Hamburg ein Defizit ausgemacht, war seine Mannschaft doch erst am frühen Samstagmorgen in Berlin angekommen. Derartiges soll auf der Reise nach Ingolstadt nicht passieren. Die Eisbären fliegen heute nach München und kommen erst Mittwoch zurück.

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