Huub Stevens zum VfB Stuttgart : Mutlos in die nächste Krise

Der VfB Stuttgart hat nach dem Rücktritt von Armin Veh mit Huub Stevens den Mann verpflichtet, dem man in der vergangenen Saison nicht mehr zutraute, zukunftstauglich zu sein. Ein Kommentar.

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VfB Stuttgart auf Tabellenplatz 18: Da hilft nur noch - Huub Stevens.
VfB Stuttgart auf Tabellenplatz 18: Da hilft nur noch - Huub Stevens.Foto: dpa

Ob ein neuer Trainer der richtige ist, ist eine Frage der Perspektive. Für beide Seiten. Die von Huub Stevens kann jeder verstehen. Der 60 Jahre alte Niederländer wollte wieder einen Job. Jetzt hat er ihn. Und dazu einen Arbeitsplatz, den er kennt. Es wird so sein wie im vergangenen Frühjahr, als er mit dem VfB Stuttgart den Klassenerhalt schaffte und die Schwaben noch über den Arbeitseifer von Huub Stevens staunten, als dieser längst schon wieder weg war. Huub Stevens, behaupten manche, habe das Gelände des VfB Stuttgart nie und sein Büro nur zum Training und zum Händewaschen verlassen.

Kaum sieben Monate nach seinem ersten Einsatz gleicht das neue Job-Profil dem von damals. Retten, was zu retten ist. Mit einem Vertrag bis Saisonende. Es wird zusammen gefrühstückt, die Spieler müssen früher da sein, als sie es gewohnt waren – und in der Abwehr wird mit voller Konzentration gearbeitet. Dass Huub Stevens genau darauf wieder Lust hat, sah man ihm gestern an. Aus Stevens’ Perspektive betrachtet hat der VfB Stuttgart alles richtig gemacht.

Beim VfB Stuttgart traute man Huub Stevens vergangene Saison nicht zu, zukunftstauglich zu sein

Aus der Perspektive des VfB Stuttgart sieht das anders aus. Der Klub ist mit dem Plan, mit einer jungen Mannschaft in der Spitze der Bundesliga mitzuspielen, krachend gescheitert. Der VfB Stuttgart schleppt darüberhinaus noch viele weitere Probleme mit sich herum – und genau da wird es gefährlich. Huub Stevens war vergangene Saison nicht der, dem man zutraute, zukunftstauglich zu sein. Obwohl weiter große Ziele formuliert werden, ist der VfB Stuttgart so weit wie vergangene Saison – mitten im Abstiegskampf. Der Klub schafft es nicht einmal, den Posten des Managers zu besetzen, das Scouting ist ein Scherbenhaufen, von modernen Strukturen kann keine Rede sein, die anvisierte Ausgliederung der Profi-Abteilung ist gefährdet.

In einer der schwersten Krisen wird wieder klar: In Stuttgart sind nicht die Trainer das Problem, sondern der Verein, der mutlos und ohne realistische Perspektive vor sich hin wurstelt. Wieder spukt der Name von Thomas Tuchel durch die Gänge, der als Entwickler gilt. Der könne bald helfen, wenn Stevens seinen Job erfüllt hat. Davon träumen sie in Stuttgart jedenfalls. Allein das zeigt, dass der VfB aus seinen Fehlern der vergangenen Jahre nicht viel gelernt hat. Vielleicht war Armin Vehs Rücktritt die letzte Chance, die neueste Krise als letzten Warnschuss zu verstehen. Dazu aber braucht es mehr Mut, als die Stuttgarter bisher aufbringen konnten.

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