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IAAF suspendiert den russischen Leichtathletik-Verband : Leichtathletik: Russland ist draußen

Der Internationale Leichtathletik-Verband setzt mit der Suspendierung Russlands Zeichen – Berlin setzt auf eine saubere Europameisterschaft 2018.

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Ernster Blick. Robert Harting (r.) und Michael Müller sehen Probleme – aber auch Hoffnung.
Ernster Blick. Robert Harting (r.) und Michael Müller sehen Probleme – aber auch Hoffnung.Foto: dpa

Die Dopingproben seiner Athleten hat der russische Leichtathletik-Verband noch manipulieren können, aber nicht mehr den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF). Mit 22 zu einer Stimme hat die IAAF den russischen Verband am Freitagabend vorläufig suspendiert. Es ist die Konsequenz aus detaillierten Anschuldigungen, die zuerst Medien wie die ARD und anschließend auch die Welt-Anti-Doping-Agentur gegen Russland erhoben hatten. Es geht um systematisches Doping. Russische Athleten dürfen nun bis auf weiteres nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Außerdem werden den Russen zwei Veranstaltungen entzogen, ein Weltcup der Geher und die Junioren-WM in Kazan.

Vor wenigen Monaten hatte Sebastian Coe die Anschuldigungen gegen Russland noch ins Reich der Verschwörungstheorien wegzudrücken versucht. Jetzt ist er zum Präsidenten der IAAF gewählt worden und nimmt offenbar die Verantwortung an. „Das ist die härteste Sanktion, die wir zu diesem Zeitpunkt aussprechen konnten. Das Signal könnte nicht stärker sein.“ Es sei aber nicht nur der russische Verband, der versagt habe, sondern das ganze System.

Ob das russische Leichtathletik-Team auch von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im nächsten Jahr ausgeschlossen wird, ist noch offen. Der russische Verband kann jedenfalls nach IAAF-Angaben wieder aufgenommen werden, wenn er einen Katalog von Kriterien erfüllt. Die IAAF bildet dazu auch ein Inspektionsteam unter der Leitung des Norwegers Rune Andersen.

Das könnten nun auch die ersten „disruptiven Veränderungen“ sein, die sich Diskus-Olympiasieger Robert Harting am Morgen in Berlin gewünscht hatte – bei der Auftaktveranstaltung zur Leichtathletik-EM 2018 in Berlin. Auch Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) setzt auf die positiven Auswirkungen des aktuellen Schocks. Die jüngsten Doping-Enthüllungen könnten eine „heilsame Wirkung“ haben, sagt Prokop, „im Sinne eines reinigenden Gewitters für die Zukunft, als Chance für den Neuaufbruch einer Sportart“.

Immerhin bleiben fast drei Jahre Zeit, bis die EM am 7. August 2018 beginnt. Dann wird eine neue Tartanbahn im Olympiastadion liegen, womöglich hat sich auch die Leichtathletik mit der IAAF an der Spitze zu einer Generalüberholung durchgerungen. „Wenn die Krise richtig da ist, werden ungeahnte Kräfte zur Veränderung entwickelt“, sagt DLV-Präsident Prokop fast trotzig. „Ich bin ausgesprochen optimistisch, dass wir 2018 diese Probleme hinter uns gelassen haben.“

Für Robert Harting soll die Heim-EM der krönende Abschluss seiner Karriere werden. Momentan arbeitet der dreifache Weltmeister nach einem Kreuzbandriss – noch so eine disruptive Veränderung – an seinem Comeback. Auch der gebürtige Cottbuser, der die IAAF seit Jahren scharf kritisiert, bewertet die neuen Enthüllungen positiv. „Wir können uns eigentlich freuen, dass mit Beweisen aufgedeckt wurde, was alles falsch läuft“, sagt Harting „Die Frage ist: Wie geht man jetzt damit um?“

Für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der für die EM 2018 einen Landeszuschuss von 17 Millionen Euro bereitstellt, ist die Antwort klar. „Natürlich sind der Sport und vor allen Dingen seine Verbände und Strukturen national und international in einer Krise“, sagt Müller. Deswegen gebe es bei den EM-Organisatoren eine klare Übereinkunft: „Wir werden so transparent und klar wie nur irgend möglich vorgehen und genau kommunizieren.“

Wenn das gelingt, wer weiß, stehen in 998 Tagen vielleicht ja doch wieder die Sportler im Mittelpunkt.

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