"Ich bin eine lebende Legende" : Usain Bolt - der Überläufer

Usain Bolt kürt sich selbst zum erfolgreichsten Sprinter der olympischen Geschichte und zur "lebenden Legende“ - doch was kommt jetzt? Alles, was Bolt nach dem Triumph über 200 Meter sagte, klang schon nach Abschied.

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Der nächste Olympiasieg für Usain Bolt - was soll jetzt noch kommen?
Der nächste Olympiasieg für Usain Bolt - was soll jetzt noch kommen?Foto: dapd

Es war schon kurz vor Mitternacht und eigentlich alles besprochen, Berufliches und auch Privates, als Usain Bolt mit seinem Finger aufs Mikrofon klopfte. „Ich habe noch eine Sache zu sagen“, sprach er und ließ seinen Blick in die Runde schweifen. 200 Journalisten aus allen Erdteilen schauten zurück. „Ich bin jetzt eine lebende Legende. Badet in meinem Ruhm. Wenn ich das nicht morgen in den Zeitungen und im Fernsehen sehe, werde ich nie wieder ein Interview geben.“ Ende der Durchsage, kurzes Gelächter, dann stand Bolt auf und ging.

Er meint es lustig. Er meint es ernst. Beides dürfte der Fall sein bei einem, der in seiner Sportart Historisches erreicht hat und andererseits aus Sport eine Show macht. Niemand hat es vorher geschafft, seine beiden olympischen Sprintsiege über 100 und 200 Meter zu wiederholen. Dafür musste erst Usain Bolt aus Jamaika kommen, und nachdem er die 200 Meter am Donnerstagabend in 19,32 Sekunden gewonnen und seine fünfte olympische Goldmedaille in Empfang genommen hatte, ging er zur Einordnung über.

Bolt wollte eine Legende werden, das war sein Ziel, das habe er nun erreicht, aber weil Legende nun einmal kein geschützter Titel ist, sollte sich Bolt seinem Status über ein paar Vergleiche nähern. Ist er eine Legende wie Muhammad Ali oder Michael Jordan oder Michael Johnson, und was ist mit dem anderen weltbekannten Jamaikaner, Bob Marley? „Ali war der größte in seinem Sport, Jordan der größte in seinem, und ich bin der größte in meinem, also nehme ich an, dass ich auf dieser Stufe stehe. Ich bin auch in einer Kategorie mit Michael Johnson.“ Und was Bob Marley betrifft, so erfülle er nur dessen Auftrag, weil sie beide das Ziel hätten, Jamaika zu einem Land zu machen, das von der ganzen Welt geliebt wird.

Lieber nicht in einem Atemzug genannt werden möchte Bolt mit Carl Lewis, der seinen Olympiasieg von 1984 über 100 Meter in Seoul vier Jahre später zwar formal wiederholte, aber nur, weil Ben Johnsons Gold aberkannt wurde und Lewis’ eigene Dopinggeschichte nicht ans Licht der Öffentlichkeit kam. „Ich sage jetzt mal etwas Kontroverses: Ich habe allen Respekt vor Carl Lewis verloren. Er hat etwas über Doping gesagt und will sich damit nur wichtig machen.“ Lewis hatte jedenfalls Zweifel an der Lauterkeit von Bolts Leistungen aufkommen lassen, und Usain Bolt antwortete auf die Frage, ob er sicher sei, dass alle jamaikanischen Sprinter ohne Doping liefen: „Ich habe keinen Zweifel. Wir arbeiten alle sehr hart. Wenn wir verdächtigt werden, ist das sehr bitter für uns, aber wir versuchen der Welt zu zeigen, dass wir sauber sind.“

Was er der Welt sonst noch zeigen will, das muss sich Bolt erst noch überlegen, jetzt wo er seine Ziele im Grunde erreicht hat. „Ich habe es geschafft. Jetzt muss ich mich erst einmal hinsetzen und in Ruhe etwas Neues finden.“ Er könne sich vorstellen, es einmal im Weitsprung zu versuchen. „Das wollte ich immer einmal ausprobieren.“ Und privates Glück habe er auch noch nicht gefunden. „Ich hatte mal einen Frauentyp, auf den ich stand, jetzt habe ich den nicht mehr. Es geht mir einfach darum, mich zu verlieben.“

Bei allem was Bolt erzählte in dieser halben Stunde vor Mitternacht im Konferenzraum tief unter den Tribünen des Stratford Stadiums, klang schon etwas vom Abschied an, vom Abschied von der olympischen Bühne und auch vom Abschied vom Leistungssport an sich. Gut möglich, dass das Staffelrennen an diesem Samstag sein letztes olympisches ist. „2016 werde ich 30 sein, und Leichtathletik ist ein harter Job.“

Er denke jetzt nicht ans Aufhören, sagte Bolt und sprach von weiteren Rennen in dieser Saison, aber ihm sitze Yohan Blake im Nacken, sein Landsmann, der über 200 Meter nur zwölf Hundertstel nach ihm ihn ins Ziel kam und Bolt in dieser Saison zweimal besiegt hatte. „Yohan rennt jetzt 19,4, seine persönliche Bestzeit ist 19,2, in den nächsten vier Jahren wird er durchstarten. Ich glaube, ich steige lieber aus, ehe er so schnell läuft. Mit 30 werde ich also sicher aufhören.“

Usain Bolt hat jedenfalls an diesem Abend gesagt: „Ich hatte meine Zeit.“

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