Sport : Ich fühl’ mich nicht nach Dopingtest

Nadal und Federer widersprechen der Fundamentalkritik von Djokovic am Kontrollsystem im Tennis.

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Kampf dem Anti-Doping-Kampf. Novak Djokovic wittert eine Verschwörung und sieht einen Freund als Opfer des Systems. Foto: AFP
Kampf dem Anti-Doping-Kampf. Novak Djokovic wittert eine Verschwörung und sieht einen Freund als Opfer des Systems. Foto: AFPFoto: AFP

Sie hatte mächtig nachgehallt, die flammende Rede von Novak Djokovic am Rande des Tour-Finales. In einem radikalen fünfminütigen Rundumschlag hatte der Weltranglistenzweite aus Serbien gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und die Spielerorganisation ATP ausgeteilt und sich mit Leidenschaft und Wut für seinen Freund und Landsmann Viktor Troicki eingesetzt. Der hatte im April eine Dopingkontrolle verpasst und wurde dafür nun für ein Jahr gesperrt. Eine „totale Ungerechtigkeit“ sei das, wetterte Djokovic: „Ich vertraue hier niemandem mehr.“ Er wittert dahinter eine Verschwörung von Wada und ATP.

Dass sich die ATP als Vertreter der Spieler als auch der Turniere in einem Interessenkonflikt befindet, ist ein altbekanntes Problem und wird von Seiten der Profis regelmäßig kritisiert, die ihre Position zu selten vertreten sehen. Die ATP will ihr Produkt, die Tennistour, schützen und hat sich dem sauberen Sport verschrieben. Dopingsünder werden konsequent bestraft, so propagiert sie es. Djokovic unterstellt der ATP jedoch, sie würde sich im Zweifel mit der Wada gegen die Spieler verbünden. „Die ATP sollte hinter uns stehen“, sagte er, „aber sie tun nichts für Viktor – er steht völlig allein da.“

Troicki hatte sich damals beim Turnier in Monte Carlo krank gefühlt und die zuständige Ärztin gebeten, die Blutkontrolle für den Test am nächsten Tag abgeben zu dürfen. Diese soll ihm daraufhin das Okay gegeben haben, sofern er einen Bericht anfertigen würde. Die Ärztin bestreitet, dass es so gewesen sei. Sie habe Troicki mehrfach gewarnt, dass ihm eine Sperre drohe. Es steht Aussage gegen Aussage. Dennoch ließ sie den Bluttest tags darauf zu, das Ergebnis war negativ. Rafael Nadal sieht den Fall nüchterner als Djokovic, der zu sehr persönlich involviert ist. „Es war ein großer Fehler, wenn die Ärztin ihm die Möglichkeit gab, den Test nachzuholen“, erklärte der Spanier. Doch er wollte Troicki nicht aus seiner Mitschuld entlassen: „Es gibt Regeln. Die kann man mögen oder nicht, aber es gibt sie. Und Viktor weiß genau, dass man einen Doping-Test machen muss, wenn man aufgefordert wird.“

Auch Roger Federer pflichtete Nadal bei und widersprach Djokovic entschieden. „So leid es mir tut, aber es ist egal, ob man sich schlecht fühlt“, sagte der Schweizer, „man muss den Test machen. Und einen Tag später ist es für mich kein Test mehr – was kann über Nacht alles passieren?“ Djokovic indes glaubt felsenfest an die Version seines Freundes. „Fahrlässig und absolut unprofessionell“ sei das von der Ärztin gewesen, ärgerte er sich und fürchte nun selbst, dass er bei seinen Tests keinem der Offiziellen wirklich noch vertrauen könne.

Die Regeln sind jedenfalls eindeutig: Wer während eines Wettkampfes einen Test verpasst, wird für zwei Jahre gesperrt. Der Internationale Tennisverband war Troicki schon entgegen gekommen, hatte die Sanktion auf 18 Monate angesetzt. Der zog dennoch vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas). Schließlich war gerade die Sperre von Marin Cilic von neun auf vier Monate reduziert worden. Der Kroate hatte Glukose-Tabletten geschluckt, die mit der Stimulanz Nikethamid versetzt waren. Der Cas verkürzte Troickis Sperre zwar, aber nur auf ein Jahr bis Juli 2014. „Damit ist mein großer Traum zerstört, ein Topspieler zu werden“, ließ der 27-Jährige verlauten, „ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet – ein Nachmittag beim Arzt hat es mir weggenommen.“ Eine Farce sei das Urteil des Cas, kritisierte Djokovic. Federer dagegen vertraut dem System. „Ich denke nur: Wir werden gar nicht oft genug getestet.“

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