Sport : „Ich habe ein reines Gewissen“

Reiner Calmund über die Vorwürfe gegen ihn

-

Herr Calmund, haben Sie sich in Ihrer Zeit bei Bayer Leverkusen etwas zu Schulden kommen lassen?

Ich kann Ihnen hier und heute nur so viel sagen: Ich habe ein reines Gewissen.

Haben Sie denn eine Erklärung dafür, wie es zu dem Verdacht der Spiel-Manipulation kommen konnte?

Dazu darf ich an dieser Stelle wegen des laufenden Verfahrens nicht viel sagen, nicht zuletzt deshalb, weil es hier um meine Rente geht. Denn ich habe gegenüber Bayer 04 Leverkusen eine Verschwiegenheitspflicht.

Die Bielefelder Finanzbehörden sollen sich doch über die hohe Summe von 580 000 Euro gewundert haben, die Sie an den Spielervermittler Volker Graul gezahlt haben.

Holzi (Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, die Red.) hat stets behauptet, die Ermittlungen kämen von der Steuerfahndung Bielefeld, die auf Unregelmäßigkeiten bei Grauls Steuererklärung gestoßen sei. Nach meiner Information hat Grauls Anwalt aber bewiesen, dass es derzeit kein Steuerermittlungsverfahren gibt. Die ganze Geschichte ist ganz sicher nicht auf dem Trapez, weil sich das Bielefelder Finanzamt um seine Steuern sorgt.

Als Sie den Klub 2004 verlassen haben, lautete die Sprachregelung „aus gesundheitlichen Gründen“. War das eine Notlüge?

Das war keine Sprachregelung und schon gar keine Notlüge. Ich habe immer betont, dass ich nicht krank bin, aber eben „platt“ war. Was allerdings nicht auf den Tisch kam, war, dass ich gespürt habe, dass die Bataillone der Bayer AG nicht mehr so hinter mir standen wie zuvor.

Wie denken Sie heute über Ihre Zeit bei Bayer?

Ich habe ja mal gesagt, dass ich am Mittelkreis begraben werden möchte. Heute aber kann ich mir nicht mal mehr vorstellen, ins Stadion zu gehen. Das hat nichts mit den Mitarbeitern, der Mannschaft und den Fans zu tun, aber eben doch mit einigen Führungskräften. Mit diesen Leuten möchte ich nichts mehr zu tun haben.

Wie sicher fühlen Sie sich jetzt?

So sicher wie vorher auch, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe. Bei diesem Thema gibt es allerdings keinen Sieger. Und die anderen können mir das auch nie wieder gut machen. Die Verantwortlichen dafür werden irgendwann in den Spiegel schauen müssen.

Die Fragen stellte Andreas Kötter (HB).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben