Sport : Ignoranz und Impulse

So sah der Rest der Welt die Frauenfußball-WM

von , und Tobias Käufer[Washington],Buenos Aires[Washington]
Pokal für den Premier. Japans Staatschef Naoto Kan (r.) freut sich mit Kapitänin Homare Sawa und dem Cheftrainer Norio Sasaki. Foto: AFP
Pokal für den Premier. Japans Staatschef Naoto Kan (r.) freut sich mit Kapitänin Homare Sawa und dem Cheftrainer Norio Sasaki....Foto: AFP

Südkorea hat zwar nicht mitgespielt, trotzdem könnte die am Sonntag zu Ende gegangene Fußball-WM der Frauen bei den Asiaten eine größere Wirkung entfalten. Was an der traditionellen sportlichen Rivalität zwischen Südkorea und Japan liegt. Nach dem überraschenden WM-Sieg der Japanerinnen ist nun auch in Südkorea das Interesse erwacht, den eigenen Frauenfußball besser zu fördern. Kim Jong-seok von der Tageszeitung „Hankok Ilbo“ aus Seoul erzählt: „Nun überlegt der Fußballverband, wie man mit den Japanerinnen mithalten kann – und will investieren.“

Doch nicht überall ist die Frauenfußball-WM auf ähnlich großes Interesse gestoßen. In Südamerika haben die Medien kaum Notiz davon genommen. Stattdessen war und ist das Interesse auf die derzeit laufende Copa América im Männerfußball in Argentinien fokussiert. Während in Kolumbien nach den Auftaktniederlagen des Frauennationalteams das zunächst bemerkenswert hohe Interesse spürbar nachließ, wurde die Frauen-WM in Argentinien ignoriert. Auch in Brasilien fanden die Titelkämpfe aus Deutschland nur ein bescheidenes Echo. Selbst das Finale zwischen den USA und Japan fand kaum Niederschlag in der Berichterstattung. Stattdessen wurde ausführlich über das frühe Scheitern der beiden Großmächte Brasilien und Argentinien bei der Copa América berichtet.

In Afrika unternimmt der Frauenfußball vielerorts erste Entwicklungsschritte. „Es gibt gerade bei Moslems noch viele Vorurteile, die Familien wollen nicht, dass Frauen Sport treiben und zu viel Haut zeigen“, berichtet Peter Gomez vom „West Coast Radio“ in Dakar. Doch in Tansania fördert der Staat den Frauenfußball. „Die Frauen gehören zu den besten zehn Teams in Afrika, die Fußball spielenden Männer gehören nicht mal zu den besten 100 in der Welt“, sagt Samoe Ng’itu, Sportreporterin bei der Tageszeitung „The Guardian“ aus Daressalam. „Ich musste deshalb jeden Tag einen Artikel über die Frauen schreiben.“

In vielen europäischen Ländern war das Interesse deutlich geringer. In Italien berichteten die Zeitungen kaum. „Ich mache einen Bericht fürs Fernsehen über die WM in Deutschland“, sagt Marco Terranto vom Sender „Sportitalia“ „aber ich glaube, ich bin der Einzige." Italien war allerdings auch nicht qualifiziert. Ebenso wenig Griechenland. Die 16 dort täglich erscheinenden Sportzeitungen handelten das Turnier mit längeren Meldungen ab, eine große Geschichte gab nur das deutsche Ausscheiden her. In Albanien war die WM nicht so sehr aus sportlicher Sicht interessant. Das Schicksal der in Albanien geborenen und als Kind mit den Eltern nach Deutschland geflohenen Fatmire Bajramaj habe die Medien bewegt, berichtet Enkeleida Zeka, Sportjournalistin bei „The World Today“ in Tirana. „Und für den Wettmarkt war das Turnier natürlich interessant.“

Im Frauenfußballland USA war das anders. 13,5 Millionen Amerikaner verfolgten im Sportsender „ESPN“ die 3:5-Niederlage der USA nach Elfmeterschießen.  Das ist die höchste Zuschauerzahl, die dieser Sportkanal je mit einem Fußballspiel erreichte – und zugleich die sechsthöchste im US- Fernsehen für ein „Soccer Match“. Den Rekord halten ebenfalls die Frauen. 17,9 Millionen Zuschauer sahen den US-Sieg im WM-Finale 1999 im Fernsehen.

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