Sport : Im Griff der Krise

Dem Leichtathletik-Meeting Istaf droht das Aus und die Lage verschärft hat auch der Finanzcrash

Frank Bachner

Berlin - Um Usain Bolt kämpfen sie gerade. Bolt, das wäre eine Zugnummer. Eine umstrittene allerdings, der 100-Meter-Olympiasieger und -Weltrekordler muss stärker gegen Dopingverdächtigungen kämpfen als gegen Kontrahenten. Aber mit Bolt, dem Jamaikaner, lockt man Zuschauer. Das wissen die Veranstalter der Golden-League-Meetings, der Bel Etage der Leichtathletik. Bolt soll für 2009 zentral verpflichtet werden, er soll bei allenMeetings starten, auch beim Istaf in Berlin. Aber Bolt ist nicht billig.

Gut möglich freilich, dass sich Gerhard Janetzky, der geschäftsführende Gesellschafter der Istaf GmbH, 2010 keine Gedanken mehr um Gagen machen muss. 2009 laufen diverse Verträge aus, „und die Chance, dass wir weitermachen, ist derzeit gering“, sagt Janetzky. Im Klartext: Das Ende des größten deutschen Leichtathletik-Meetings steht bevor.

Es geht natürlich ums Geld. „Es muss sich rechnen“, sagt der Istaf-Chef. Daran mangelt es bisher. Die wichtigste Frage für Janetzky lautet: Übertragen ARD oder ZDF auch nach 2009? Ohne Zusage kommt kein potenter Sponsor. Sponsoren- und TV-Verträge laufen 2009 aus, und ARD und ZDF werden sich wohl im Dezember entscheiden. „Spätestens in zwei Monaten muss Klarheit herrschen“, sagt Janetzky. Die ARD hatte 2009 nur zeitweise und mühevoll die bedeutsame 10-Prozent-Quote überschritten (10,1).

Aber es gibt noch mehr problematische Punkte. Derzeit ist die Deutsche Kreditbank (DKB) Hauptsponsor des Istaf, aber die Bank ist hundertprozentige Tochter der Bayerischen Landesbank, die durch die Finanzkrise eine Belastung von rund fünf Milliarden Euro hatte. Ob die DKB weiter Geld fürs Sponsoring hat, ist eine der spannenden Fragen. Und der Vermarkter IMG, an den Janetzky gegen eine Festsumme die internationalen TV-Rechte verkauft hat, gehört einem Investmentfonds. Wenn der im Zuge der Finanzkrise viel Geld verlieren sollte, wird er die internationalen TV-Rechte in Zukunft billiger als bisher haben wollen.

Dann geriete Janetzkys Finanzplanung ins Wanken. Denn das Budget des Istaf von rund 2,5 Millionen Euro besteht zu je einem Drittel aus Sponsoring, TV-Einnahmen und Ticketverkauf. Das Budget ist sowieso erheblich kleiner als jenes von Zürich (6,5 Millionen) und Brüssel (6,0). Von den fünf anderen Golden-League-Meetings strahlte die ARD 2008 keine Sekunde aus, ein weiteres Ärgernis für Janetzky. „Die Hochspringerin Ariane Friedrich hat in Brüssel die überragende Blanka Vlasic besiegt, das hat in Deutschland keiner mitbekommen. Wie soll ich da deutsche Helden aufbauen?“

Vielleicht bringt die WM 2009 in Berlin neue deutsche Helden hervor. Für die Zukunft des Istaf spielt das keine Rolle, die muss früher geklärt werden. Aber Berlin ohne Istaf, da wird Klaus Wowereit ganz unruhig. Der Regierende Bürgermeister von Berlin denkt ans große Ganze: „Wenn diese Veranstaltung nicht mehr stattfinden würde, dann wäre das ein Rückschlag für die ganze deutsche Leichtathletik. Das ist der Punkt.“

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