Sport : Im Paradies

Albas Zugang John Best emanzipiert sich von seinem Vorgänger und Freund Wendell Alexis

Benedikt Voigt

Berlin. Es ist nicht so, dass John Best vor Wendell Alexis keinen Respekt hätte. Im Gegenteil. „Ich nenne ihn immer den Michael Jordan von Deutschland“, sagte der Zugang von Alba Berlin. Das ist so ziemlich das höchste Lob, das man einem Basketballprofi hierzulande machen kann. Zudem sind die beiden US-Amerikaner befreundet. Trotzdem lässt sich John Best von seinem Vorgänger und Publikumsliebling bei Alba Berlin nicht alles sagen. „Ich wohne in der ehemaligen Wohnung von Wendell Alexis“, berichtet Best, „er hat mir gleich einige gute Restaurants in meiner Nähe genannt.“ Das bedeutete aber nicht, dass er diese auch besuchen wird. „Ich bin Vegetarier“, sagt Best, „ich möchte meine eigenen Restaurants finden.“

Der 32-jährige Moslem sucht nicht nur kulinarisch seinen eigenen Weg in Berlin. „Ich möchte nicht Wendell Alexis nachfolgen. Was er bei Alba gemacht hat, ist einzigartig“, sagt der neue Alba-Spieler. „Ich möchte das tun, was John Best tun kann.“ Was er so tut, konnten 4000 Basketballfans in der Max-Schmeling-Halle am Donnerstag erstmals beim 81:77 über Slask Wroclaw bei der Berliner Basketball-Trophy sehen. 18 Punkte erzielte der Power Forward in knapp dreißig Spielminuten. Nur ein einziger seiner acht Würfe fand nicht den Weg in den Korb. In dem mäßigen Spiel gegen den polnischen Europaligisten wendete er gemeinsam mit DeJuan Collins (22 Punkte) im letzten Viertel noch die Partie. Es war ein gutes Debüt, bei dem Aufbauspieler Mithat Demirel wegen Knieproblemen fehlte. Bei der gestrigen 70:89 (41:42)-Niederlage gegen Maccabi Tel Aviv enttäuschte Best dagegen wie die gesamte Alba-Mannschaft. Er kam lediglich auf drei Punkte.

Einige Alba-Anhänger hatten sich im Internet kritisch geäußert, als die Verpflichtung von Best bekannt wurde. Weil sich der US-Amerikaner aus Memphis als Spieler in Diensten von Bayer Leverkusen intensive Duelle mit den Berlinern geliefert hatte. Vor allem mit Wendell Alexis. „Ich habe nur gekämpft, um die Spiele zu gewinnen“, sagt Best. Die Alba-Fans empfingen John Best am Donnerstag wie jeden anderen Spieler: mit Beifall. „Das war wunderbar. Ich hatte befürchtet, dass sie mich ausbuhen“, sagte Best, der zehn Kilo abgenommen hatte, um sich für Alba fit zu machen.

Best wollte unbedingt zu Alba Berlin, um sich in der Europaliga beweisen zu können. Vor drei Jahren trat er mit Leverkusen in der damaligen Suproleague an, jetzt möchte er wieder auf diesem Niveau spielen. „Hier ist es wie im Paradies“, sagte der Vater von drei Kindern im Trainingslager in Bad Saarow. Seine Begeisterung hält auch eineinhalb Monate nach Trainingsbeginn noch an. „Alba ist das Team, das ich immer schlagen wollte – nun spiele ich für dieses Team“, sagt er. Auch die Ausgeglichenheit gefällt ihm. „Hier gibt es keine Stars wie in Leverkusen“, sagt der Power Forward, der in der vergangenen Saison durchschnittlich 20,6 Punkte für Leverkusen erzielte. Durch seine Treffsicherheit ist der siebenmalige Deutsche Meister in der Offensive noch schwerer auszurechnen. „Hier habe ich auch mehr Freiheiten“, sagt Best. Allerdings muss er sich noch in der Verteidigung bei Alba Berlin zurechtfinden. Zumal Albas Trainer Emir Mutapcic großen Wert auf die Defensive legt.

Mindestens zweimal wird er auch wie früher gegen seinen Freund Wendell Alexis spielen dürfen. Allerdings mit unterschiedlichen Trikots. Alexis spielt inzwischen für den Mitteldeutschen BC. „Es ist immer gut, gegen Wendell zu spielen“, sagt Best. Obwohl sich die beiden oftmals egalisierten, ging in der Vergangenheit meistens Wendell Alexis als Sieger vom Feld. Best hat dafür eine simple Erklärung: „Er hatte das bessere Team.“ John Best hat alles dafür getan, dass das nicht mehr der Fall ist.

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