Sport : IM RÜCKSPIEGEL Der Traktorfahrer

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Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

2. Mai 1976: Vor dem großen Preis von Spanien in Jarama in der Nähe von Madrid, dem vierten Lauf zur WM, hat Niki Lauda eine fast makellose Bilanz: Zwei Siege und ein zweiter Platz. Der Ferrari-Pilot ist das Maß der Dinge. Während die Boulevard-Medien schon von der großen Langeweile in der Formel 1 schreiben, sorgt in der Woche vor dem Rennen der Österreicher selbst wieder für Spannung.

Auf seinem Grundstück ereignet sich ein Unfall, der einigen Wirbel entfachen soll: Bei Erdarbeiten stellt sich der amtierende Weltmeister nicht gerade geschickt an und kippt mit dem von seinem Nachbarn geliehenen Traktor um.

Lauda hat großes Glück und bricht sich lediglich zwei Rippen. Eine Teilnahme am Rennen scheint ausgeschlossen. In der Ferrari-Zentrale in Maranello herrscht Riesenaufregung. Hektisch und nicht gerade diplomatisch werden von Firmengründer Enzo Ferrari sämtliche Spitzenfahrer kontaktiert. Emerson Fittipaldi, Carlos Reutemann, Ronnie Peterson, und Mario Andretti wollen Niki Lauda aber nicht in den Rücken fallen und sagen ab.

Jeden Tag gibt es neue Pressemeldungen über den Gesundheitszustand des Österreichers. Italienische Zeitungen wollen schon das Formel-3-Talent Maurizio Flammini ins Cockpit schreiben, als allen Gerüchten zum Trotz doch Niki Lauda selbst zum Training in Jarama erscheint.

Zur allgemeinen Überraschung fährt der bandagierte Weltmeister prompt die Poleposition heraus. Auch im Rennen führt Lauda lange, bis die Schmerzen so groß werden, dass er McLaren-Pilot James Hunt passieren lassen muss. Eine Stunde nach dem Rennen wird Hunt allerdings disqualifiziert. Sein Auto war 18 Millimeter zu breit. Lauda kann sich aber über den Sieg nicht lange freuen. Zwei Monate später hebt das FIA-Berufungsgericht in Paris die Entscheidung nach einem Protest von McLaren wieder auf. Eine Entscheidung mit Folgen: Am Ende der Saison fehlt Lauda genau ein Punkt auf den neuen Weltmeister Hunt. Hans Schmalbach.

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