Sport : IM RÜCKSPIEGEL Ruhe im Chaos

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Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

17. August 1975: Er soll das große Fest des Niki Lauda werden, dieser Große Preis von Österreich. Lauda kann sich bei seinem Heim-Grand-Prix drei Läufe vor Saisonende vorzeitig die Weltmeisterschaft sichern. Ein fünfter Platz reicht dem Österreicher. Beim Start von der Poleposition sollte das eigentlich eine lösbare Aufgabe für ihn sein.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Im Warm-up verunglückt der Amerikaner Mark Donohue mit seinem March-Boliden so schwer, dass er an seinen Kopfverletzungen zwei Tage später stirbt. Bei diesem Crash wird auch ein Streckenposten getötet. Zwei Stunden vor dem Start beginnt ein sintflutartiger Regen, woraufhin die Kommissare das Rennen um 60 Minuten verschieben. Aber der Regen hört nicht auf. Im Gegenteil: Wenige Runden nach dem Start sprechen die TV-Kommentatoren schon von irregulären Bedingungen.

Viele Fahrer, darunter auch Spitzenreiter Lauda und Emerson Fittipaldi, drehen sich von der Strecke auf dem schnellen Kurs in Zeltweg, haben aber das Glück und das Können, ins Rennen zurück zu kommen. In dem Chaos von Drehern, Crashs und Boxenstopps bewahrt einer stoische Ruhe: Ausgerechnet der March-Fahrer Vittorio Brambilla, der wegen seiner vielen selbstverschuldeten Unfälle den Spitzn „Der Bruchpilot“ trägt, schafft es, auf der Piste zu bleiben.

Als dann die Rennleitung den Grand Prix nach 29 Runden abbricht, ist der Italiener zur Überraschung aller mit 30 Sekunden Vorsprung vor James Hunt im Hesketh und Tom Pryce im Shadow der Sieger. Brambilla ist darüber so aus dem Häuschen, dass er die Gewalt über das Lenkrad verliert und seinen March nur wenige hundert Meter nach der Ziellinie in die Leitplanken setzt.

Die Ehrenrunde zu seinem einzigen Sieg absolviert er standesgemäß, aber mit demoliertem Frontspoiler. Lauda wird erst später, in Monza, zum Weltmeister gekürt. Hans Schmalbach

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